Solidarität mit Christen im Land der Bibel

Finanzielle Hilfe und unterstützendes Gebet für unsere Glaubensgeschwister

Die Geburtskirche in Bethlehem.

Die Geburtskirche in Bethlehem.

Die Unterstützung der Christen in Israel und den palästinensischen Gebieten ist KIRCHE IN NOT ein besonderes Anliegen. Immer wieder machen wir auf die schwierige Situation der Glaubensgeschwister vor Ort aufmerksam.

Papst Benedikt XVI. hatte in der Vergangenheit bei einer Audienz mit Vertretern von KIRCHE IN NOT ausdrücklich um die Unterstützung der Glaubensgeschwister gebeten.

Christen seien im Land der Bibel zum Teil Bürger zweiter Klasse, wie unsere Expertin, Marie-Ange Siebrecht, bei ihren Besuchen wiederholt festgestellt hat. Erst in der vergangenen Woche ist sie von einer Reise ins Heilige Land zurückgekehrt.

Große Erwartungen an den Papstbesuch

Zurzeit bereist Papst Benedikt XVI. das Heilige Land. “Man hofft inständig, dass er mit seiner Botschaft etwas reaktivieren kann, nämlich den Einsatz für die Suche nach Lösungen in dieser verfahrenen Situation, in der das Heilige Land sich seit nunmehr Jahrzehnten befindet”, sagte der Vatikanbotschafter in Israel, Erzbischof Antonio Franco, im Vorfeld des Papstbesuches.

Im vergangenen Jahr war das Heilige Land auch Thema eines Podiumsgespräches bei unserem internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche”. Zum Thema “Heiliges Land – Exodus der Christen?” hatten wir internationale Experten eingeladen, um die Lage der Menschen vor Ort vorzustellen.

Erzbischof Fouad Twal, lateinischer Patriarch von Jerusalem, bei seinem Impulsreferat für das Podiumsgespräch über das Heilige Land bei unserem Kongress 2008 in Augsburg.

Erzbischof Fouad Twal, lateinischer Patriarch von Jerusalem, bei seinem Impulsreferat für das Podiumsgespräch über das Heilige Land bei unserem Kongress 2008 in Augsburg.

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, rief dabei zu einer stärkeren Solidarität mit den Christen in seiner Heimat auf. Deren Unterstützung durch den Westen könne letztlich zum Frieden in der Region beitragen.

“Von der Politik werden sie vergessen”, sagte der vormalige Koadjutor des Patriarchen bei der Veranstaltung in Augsburg. Für Juden seien die palästinensischen Christen als Araber ein Sicherheitsrisiko, für viele Muslime hingegen “pro-westliche Mittäter des Kolonialismus”.

Mit den Christen im Heiligen Land im Gebet vereinen

Da sie somit zwischen den Parteien des Nahostkonflikts zerrieben würden, laste ein enormer Auswanderungsdruck auf ihnen. “Vor 50 Jahren machten sie noch zehn Prozent der arabischen Bevölkerung aus. Heute sind es weniger als zwei Prozent”, sagte der Erzbischof.

Wie die anderen Palästinenser seien sie der Gefangenschaft in ihren Städten und Dörfern hinter der israelischen Mauer müde, die sie sogar von qualifizierter medizinischer Versorgung abschneide. Viele arabische Christen hätten zudem “seit Jahren das Heilige Grab nicht besuchen dürfen”, während viele junge Leute es noch nie gesehen hätten. “Die christlichen Palästinenser verlieren die Verbindung zum Heiligen Land.”

Marie-Ange Siebrecht, Expertin für das Heilige Land bei KIRCHE IN NOT.

Marie-Ange Siebrecht, Nahost-Expertin bei KIRCHE IN NOT.

Marie-Ange Siebrecht betonte, dass KIRCHE IN NOT bereits seit langem in der Region mit pastoralen Projekten tätig sei. Sie stellte aber auch klar, dass Solidarität nicht nur bedeute, Geld zu geben, sondern sich “mit den Christen im Heiligen Land im Gebet” zu vereinen.

Elias Chacour, melkitisch-katholischer Erzbischof von Galiläa, sagte, beim Nahost-Konflikt gehe es letztlich nur um Territorium. In der Region seien in ferner Vergangenheit die verschiedenen Völker miteinander ausgekommen.

“Wir müssen nicht lernen miteinander zu leben. Wir müssen nur daran erinnert werden, wie es war, miteinander zu leben”, sagte der bislang dreimal für den Friedensnobelpreis nominierte Geistliche.

Gerade die Deutschen sollten weiterhin “auf Seiten der Juden” sein, appellierte Chacour, “aber nicht auf Kosten der Palästinenser“. “Wir brauchen keinen zusätzlichen Feind. Wir brauchen einen gemeinsamen Freund”, mahnte der Erzbischof.

“Zeit, vom Schlafe aufzustehen”

“Wenn Sie ins Heilige Land kommen, um die toten Steine der Heiligen Stätten zu besichtigen, so vergessen Sie nicht, die lebendigen Steine zu besuchen”, sagte er im Hinblick auf die Christen dort. Er wünsche sich, dass die europäischen Bischöfe, die regelmäßig seine Heimat besuchten, dort noch länger blieben, in die Gemeinden gingen und sich die Sorgen und Nöte der Menschen anhörten.

Der Linzer Professor für Liturgiewissenschaft Hans Hollerweger erinnerte mit seiner Stellungnahme daran, dass sich das Heilige Land der Bibel auch bis in die Türkei und in den Irak erstrecke. Er reise “mit Freude” in die Gegend der biblischen Stadt Ninive im Norden des Irak, wo sechs Millionen Kurden und 200 000 Christen lebten.

Schlagzeilen, denen zufolge es mit den Christen im Irak zu Ende gehe, seien entmutigend und kontraproduktiv. Es sei “Zeit, vom Schlafe aufzustehen”, sagte der Vorsitzende der Initiative Christlicher Orient in Anlehnung an das Leitwort des Kongresses. Die Menschen im Westen sollten nun Solidarität mit den Flüchtlingen im Irak zeigen.

Blick auf Jerusalem mit dem Felsendom. Im Hintergrund der Ölberg.

Blick auf Jerusalem mit dem Felsendom. Im Hintergrund der Ölberg.

“Geben Sie die Hoffnung nicht auf”, appellierte auch der deutsche Franziskanerpater Robert Jauch aus Jerusalem. Sein Orden, dem im Heiligen Land 300 Mitbrüder aus dreißig Nationen angehören, wacht über die Heiligen Stätten.

Wenn er Palästinenser treffe, die auswandern wollten, weise er darauf hin, dass es, wie er selbst, auch Menschen gebe, “die freiwillig ins Heilige Land” gingen. Zeugnis eines vitalen Glaubens dort seien vor allem die Gottesdienste, die nicht einmal in seiner rheinischen Heimat so lebendig seien.

Vor allem deutsche Pilger ließen sich nicht durch Nachrichten über Gewaltakte im Gazastreifen entmutigen, wie Hermann-Josef Großimlinghaus vom Deutschen Verein vom Heiligen Land bestätigte. “Die Pilgerzahlen sind erheblich angestiegen”, sagte der Vizepräsident des Vereins. Aber nicht nur Besuche, sondern auch Hilfen aus dem Westen seien wichtig, wie etwa Investitionen im christlichen Schulwesen, das auch muslimische Araber inzwischen schätzen gelernt hätten.

Fotos: Schmid (1), Lozano (1), Archiv

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11.Mai 2009 10:25 · aktualisiert: 2.Dez 2013 13:07
KIN / M. Lozano