Serbien: Ein “Bistum am Rand” benötigt Hilfe

Wiederaufbau von Kirchengemeinden in der Diözese Srijem geht nur langsam voran

Die Kirche und das Kloster in Vukovar werden zurzeit renoviert.

Die Kirche und das Kloster in Vukovar / Kroatien werden zurzeit renoviert.

Das serbische Grenzbistum Srijem benötigt auch vierzehn Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch immer Hilfe von außen, um seinem Auftrag nachzukommen. Darüber berichtet unsere Osteuropa-Referentin, Magda Kaczmarek, nach ihrer Rückkehr von einer Reise nach Serbien.

Die im vergangenen Jahr neu gegründete Diözese Srijem im Norden des Landes benötigt unsere Hilfe vor allem bei der Instandhaltung von Kirchengebäuden und beim Aufbau pastoraler Programme für Laien. Außerdem braucht das Bistum Mittel zur Motorisierung der Priester und der Ausbildung von Laien zu Katecheten.

Das Bistum Srijem liegt direkt an der Grenze zu Kroatien, nahe der im Bürgerkrieg stark umkämpften Stadt Vukovar, wo auch heute noch Minenfelder aus dieser schrecklichen Zeit bestehen. “Während im Nachbarland Kroatien der Wiederaufbau auch der Kirchengemeinden nach dem Bürgerkrieg inzwischen fast abgeschlossen ist, ist man ein paar Kilometer weiter auf serbischer Seite noch längst nicht so weit”, berichtet die Referentin.

Hilfe bei Baumaßnahmen und pastoraler Arbeit

Vom Ortsbischof Djuro Gašparović und dem kroatischen Erzbischof Marin Srakić aus der Nachbardiözese Djakovo-Osijek sei darum die Bitte an unser Hilfswerk herangetragen worden, die Seelsorge in Srijem zu unterstützen. Neben den anstehenden Baumaßnahmen und der alltäglichen pastoralen Arbeit liege Bischof Gašparović vor allem ein stärkeres Engagement in der Familien-, Kinder-, Jugend- und Studentenpastoral am Herzen.

Noch immer sieht man in den Städten viele im Bürgerkrieg zerstörte Häuser.

Noch immer sieht man in den Städten viele im Bürgerkrieg zerstörte Häuser.

Um den überdurchschnittlich hohen Abtreibungszahlen in Serbien entgegenzuwirken, möchte der Bischof die Jugendlichen stärker ins katholische Gemeindeleben einbinden und ihnen auf diese Weise Halt und Sicherheit in der Gemeinschaft ermöglichen.

Solche Initiativen seien aber in einem nur dünn von Katholiken besiedelten Gebiet wie Srijem vom Bistum allein kaum zu tragen, bedauert Osteuropa-Referentin Kaczmarek. Sie bittet darum um Unterstützung für die Diözese und um das Gebet für die seelsorgliche Arbeit in Srijem.

Magda Kaczmarek, Osteuropa-Referentin bei KIRCHE IN NOT.

Magda Kaczmarek, Osteuropa-Referentin bei KIRCHE IN NOT.

Die Katholiken seien dort eindeutig in der Minderheit, berichtet Kaczmarek. Junge Menschen seien nach dem Bürgerkrieg weggezogen und in der Ferne geblieben. Meist seien es darum Alte und Kranke, die geblieben sind und nun betreut werden müssten.

“Die katholischen Gläubigen in der Region sind Kroaten”, erzählt Kaczmarek weiter. “Sie leben von ihrer Landwirtschaft, aber das Geld reicht oft nicht aus. Trotzdem helfen sie in ihren Pfarreien und legen Hand an, wo sie können.”

Für diese lebendigen Pfarreien gebe es grundsätzlich keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Die katholische Kirche in Serbien sei darum völlig auf die Hilfe der eigenen Gläubigen oder auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen.

Im Juni 2008 war das einstige serbo-kroatische Bistum Syrmien in die Bistümer Djakovo auf kroatischer und Srijem auf serbischer Seite auf Anordnung von Papst Benedikt XVI. entlang der neuen Staatsgrenze geteilt worden. Vor dieser Teilung waren sie mehr als 230 Jahre vereint gewesen. Immer noch unterhalten beide Diözesen ein gemeinsames Priesterseminar.

Der Bischof von Srijem, Msgr. Dzuro Gasparovic (rechts) mit dem neugeweihten Priester Ivan Rajkovic.

Der Bischof von Srijem, Msgr. Djuro Gašparović (rechts) mit dem neugeweihten Priester Ivan Rajkovic.

Der Bischofssitz von Srijem befindet sich zurzeit provisorisch in einem ehemaligen Pallottinerkloster in Petrovaradin, etwa auf halber Strecke zwischen Belgrad und Osijek. Kaczmarek berichtet, der eigentliche Bischofssitz in der Stadt Srijemska Mitrovica sei noch in staatlicher Hand – der Streit um seine Rückgabe an die Kirche dauere noch an.

“Doch ähnlich wie bei ihrem Bischof gilt bei den Gläubigen von Srijem die Regel: Wo die Kirche ist, da ist auch mein Heim.” Und das habe man deutlich gespürt, betont Kaczmarek abschließend.

Schlagworte:
Bürgerkrieg · Kroatien · Serbien · Srijem · Vukovar
30.Jul 2009 14:57 · aktualisiert: 1.Apr 2015 12:01
KIN / S. Stein