BOSNIEN UND HERZEGOWINA

Hilfe nach der Überschwemmung

Kirche im Hochwasser (Foto: KTA-Agentur/Bosnia-Herzegovina).

Kirche im Hochwasser (Foto: KTA-Agentur/Bosnia-Herzegovina).

Eine solche Katastrophe hatten die Menschen in Bosnien und Herzegowina nicht für möglich gehalten. Eine Überschwemmung dieses Ausmaßes hatte es zuletzt vor mehr als 120 Jahren gegeben. Viele hatten die Gewalt der Fluten unterschätzt und blieben in ihren Häusern, bis sie sich auf die Dächer retten mussten.

Manche weigerten sich auch deshalb, ihr Hab und Gut zurückzulassen, weil sie bereits im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 alles verloren hatten. Bei ihnen brechen nun die Wunden des Krieges wieder auf. Gerade für die älteren Leute ist es schlimm, zum wiederholten Male alles zerstört zu sehen.

Pater Simo Marsic, Jugendseelsorger in der Erzdiözese Sarajewo und der Rektor des Jugendpastoralzentrums „St. Johannes Paul II.“ in Sarajewo, weiß aber auch von Positivem zu berichten: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie sehr die Menschen – seien sie Katholiken, Orthodoxe oder Muslime – durch das Leid verbunden werden. Es hat sofort eine große und echte Solidarität unter der Bevölkerung eingesetzt.

Nach dem Hochwasser blieben Schlamm und Verwüstung zurück. (Foto: KTA/Agentur Bosnien und Herzegowina).

Nach dem Hochwasser blieben Schlamm und Verwüstung zurück. (Foto: KTA/Agentur Bosnien und Herzegowina).

Dabei wird kein Unterschied zwischen den Angehörigen der verschiedenen Volksgruppen und Religionsgemeinschaften gemacht, obwohl es 21 Jahre nach dem Ende des Krieges noch immer viele Spannungen gibt. Diese sind angesichts der Flut vergessen. Es ist eine Gnade Gottes, dass die Menschen in dieser schweren Situation Mauern überwinden, die zwischen den Volksgruppen und Religionen bestehen.“

Pater Simi Marsic berichtet, dass in einem Ort eine Heiligenfigur aus einer Kirche geschwemmt wurde. Ein Moslem fand sie in einer Straße und brachte sie zurück, weil er wusste, dass sie aus einer katholischen Kirche stammte. „Die Not schweißt die Menschen enger zusammen“, freut sich der Priester.

Der überflutete Innenraum einer Kirche (Foto: KTA-Agentur/Bosnia-Herzegovina).

Der überflutete Innenraum einer Kirche (Foto: KTA-Agentur/Bosnia-Herzegovina).

Dennoch: Die Not ist riesengroß. Zudem sind weiterhin zahlreiche Häuser durch Erdrutsche bedroht. Dazu kommt die Seuchengefahr durch Tierkadaver. Es ist noch nicht abzusehen, wie stark die Zerstörungen sind, von denen Kirchen und kirchliche Gebäude betroffen sind. Alle 40 katholischen Pfarreien der Erzdiözese Sarajewo mit ihren rund 60 000 Gläubigen sind betroffen.

KIRCHE IN NOT hilft in der Erzdiözese Sarajewo mit 50.000 Euro.

KIN / S. Stein