Wohnraum für 2000 Familien

Katholische Kirche braucht Unterstützung bei der Miete von Wohnungen für Flüchtlinge

Mutter mit Zwillingen. Mit ihrer Familie sind sie aus Karakosch geflohen.

Mutter mit Zwillingen. Mit ihrer Familie sind sie aus Karakosch geflohen.

Vor dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 gab es schätzungsweise zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Christen im Irak. Vor Ausbruch der jetzigen Gewaltwelle waren es noch etwa 250 000 bis 400 000 Christen.

Die Hälfte von ihnen lebte in der Millionenstadt Mossul und in den christlichen Dörfern in der Ninive-Ebene. Die Wurzeln dieser christlichen Gemeinden reichen bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche zurück.

Am 10. Juni 2014 floh die erste Welle der Christen aus Mossul in die nahe gelegenen christlichen Dörfer, nachdem die irakische Armee die Stadt verlassen und die Terrorbewegung “Islamischer Staat” Mossul erobert hatte.

Am 17. Juli wurde den verbliebenen Christen ein Ultimatum gestellt: Sie wurden aufgerufen, zum Islam zu konvertieren oder eine Sondersteuer zu zahlen oder die Stadt zu verlassen. Sollten sie dieser Forderung nicht nachkommen, drohe ihnen der Tod durch das Schwert.

Dies führte zu einer zweiten und letzten Welle von Christen, die am 19. Juli Mossul verlassen haben. Auf der Flucht wurden sie an Kontrollpunkten der IS-Miliz auch noch ihrer letzten Habseligkeiten beraubt. Später eroberten die IS-Kämpfer auch noch die christlichen Dörfer und Siedlungen in der Ninive-Ebene, wie zum Beispiel Karakosch, Karamles, Alkosch und Telkef.

In einer kleinen Wohnung, in der eine Flüchtlingsfamilie untergekommen ist.

In einer kleinen Wohnung, in der eine Flüchtlingsfamilie untergekommen ist.

Am 6. und 7. August ergriffen auch hier die Christen die Flucht, um ihr nacktes Leben zu retten. Über 100 000 Christen haben inzwischen in der Autonomen Region Kurdistan Zuflucht gesucht, vor allem in der Hauptstadt Erbil, aber auch in der Umgebung von Dohuk und Zakho.

Die katholische Kirche hilft diesen Flüchtlingen zu überleben, indem sie ihnen Übernachtungsplätze in Turnhallen, Schulen oder in Zelten auf dem Gelände der Kirchengemeinden anbot. Auch Lebensmittel, medizinische Versorgung und Trinkwasser stellte die Kirche bereit, ebenso Ventilatoren, die bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Erleichterung verschaffen sollten.

Nach Ansicht der Bischöfe ist die Anmietung von Wohnraum nicht nur möglich, sondern auch nötig. Dafür sind entsprechende Geldmittel erforderlich. Der Kauf von Wohnhäusern wäre im Gegensatz zur Anmietung nach Meinung der Ortskirche besonders wegen der hohen Preise in Ankawa nicht machbar. Außerdem ist die Anmietung von Wohnraum gerade für solche Personen angemessen, die hoffen, eines Tages in ihre eigenen Häuser und Wohnungen zurückkehren zu können.

In diesem Haus sind einige Wohnungen für Flüchtlinge angemietet worden.

In diesem Haus sind einige Wohnungen für Flüchtlinge angemietet worden.

Erzbischof Amil Shamaaoun Nona aus Mossul plant darum, Mietwohnungen für 2000 Familien (also etwa 10 000 Menschen) zu beschaffen, die bislang in öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Kirchen oder Schulen, leben. Die Mieten variieren zwischen 600 und 750 US-Dollar pro Haus und Monat. Wenn sich jeweils drei Familien ein Haus teilen, benötigt man 670 Häuser. Die Gesamtsumme für einen Monat beträgt rund 500.000 US-Dollar.

Die Suche nach möglichem Wohnraum sowie die Verhandlungen über Mietpreise und andere Mietbedingungen sind bereits weit fortgeschritten. Einige Vertriebene leben bereits in solchen Wohnungen und Häusern. Für viele weitere Familien soll das gleiche geschehen. Jeweils zwei oder drei Familien sind in einer Wohnung untergebracht. Jede Familie hat einen eigenen Raum und Flur, alle teilen sich Bad und Toilette. Die Kirche stellt die wichtigsten Möbel und Einrichtungsgegenstände zur Verfügung.

Die Finanzmittel für die Anmietung von Wohnraum bis Ende November wurden von anderen Hilfsorganisationen bereitgestellt. Das Geld für die Mieten ab Dezember muss aber noch aufgebracht werden. KIRCHE IN NOT wird rund 400.000 Euro bereitstellen.

Helfen Sie mit Ihrer Spende

Sie können einfach und sicher online spenden oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
Kontonummer: 215 20 02
BLZ: 750 903 00
LIGA Bank München

IBAN: DE63750903000002152002
BIC: GENODEF1M05

14.Nov 2014 14:35 · aktualisiert: 24.Nov 2014 11:13
KIN / S. Stein