RUSSLAND

Bücher für ein Priesterseminar

Göttliche Liturgie im Priesterseminar von Smolensk.

Göttliche Liturgie im Priesterseminar von Smolensk.

Am orthodoxen Priesterseminar in Smolensk bereiten sich zurzeit rund 100 junge Seminaristen auf ihre Priesterweihe vor. Die Stadt liegt im Westen des Landes unweit der weißrussischen Grenze. KIRCHE IN NOT unterstützt das 1988 wiedereröffnete Seminar seit Beginn der 1990er-Jahre.

Vor der Oktoberrevolution wurden dort bereits 200 Jahre lang orthodoxe Priester ausgebildet. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde der Kirche ein völlig marodes, zerstörtes Gebäude zurückerstattet. Man musste mit dem Aufbau des Seminars nahezu bei null beginnen.

KIRCHE IN NOT hat geholfen, das Seminar einzurichten und auszustatten, und hilft bis heute bei der Ausbildung der angehenden Priester. Eine der Früchte dieser Hilfe ist, dass das Seminar enge Kontakte zur katholischen Pfarrei der Stadt unterhält.

Die jungen Männer, die sich heute in Smolensk auf die Priesterweihe vorbereiten, sind in der schwierigen Zeit unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Kommunismus geboren. Viele mussten den Weg zu Gott selbst finden, da auch schon ihre Eltern und Großeltern in einem atheistischen System aufgewachsen waren. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie auf ihrem Lebensweg eines Tages an den Punkt gelangten, an dem sie verstanden, dass Gott sie ruft.

Seminaristen in Smolensk.

Seminaristen in Smolensk.

Einer von ihnen ist der 27-jährige Filaret. Er stammt aus einer Familie, in der niemand gläubig war. Dennoch wurde er mit vier Jahren getauft. Über seine Kindheit sagt er: „Ich war gesund, voller Kraft, trieb Sport, und es schien so zu sein, als gäbe es auf meinem Weg keine Hindernisse, die ich nicht überwinden könnte.“

Als er jedoch 14 Jahre alt war, wurde er krank. Die Ärzte konnten lange keine Diagnose stellen, aber es stellte sich heraus, dass der Junge an einer Polyarthritis litt, die zunächst die Wirbelsäule und dann die Gelenke befiel. „Damit konnte ich mich nicht abfinden. Ich versuchte, die Krankheit zu bekämpfen und verstärkte das Training. Aber da verstand ich zum ersten Mal wirklich, was Ohnmacht bedeutet“, sagt er.

„Die Bibel ist der Wegweiser meines Lebens”

Diese Erfahrung veränderte ihn: „Wenn ich an mich und meine Freunde denke, verstehe ich, dass wir alle Träume und unsere eigenen Vorstellungen vom Glück hatten, aber wir suchten das Glück dort, wo es nicht sein kann. Kein Wunder, dass ich gerade da anfing, mir über Gott, den Sinn des Lebens und über die Herkunft der Welt Gedanken zu machen.

Bei dieser Suche entdeckte ich das Evangelium, und mein Wertesystem veränderte sich vollständig. Das, was mir passiert war, konnte man nicht erklären. Ich saß zu Hause und las ohne Unterbrechung die Bibel. Sie wurde zum Sinn und zum Wegweiser meines Lebens.“

Kapellenschiff von KIRCHE IN NOT auf der Wolga.

Kapellenschiff von KIRCHE IN NOT auf der Wolga.

Die Krankheit verschlimmerte sich. Mit 19 Jahren konnte der junge Mann kaum noch laufen. „Das Evangelium war mein einziger Trost. Gerade zu der Zeit betete ich wie nie zuvor, aber ich ging nicht zur Kirche. Damals wollte ich Arzt werden, um Menschen helfen zu können. Einmal hörte ich von orthodoxen Mönchen und verstand, dass sie so leben, wie auch ich gerne leben würde.

Ich lernte den Priestermönch Ermogen kennen, der einer Mönchsgemeinschaft vorstand. Zuerst beichtete ich und empfing die Kommunion, und 2010 wurde ich in das Kloster aufgenommen. Kurz darauf verstand ich, dass ich wirklich Gott dienen und den Menschen helfen kann, wenn ich Priester werde.“

Große göttliche Fügung

2011 trat er in das Smolensker Seminar ein. Für Filaret ist dies eine „große göttliche Fügung“. Er sagt: „Die Lebensbedingungen, die Lehre und die Lehrkräfte geben mir unermesslichen Gewinn und formen mich als Person und auch als zukünftigen Priester.“

Damit die zukünftigen Priester einen weiten Horizont haben, sollen die Seminaristen während ihrer Ausbildung auch mit den Werken westlicher Theologen vertraut werden. Daher möchte der Rektor die Bibliothek ergänzen, beispielsweise mit Werken Joseph Ratzingers/Papst Benedikts XVI. und anderer namhafter katholischer Theologen. Wir möchten mit 5.000 Euro helfen.

KIN / S. Stein