Mit Kelch und Hostien im Rucksack

Die Rucksackpriester – Eine erfolgreiche Idee von Pater Werenfried

Ein Rucksackpriester auf seinem Motorrad.

Ein Rucksackpriester auf seinem Motorrad.

“Rucksackpriester! Ihr Name wird mit goldenen Buchstaben in der Kirchengeschichte vermerkt werden.” Das schreibt unser Gründer Pater Werenfried über jene heldenhaften Priester, die sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg oft zu Fuß, später mit Hilfe der Ostpriesterhilfe motorisiert, für die Seelsorge unter den Vertriebenen aufopferten.

Pater Werenfrieds Berichte aus jener Zeit helfen uns heute, unsere Probleme und Sorgen nicht überzubewerten und freigiebig all jene zu unterstützen, die fast nichts besitzen.

Pater Werenfried schreibt über diese Priester: “Die Sorge, ihre Gläubigen vor Verzweiflung, Radikalismus und Unglauben zu bewahren, als diese wie loser Sand über die Trümmerwüsten und Diasporagebiete Nachkriegsdeutschlands zerstreut wurden, machte sie zu Rucksackpriestern.

Zu Priestern, die als Arme unter den Armen in Dachkammern, Scheunen, Kellern oder Bunkern lebten; die mit Kelch und Hostien in ihrem Rucksack von Dorf zu Dorf zogen. Sie wohnten mit Christus in ein und demselben kleinen Raum. Sie kochten, wuschen sich und schliefen in Gegenwart des Allerheiligsten. Ihr Altar war gleichzeitig ihr Tisch, und sie hoben das Allerheiligste in der Schublade auf.”

Diese Armut hielt die Rucksackpriester nicht davon ab, sich “abzurackern”, wie Pater Werenfried es treffend bezeichnete. Voll Kummer schrieb er im Jahr 1950: “Innerhalb einer Woche starben drei Rucksackpriester. Einer war erst 39 Jahre alt. Nach seiner sechsten Heiligen Messe brauste er am Sonntagabend mit seinem Motorrad gegen einen Baum. Er war so erschöpft, dass er seine Augen nicht mehr aufhalten konnte. Ein weiterer war 41. Er betreute zu Fuß 32 Dörfer. Herzinfarkt. Der Dritte war 47 Jahre alt. Drei in einer Woche.”

Ein Rucksackpriester macht sich auf den Weg.

Ein Rucksackpriester macht sich auf den Weg.

Doch die Opfer waren nicht vergebens. Dank der “Rucksackpriester” überlebte der Glauben unter den Vertriebenen. Pater Werenfried schreibt, “sie haben in der Seelsorge Wunder gewirkt. Ihnen ist es zu einem großen Teil zu verdanken, dass der ideologische Aufmarsch des Kommunismus in Westdeutschland zum Stillstand gekommen ist.”

Für die “Rucksackpriester” und die deutschen Vertriebenen ausgerechnet in jenen Gebieten Hilfe zu sammeln, die am meisten unter den Deutschen gelitten haben – das war zunächst alles andere als leicht. Doch Pater Werenfried konnte die Barmherzigkeit der Menschen wecken und die Dankbarkeit der Deutschen ließ die
Kritiker verstummen.

Ehering als Opfergabe

Eine sudetendeutsche Flüchtlingsfrau schrieb unserem Gründer: “Danke für die Liebesgaben aus Belgien! Angefangen hat es mit Speck, und gestern bekam ich sogar ein Paar wunderschöne Schuhe. Obwohl ich durch die Vertreibung arm geworden und wegen Krankheit nicht in der Lage bin zu arbeiten, glaube ich, dass es meine Pflicht ist, auch etwas zu opfern.

So habe ich meinen Ehering vom Finger gezogen, den ich beifüge. Helfen Sie damit den Tschechen, die uns vertrieben haben, wie Sie uns helfen, obwohl Ihr Volk so schwer unter den Deutschen gelitten hat. Mein Mann ist 1946 in Troppau verhungert. Auch ohne Ring will ich ihm die Treue halten und alle Schwierigkeiten zur Ehre Gottes tragen.”

Der Kirche kommt zu den Menschen. In Russland unterstützen wir den Bau von Kapellenschiffen auf der Wolga und dem Don.

Der Kirche kommt zu den Menschen. In Russland unterstützen wir den Bau von Kapellenschiffen auf der Wolga und dem Don.

So manche Sorgen heute in Zeiten der Finanzkrise können angesichts solcher Zeugnisse plötzlich sehr klein werden. Auch heute noch gibt es “Rucksackpriester”: in Afrika, Lateinamerika und Asien. Sie sind inzwischen meist motorisiert, doch auch sie “rackern sich ab” und sind gerade in diesem “Jahr des Priesters” auf unsere Hilfe und unser Gebet angewiesen.

Und wie die Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, wird alles Gute, das wir heute geben, auch wieder zu uns zurückkommen. Konnte Pater Werenfried doch nur wenige Jahre nach dem Tod der drei Rucksackpriester in Deutschland erfreut ausrufen: “Die Deutschen, die in ihrem tiefsten Elend unsere Liebe erfahren haben, decken nun einen großen Teil unseres internationalen Budgets. Das ist ergreifend.”

17.Jul 2009 14:33 · aktualisiert: 20.Jul 2009 09:50
KIN / S. Stein