BRASILIEN

Kindern eine Zukunft geben

Junge aus Salvador da Bahia.

Junge aus Salvador da Bahia.

Brasilien gehört zu den zehn größten Wirtschaftsmächten der Welt. Trotzdem wird das Leben vieler Brasilianer durch die ungleiche Verteilung des sozialen Reichtums von zunehmender Armut, wachsender Arbeitslosigkeit und mangelnden Zukunftschancen bestimmt.

Besonders der Nordosten ist von Armut betroffen, auch Salvador da Bahia, mit 2,2 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt des Landes.

Etwa zwei Drittel der Bewohner sind Nachfahren afrikanischer Sklaven, die in der Blütezeit des kolonialen Tabak- und Zuckeranbaus hierher verschleppt wurden. Viele Menschen aus dem extrem armen Hinterland ziehen in die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia. Ein großer Teil von ihnen strandet allerdings im Elend der sich immer weiter ausbreitenden Peripherie.

Die pastoralen und sozialen Aufgaben für die Kirche sind in der Erzdiözese, der Stadt São Salvador und den umliegenden Städten, immens. Bischof Msgr. Murilo Sebastião Ramos Krieger ist froh, dass ihm 50 Schwesterngemeinschaften zur Seite stehen. Um ihre Aktivitäten abzustimmen und sich gemeinsam fortzubilden, sind diese Gemeinschaften im Grimpo („Grupo das Irmas Inseridas no Meio Popular“) organisiert.

Kinder aus der Einrichtung der Schwestern in Salvador.

Kinder aus der Einrichtung der Schwestern in Salvador.

Sie unterstützen die Arbeit der Kirche, neben der Versorgung von kranken und alten Menschen und der Gefangenenseelsorge ist das vor allem in der Familienpastoral und mit der Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Da sind zum Beispiel die „Irmãs Franciscanas Marianas Missionárias”. Vier Schwestern leben in Salinas da Margarida, einer Kleinstadt mit 15 600 Einwohnern, wo 90 Prozent der Männer Fischer sind und die Frauen vom Muschelsammeln leben. Die Frauen sind dafür stundenlang unterwegs und vernachlässigen Kinder und Haushalt. Die Schwestern unterstützen die Frauen, indem sie ihnen zu organisierter Arbeit verhelfen und ihnen die Kinderbetreuung abnehmen.

Sie haben eine Krippe für kleine Kinder bis 6 Jahre (zurzeit mit 1040 Kindern) gegründet, eine Schule für die 7- bis 14-Jährigen (830 Kinder) und berufliche Weiterbildungskurse für 200 Jugendliche. Es gibt Näh- und Schreibmaschinenkurse, eine Schreinerei und eine Ziegelei. Mit diesem Angebot geben sie den Kindern und Jugendlichen eine Zukunft, deren Alternative sonst ein Leben auf der Straße wäre. Ihnen zur Seite stehen 150 freiwillige Helfer, die die Schwestern ausgebildet haben.

Schwester aus Brasilien mit einem Baby.

Schwester aus Brasilien mit einem Baby.

In Sussuarana arbeiten seit 1994 vier Schwestern der Vorsehung. Sussuarana liegt am Stadtrand von Salvador und ist eine typische Favela. Auf unbebautem Land haben verzweifelte Menschen ihre Wellblechhütten erbaut und hoffen von dem leben zu können, was die Großstadt abwirft. Eine Infrastruktur wie Straßen, Abwassersystem, Stromversorgung gibt es nicht. Bei Regenfällen verwandelt sich die Favela in eine Schlammhölle.

Die durchschnittliche Lebenserwartung für die Favelabewohner ist drastisch gesunken: 46 Jahre gegenüber dem brasilianischen Mittel von 64 Jahren. Für die Kinder gibt es hier keine Schule. Die Schwestern haben eine Grundschule (1. bis 4. Klasse) gegründet. 237 Kinder zwischen 7 und 14 Jahren werden hier betreut.

Ordensschwester mit Kindern

Ordensschwester mit Kindern

Ähnlich ist die Arbeit der vier Combonischwestern in Coqueirinho, die einen Kindergarten mit 65 Kindern unterhalten. Die meisten der Kinder, die zu ihnen kommen, sind unterernährt. Ihre Eltern sind froh, ihre Kleinen bei den Schwestern zu wissen: Hier bekommen sie Basiswissen vermittelt und bekommen eine Mahlzeit – und nicht zuletzt die Verwurzelung im Glauben.

Außerdem haben 35 Jugendliche und junge Erwachsene bei den Schwestern die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Abends dienen die Unterrichtsräume für Computerkurse.

Alle Schwesterngemeinschaften in der Erzdiözese leben am Existenzminimum. Da viele brasilianische Gründungen sind und auch die internationalen Kongregationen nicht immer auf Hilfe aus den europäischen Mutterhäusern rechnen können, sind die Schwestern dringend auf unsere Hilfe angewiesen.

KIRCHE IN NOT möchte die segensreiche Arbeit der 153 Ordensschwestern aus 50 Gemeinschaften mit 50.700 Euro unterstützen.

KIN / S. Stein