RUSSLAND

Reha-Zentrum für Drogenabhängige

Ehemalige Drogenabhängige in der Einrichtung bei Sankt Petersburg.

Ehemalige Drogenabhängige in der Einrichtung bei Sankt Petersburg.

KIRCHE IN NOT ist von Anfang an ein Werk der Versöhnung. So war es für Pater Werenfried, unseren Gründer, ein Herzensanliegen und „seine letzte und größte Freude“, wie er sagte, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus das Wort von der „Ökumene der Solidarität“ in konkrete Taten umzusetzen und auch die russische Orthodoxe Kirche zu unterstützen.

Ein besonders segensreiches Projekt ist das Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige in Sapernoe etwa 100 Kilometer von Sankt Petersburg in der fast unberührten Natur unweit der finnisch-karelischen Grenze.

Anfangs kamen immer wieder junge Menschen mit einem Drogenproblem zu Vater Sergij Belkow zur Beichte. Bevor er Priester wurde, war er Ermittler bei der Mordkommission. Die Drogenproblematik war für ihn nichts Neues. Aber als Priester war ihm auch klar, dass er hier nicht in erster Linie vor einem medizinischen oder soziologischen Problem steht, sondern vielmehr vor einer Krankheit der Seele.

Dass der Weg der Drogen der falsche ist, erkennen die meisten sehr schnell. „Wie lebendig im Grab“ fühle man sich, sagt der eine, „nicht mehr menschlich“, sagt der andere. Der Weg aus dem Teufelskreis der Drogen beginnt mit dieser Erkenntnis und dem Willen zur Umkehr. Der erste Schritt dazu ist die Beichte. Der wichtigste Schritt zur Heilung ist der Empfang der Sakramente.

In der Kapelle des Rehazentrums für Drogenabhängige.

In der Kapelle des Rehazentrums für Drogenabhängige.

Vater Sergij nimmt die jungen Männer nach dem körperlichen Entzug, der meistens in einer der Sankt Petersburger staatlichen Kliniken stattfindet, auf wie der „Vater den verlorenen Sohn”. Mitglieder seiner Gemeinde unterstützen ihn tatkräftig in seinem Anliegen.

Eine solche Helferin beschreibt, wie sehr sie immer wieder überrascht ist über den Wandel, der mit den jungen Männern zwischen 18 und 28 Jahren vor sich geht. „In den ersten Tagen sind sie immer aggressiv und mürrisch, schauen einen gar nicht an. Aber schon bald findet eine echte ‚Verklärung’ von innen statt – mit Gottes Hilfe und durch die Liebe und familiäre Wärme, die Vater Sergij, seine Frau, alle Helfer und Bewohner des Zentrums ausstrahlen.“

Strukturell ist das Zentrum wie eine natürliche gesunde Familie aufgebaut. Die älteren Zöglinge entsprechen den älteren Geschwistern, die die Disziplin in der Familie schon kennen und weitergeben an die Jüngeren. Nur einmal im Monat kann ein neues Familienmitglied aufgenommen werden, um das Gleichgewicht nicht zu gefährden. Psychisch und physisch gestärkt und gefestigt können die jungen Männer dann zu ihren Familien zurückkehren und selbst welche gründen.

Die ehemaligen Drogenabhängigen können in dem Rehabilitationszentrum auch den Beruf des Schreiners erlernen.

Die ehemaligen Drogenabhängigen können in dem Rehabilitationszentrum auch den Beruf des Schreiners erlernen.

Die Einrichtung das erste orthodoxe Zentrum dieser Art in Russland gewesen. Der Erfolg von etwa 75 Prozent dauerhaft Geheilten gibt Vater Sergij und seinem Konzept Recht und findet im ganzen Land und darüber hinaus Anerkennung und Nachahmer.

Das Leben im Zentrum ist von Gebet und Arbeit, von Gehorsam und Einhalten der kirchlichen Fasten geprägt und nicht zufällig durch und durch am Klosterleben orientiert. Von Anfang an hat jeder seine Aufgaben. Gearbeitet wird zunächst mit einem Meister, dann immer selbstständiger. Es gibt Arbeit in der Landwirtschaft (Vieh-, Schweine- und Geflügelzucht, Gemüsegarten) und im Bauwesen. Verschiedene Berufe wie Schreiner, Zimmermann, Dachdecker, Maurer können hier erlernt werden.

Ehemalige springen immer wieder als Ausbilder und zuverlässige und glaubwürdige Helfer ein. In der Arbeit finden die Kranken ihre Würde wieder. Nun möchte Vater Sergij noch eine Hostien- und Kerzenwerkstatt einrichten. KIRCHE IN NOT hilft mit 17.000 Euro.

6.Nov 2013 12:45 · aktualisiert: 12.Feb 2014 07:45
KIN / S. Stein