PAKISTAN

Ein Auto für die Seelsorge

Polizeischutz für Mitarbeiter der Pfarrei.

Polizeischutz für Mitarbeiter der Pfarrei.

Die Stadt Gojra in der Diözese Faisalabad gelangte vor vier Jahren zu einer traurigen Berühmtheit. Alles fing harmlos an. Am 30. Juli 2009 sollte in einem Dorf nahe Gojra eine Hochzeit gefeiert werden. Mit Trommeln wurde der Bräutigam vor dem Haus der Braut willkommen geheißen. Christliche Kinder zerrissen Zeitungen und ein paar alte Bücher, um Konfetti daraus zu machen. Es sollte ein fröhliches Fest werden.

Aber es kam alles ganz anders. Denn unter dem Altpapier waren auch Buchseiten, auf denen Koranverse stehen. Einige Muslime hatten es gesehen, und wenig später verkündete der Mullah durch die Lautsprecher der Moschee im ganzen Dorf, dass der Koran geschändet worden sei. Ein aufgebrachter Mob brannte daraufhin 80 Häuser von Christen und zwei kleine protestantische Kirchen nieder.

Am nächsten Tag sprang die Empörung auf Gojra über, obwohl dort gar nichts vorgefallen war. Dreitausend aufgehetzte muslimische Fanatiker stürmten mit Stöcken und Schusswaffen bewaffnet das christliche Viertel. Die traurige Bilanz: 105 christliche Häuser wurden niedergebrannt. Hier waren auch Tote zu beklagen: Eine achtköpfige Familie wurde in ihrem Haus eingeschlossen und verbrannte dort.

Hinter den Angriffen steckte nach Angaben des damaligen Bischofs Joseph Coutts (inzwischen ist er Erzbischof von Karatschi) eine militante Islamistengruppierung, die Pakistan von Christen säubern will. „Immerhin hat die Regierung aber die abgebrannten Häuser wiederaufgebaut“, sagt er. Und noch etwas Positives berichtet er: „Zwei Mullahs haben sich ein Jahr später für die Übergriffe entschuldigt.“

Die Pfarrei heißt die Statue des Prager Jesuleins willkommen.

Die Pfarrei heißt die Statue des Prager Jesuleins willkommen.

Dass die Lage zurzeit ruhig ist und es nicht zu weiteren Übergriffen gekommen ist, ist auch der starken Polizeipräsenz zu verdanken. Das Pfarrhaus, die Kirche und das Schwesternkloster stehen noch immer unter Polizeischutz.

Dennoch: Die Katholiken in der Herz-Jesu-Pfarrei leben ihren Glauben mit großer Inbrunst. Erst Anfang September haben sie ein großes Fest gefeiert, um eine Statue des Prager Jesuskindes in ihrer Gemeinde willkommen zu heißen. Mehr als 300 Kinder und Jugendliche, zahlreiche Erwachsene und acht Priester nahmen an der Feier teil.

Am Anfang wurde das Jesuskind in einer großen Prozession zur Kirche geleitet, wo es aufgestellt wurde. Kinder führten Szenen aus der Kindheit Jesu und Begrüßungstänze auf und sangen Hymnen. Es gab Katechesen zum „Jahr des Glaubens“, und Gläubige legten Zeugnis ab über die wunderbaren Erlebnisse, die sie dank des Jesuskindes in ihrem Leben erfahren durften. Die Verehrung des Prager Jesuskindes breitet sich in der letzten Zeit in Pakistan immer weiter aus. Gojra ist der zweite Ort in diesem Land, wo feierlich eine Abbildung des weltberühmten Gnadenbildes eingeweiht wurde.

Die Kinder freuen sich über die Figur des Prager Jesuleins.

Die Kinder freuen sich über die Figur des Prager Jesuleins.

Die Pfarrei umfasst allerdings ein riesiges Gebiet, und die Priester haben alle Hände voll zu tun. Pater Younis Inayat betreut in großes Gebiet innerhalb der Pfarrei und ist zugleich der Direktor einer katholischen Schule. Er hat bislang nur ein Moped, um sich fortzubewegen. 60 Kilometer und mehr müssen sie zurücklegen, um die Dörfer zu erreichen, die zu seinem Seelsorgebereich gehören. Mit einem einfachen Moped ist das schwer. Zudem ist es abends und bei Nacht gefährlich, denn immer wieder kommt es zu Raubüberfällen.

Wir wollen ihm mit 10.000 Euro beim Kauf eines Autos helfen, damit er die Gläubigen in den vielen weit abgelegenen Dörfern betreuen kann.

 

KIN / S. Stein