PAKISTAN

Besinnungstage für Priester

Seminaristen aus Pakistan bei einem Gebet (Foto: Magdalena Wolnik).

Seminaristen aus Pakistan bei einem Gebet (Foto: Magdalena Wolnik).

Rund 190 Millionen Menschen leben in der „Islamischen Republik Pakistan“. Die Bevölkerung wächst rasant. Obwohl es in dem Land immerhin 1,2 Millionen Katholiken gibt, bilden sie eine winzige Minderheit.

Die etwas mehr als 300 Priester des Landes haben oftmals riesige Gebiete zu betreuen. Zudem stehen sie vor enormen Herausforderungen: Die Bedrohung durch Extremisten nimmt immer weiter zu, Christen werden Opfer von Gewalt und falschen Blasphemievorwürfen. Aber auch im Alltag sind sie zahlreichen Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt.

Die meisten von ihnen stehen auf der untersten Stufe der Gesellschaft. Von den Priestern erwarten sie nicht nur seelsorgliche und geistliche Hilfe, sondern die Priester werden in jeder Not um Hilfe gebeten.

Stirbt ein Landarbeiter, der als Leibeigener für einen Großgrundbesitzer gearbeitet hat, so steht oft die Witwe mit ihren Kindern plötzlich auf der Straße, weil der „Landlord“ sie davongejagt hat. Natürlich bittet sie den Priester um Hilfe, ebenso wie die Eltern von kranken Kindern, die Opfer von gewaltsamen Übergriffen und alle anderen Verzweifelten und Notleidenden.

Christliche Schülerinnen aus Pakistan.

Christliche Schülerinnen aus Pakistan.

Dabei leben die Priester selbst in ständiger Anspannung. Die meisten von ihnen haben selbst bereits Drohanrufe und schriftliche Drohungen erhalten, und sogar Bischöfe erhalten Briefe, in denen sie aufgefordert werden, zum Islam überzutreten.

Fast alle bestätigen zudem, dass ihre Telefone abgehört werden und dass sie merkwürdige Anrufe bekommen, in denen beispielsweise jemand vorgibt, ein Moslem zu sein, der zum Christentum übertreten möchte. Sagt der Priester dann ein falsches Wort, kann er große Probleme bekommen. Überall herrscht Angst.

Ein anderer Priester berichtet, dass er bedroht wurde, als einflussreiche Männer aus der Volksgruppe der Belutschen ein Grundstück neben einer katholischen Schule besetzt hatten.

Der Priester versuchte, etwas dagegen zu tun, und wandte sich an die Regierung. Daraufhin erhielt er Drohbriefe und -anrufe mit der Botschaft: „Wenn du die Messe feierst, jagen wir dich mit einer Bombe in die Luft!“ Zwar erhielt er Polizeischutz, er hat aber auch heute, einige Jahre später, noch immer Angst, wenn sich beispielsweise ein Motorrad seinem Auto zu sehr nähert.

Ordensschwestern und Priester müssen häufig vor Angriffen beschützt werden.

Ordensschwestern und Priester müssen häufig vor Angriffen beschützt werden.

Andere Priester werden bedroht, weil sie sich für die Opfer von Ungerechtigkeit und Verfolgung einsetzen. Einer von ihnen sagt: „Ich habe keine Angst, die Wahrheit zu sagen. Eines Tages werde ich ohnehin sterben müssen. Wenn ich wegen so eines Falles sterben sollte, empfinde ich tiefen Frieden. Priestern kommt in dieser Gesellschaft die prophetische Rolle zu, die Wahrheit zu sprechen.“

Pfarrer Emmanuel Parvez hat Drohanrufe erhalten, weil er der Cousin des am 2. März 2011 ermordeten Ministers für Minderheiten Shahbaz Bhatti ist. Der 42-jährige katholische Politiker wurde in der Nähe seines Hauses in seinem Auto von maskierten Männern durch Maschinengewehrsalven ermordet. Eine Taliban-Gruppierung bekannte sich zu dem Anschlag. Er starb für seinen Einsatz gegen das Blasphemiegesetz.

Viele Mitglieder seiner Familie wurden nach dem Attentat bedroht und haben das Land verlassen, aber Pfarrer Emmanuel Parvez selbst bleibt bei seiner Gemeinde, denn er sagt: „Es ist besser, ein Märtyrer zu sein, als ein Flüchtling.“

Angesichts dieser Herausforderungen ist es ein Anliegen der pakistanischen Bischofskonferenz, dass die Priester sich in regelmäßigen Abständen treffen und den Geist der Brüderlichkeit untereinander stärken, sich austauschen, sich theologisch weiterbilden und neue Impulse für ihr eigenes geistliches Leben erhalten, um dann wieder gestärkt in ihre Gemeinden zurückkehren zu können.

Beten, Vorträge und Erfahrungsaustausch

Eigentlich ist es vorgesehen, dass sich alle fünf Jahre alle Priester aus ganz Pakistan zu gemeinsamen Besinnungs- und Begegnungstagen treffen. Dies war nicht immer möglich, aber in diesem Jahr sollen sich die Priester des Landes wieder einmal versammeln. Sie werden fünf Tage miteinander verbringen, gemeinsam beten, Vorträge hören, ihre Erfahrungen austauschen.

Aber viele der Priester, die in dem riesigen Land arbeiten, haben eine weite Anreise, die mit hohen Kosten verbunden ist. Außerdem müssen die vielen Priester untergebracht und verköstigt werden. Wenn man davon ausgeht, dass ein gewisser Teil der Priester durch Alter, Krankheit oder andere Gründe verhindert ist, ist zu erwarten, dass rund 220 Priester an dem fünftätigen Priestertreffen teilnehmen werden.

Die pakistanische Bischofskonferenz hat daher um Hilfe gebeten, und KIRCHE IN NOT hilft mit 17.000 Euro. Dies sind im Durchschnitt 77 Euro pro Priester – ein kleiner Betrag, der einem Priester jedoch eine Kraftquelle eröffnet, die ihn wieder für seinen schweren Dienst unter Einsatz seines Lebens stärken wird.

KIN / S. Stein