ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK

Bücher für ein Karmelitenkloster

Karmelitenpater Anastasio Roggero (Mitte) nach einem Gottesdienst in Bangui.

Karmelitenpater Anastasio Roggero (Mitte), liebevoll Pater Ciao genannt, nach einem Gottesdienst in Bangui.

Pater Anastasio Roggero ist eine lebende Legende. Der 76-jährige Missionsprokurator der ligurischen Provinz der Unbeschuhten Karmeliten ist zwar nicht im engen Sinne Missionar, weil er nicht ständig in Afrika arbeitet. Sein Herz ist jedoch in der Zentralafrikanischen Republik, und dort kennt ihn fast jeder.

Er ist einer der Pioniere der vor vierzig Jahren gegründeten Missionen der Karmeliten in der Zentralafrikanischen Republik, und er ist auch der Gründer des Karmelitenklosters von Bangui.

Geträumt hatte er davon schon lange, aber erst 2006 wurde der Traum wahr, dass neben den vier bereits bestehenden Missionsstationen der Karmeliten im Land ein Kloster in der Hauptstadt entstanden ist.

Im Zentrum des Geländes, das in der Nähe des Flughafens liegt, befindet sich ein Hügel. Am Abhang steht in 12 Meter großen Buchstaben auf dem Felsen das Wort „Carmel“ geschrieben. Man kann es vom Flugzeug aus lesen.

Wenn Pater Anastasio seine Mitbrüder besuchen kommt, schreien unzählige Kinder „Ciao“, das einzige italienische Wort, das sie kennen. Für sie ist er einfach „Pater Ciao“. Auch die Erwachsenen jubeln, wenn er kommt.

Aber auch er selbst freut sich, „sein“ Kloster in Blüte zu sehen. Denn inzwischen hat es auch einheimische Berufungen, und so leben dort inzwischen 12 Ordensmänner, die bereits ihre ewige Profess abgelegt haben. Weitere junge Männer haben sich dem Kloster angeschlossen und befinden sich noch in der Ausbildung.

Karmelitenpatres in Bangui/Zentralafrikanische Republik.

Karmelitenpatres in Bangui/Zentralafrikanische Republik.

Das Karmelitenkloster von Bangui blieb jedoch vor dem Krieg nicht verschont. Seit Dezember 2012 ist das Gelände ein Flüchtlingslager. „Stellt euch etwa 10 000 Menschen vor, die monatelang eine Art Picknick in eurem Garten veranstalten: Einige Tonnen Müll sind unvermeidlich, und das Gras ist bereits Erinnerung“, sagt Pater Federico Trinchero, der zu der Zeit Prior war, als die Flüchtlinge zu Tausenden eintrafen.

Auch wenn inzwischen in der Kapelle und im Kapitelsaal Babys geboren worden sind und der Alltag in vielerlei Hinsicht umgekrempelt wurde, geht das klösterliche Leben weiter.

Pater Federico Trinchero mit  einem Neugeborenen (KIRCHE IN NOT/Pater Anastasio Roggero).

Pater Federico Trinchero mit einem Neugeborenen (KIRCHE IN NOT/Pater Anastasio Roggero).

Trotz des Krieges bleiben die Berufungen nicht aus. So wurde an Ostern 2014 eine Gruppe von zehn jungen Aspiranten in das Kloster aufgenommen. Was für die Gemeinschaft eigentlich eine Freude und ein Segen Gottes ist, war zugleich eine Herausforderung.

Denn wo sollten die Ordensmänner in dem von Flüchtlingen überfüllten Kloster die jungen Männer überhaupt unterbringen? Sie richteten im Refektorium einen Schlafsaal ein.

Aber der junge Ordensnachwuchs muss auch ausgebildet werden. „Wir lassen uns nicht entmutigen“, schreibt Pater Federico. „Wir sind sehr froh, dass wir hier sind und der Kirche und dem Volk in diesem Land dienen können. Und vor allem wollen wir nicht, dass die traurigen Ereignisse, die das Land noch immer erschüttern, unsere jungen Brüder daran hindern, ihre theologische und philosophische Ausbildung so ruhig und würdig wie möglich zu durchlaufen.“

Die jungen Ordensmänner, die heute in der Ausbildung sind, werden diejenigen sein, die in Zukunft ihrem Volk dabei helfen werden, in Frieden zu leben.

Für die Ausbildung der jungen Ordensmänner hat Pater Federico um Hilfe gebeten, damit die Bibliothek des Klosters vervollständigt werden kann. KIRCHE IN NOT hilft mit 6.500 Euro.

KIN / S. Stein