TSCHECHISCHE REPUBLIK

Stühle für eine Kirche der Karmelitenpatres

Osternacht im Karmelitenkloster.

Osternacht im Karmelitenkloster.

In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1950 wurden um Mitternacht alle Männerklöster in der damaligen Tschechoslowakei von der Volksmiliz, der Staatssicherheit und Einheiten des Innenministeriums überfallen. Die Mönche wurden verhaftet und in sogenannte „Sammelklöster“ gebracht.

Diese waren, wie es der Kirchenhistoriker Vaclav Vasko schreibt, „nichts anderes als bewachte Konzentrationslager für Mönche“. Alle Klöster wurden vom Staat übernommen.

Dieses Schicksal teilte auch das Franziskanerkloster von Slany, etwa 20 Kilometer südlich von Prag. Nach der Vertreibung der Ordensleute wurde das Kloster als Gefängnis und Werkstatt und der Klostergarten als Schießübungs- und Schuttabladeplatz und sogar als Tiergarten missbraucht. Das enteignete und geschändete Kloster lag in einer Region, in der die Kommunisten mit besonders entschlossen den Atheismus durchsetzen wollten.

Nach der politischen Wende beschloss Kardinal Miroslav Vlk, der damalige Erzbischof von Prag, das Kloster in Slany dem Karmelitenorden zu überlassen, der inzwischen auch in Prag wieder das Kloster bei der weltbekannten Wallfahrtsstätte des Gnadenreichen Prager Jesuskindes bezogen hatte.

Feier der Osternacht mit Osterfeuer.

Feier der Osternacht mit Osterfeuer.

Die Karmelitenpatres in Prag hatten in dem völlig heruntergekommen und baufälligen Kloster jedoch keinen Platz für die jungen Männer, die sich ihnen anschließen wollten, und so entstand in Slany ihr Noviziat. Das ehemalige Franziskanerkloster glich damals einer Ruine und war voller Schutt und Trümmer. Die Ordensmänner krempelten jedoch die Ärmel hoch und machten sich ans Werk.

Dank der harten Arbeit, die die Karmeliter seit 20 Jahren dort geleistet haben, ist das Kloster heute eine kleine Perle der Ruhe und der Schönheit. Rund um das Kloster hat sich in der Stadt, die die Kommunisten zu einem Zentrum des Atheismus machen wollten, eine lebendige Gemeinde mit vielen jungen Familien gebildet. Jedes Jahr lassen sich in der Osternacht mehrere Erwachsene taufen, und an jeder Sonntagsmesse nehmen bis zu dreißig Kinder teil.

Ein kleiner Chor aus mehreren Männern und Frauen untermalt die Gottesdienste, die von den jungen Mönchen mit großer Ehrfurcht und Freude gefeiert werden. Man spürt, dass hier, wo die Kommunisten der Kirche eine tödliche Wunde zufügen wollten, neues Leben hervorgesprudelt ist.

Kommunität der Karmeliter in Slany.

Kommunität der Karmeliter in Slany.

Das Kloster dient zudem als Exerzitienhaus und ist somit neben dem Heiligtum des Prager Jesuskindes ein wichtiges Zentrum der katholischen Kirche in der Erzdiözese Prag. Viele möchten die Spiritualität des Karmeliterordens besser kennenlernen. Sie leben einzeln oder in Gruppen ein paar Tage mit den Mönchen und vertiefen ihren Glauben in der Stille dieses Ortes.

Noch immer gibt es jedoch viel zu tun, auch wenn an die Ruine aus kommunistischer Zeit nur noch Fotos erinnern. So haben die Gottesdienste jahrelang in einem Raum des Klosters stattfinden müssen, weil die Kirche restauriert werden musste.

Nun finden die Gottesdienste in der Kirche statt, aber es gibt noch keine Sitzgelegenheiten für die Gläubigen. Die Stühle wurden bislang aus anderen Räumen des Klosters in die Kirche getragen und wieder zurückgebracht. Dies war auf die Dauer kein Zustand. Nun haben die Patres KIRCHE IN NOT um Hilfe gebeten. Wir haben 5.000 Euro versprochen.

KIN / S. Stein