“Die Kinder sind für uns wie Juwelen”

Ordensschwestern im Osten Nigerias kümmern sich um Waisenkinder

Schwester Stella C. Onyemobi bei einem Besuch in unserer internationalen Zentrale in Königstein im Taunus.

Schwester Stella C. Onyemobi bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Alles begann damit, dass jemand im Jahr 2001 ein neugeborenes Baby im Busch fand – gerade noch rechtzeitig, denn die Ameisen begannen schon, sich über das kleine Wesen herzumachen.

Da niemand wusste, wer seine Eltern waren, wurde das kleine Mädchen zu den Ordenschwestern im nahegelegenen Ikeduru (Ostnigeria) gebracht. Sie nahmen es liebevoll auf und gaben ihm den Namen “Chidimma”. Dieser Name bedeutet übersetzt: “Gott ist gut”.

Mit der Zeit kamen immer mehr Babys hinzu, vor allem Neugeborene, deren Mütter bei der Geburt gestorben waren. Häufig wird diesen Kindern von den Angehörigen die Schuld am Tod der Mutter zugeschrieben.

Aber oft sind die Verwandten einfach damit überfordert, für das Neugeborene zu sorgen: meistens haben sie selbst zahlreiche Kinder, die sie kaum ernähren können. Andere Babys wurden von ledigen Müttern zur Welt gebracht, die sonst möglicherweise abgetrieben hätten.

Mütter von Albino-Kindern werden oft getötet

Einige Kinder werden von den Familien auch deshalb abgelehnt, weil sie Albinos sind, also weiße Haut und weiße Haare haben. Diese Menschen werden in vielen Ländern Afrikas diskriminiert, oft sogar misshandelt. In einigen Ländern, so beispielsweise in Tansania, werden sie von Hexenmeistern getötet, um vermeintliche Zaubermittel aus ihren Körperteilen zu machen.

Alle diese Kinder finden im “Haus der Hoffnung” der “Töchter der Nächstenliebe vom Kostbaren Blut”, ein liebevolles Zuhause. “Die Kinder sind für uns wie Juwelen”, sagt Schwester Stella, die das “Haus der Hoffnung” leitet. “Wir fragen uns bei allem immer: ‘Was hätte die leibliche Mutter, die jetzt im Himmel ist, für ihr Kind getan und gewollt?’ Das ist unser Maßstab.” Und mit Tränen in den Augen fügt sie hinzu: “Gott ist so gut!”

Die Ordensschwestern mit den Waisenkindern, die in ihrem Heim leben.

Die Ordensschwestern mit den Waisenkindern, die in ihrem Heim leben.

Viele der Kleinen wären ohne das “Haus der Hoffnung” nicht mehr am Leben. Und die Kinder lieben die Schwestern. Wenn eine von ihnen den Raum betritt, kommen alle herbeigelaufen und rufen: “Schwester, Schwester!” Am Morgen, wenn Schwester Stella über den Flur geht, erschallt es aus unzähligen kleinen Mündern: “Guten Morgen, Schwester!”

Die Schwestern betreuen ihre Schützlinge auch dann weiter, wenn Familienangehörige sie nach einiger Zeit zu sich holen. Denn das Ziel ist es, die Kinder wieder in ihre Familien zurückkehren zu lassen. Die Tanten und Onkel, Großeltern oder Väter, die mit einem Baby überfordert gewesen wären, nehmen die Kinder oft später, wenn sie größer sind, zu sich. Dann gehen die Schwestern in die Familien und begleiten sie noch lange Zeit.

Seelsorgerische Betreuung und Orientierung

Wichtig ist es auch, den größeren Kindern eine Orientierung zu geben, damit sie nicht in die Hände von Drogenhändlern fallen, erzählt Schwester Stella. Hier ist eine gute seelsorgerische Betreuung nötig, damit die jungen Menschen ein glückliches, gelungenes Leben, das sich auf die Frohe Botschaft Jesu Christi gründet, und eine stabile Familie aufbauen können.

Aber die Schwestern bringen den jungen Leuten auch bei, wie sie einen Haushalt führen und für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Ihre Fürsorge gilt dem ganzen Menschen. “Vor allem muss man ein gutes Fundament legen”, betont Schwester Stella. Dann haben Kinder, die verloren zu sein schienen, die Chance, selbst festzustellen: “Gott ist so gut”.

Auch Erwachsene lernen in Nigeria mit der Kinderbibel.

Auch Erwachsene lernen in Nigeria mit der Kinderbibel.

Die Ordensfrauen aus dem “Haus der Hoffnung” kümmern sich aber nicht nur um die kleinen Waisen, sondern mindestens genauso viel tun sie dafür, dass Kinder ihre Mütter erst gar nicht verlieren.

Denn die Müttersterblichkeit ist sehr hoch. Eine von zehn Frauen stirbt im Kindbett, schätzt Schwester Stella. Deshalb versuchen die Schwestern, Frauen und junge Mädchen darüber aufzuklären, was sie tun können, damit eine Geburt glücklich verläuft.

Viele haben Angst davor, zum Arzt zu gehen – entweder, weil sie hohe Kosten befürchten, die sie nicht aufbringen können, oder weil sie der Medizin nicht trauen und Angst vor einer Operation haben. Außerdem glauben viele Frauen, dass sie als Frau und Mutter weniger wert sind, wenn sie sich einem Kaiserschnitt unterziehen. Hier müssen die Schwestern viel Überzeugungsarbeit leisten, dass auch die Medizin ein Werkzeug Gottes sein kann.

AIDS und andere Krankheiten

Die Geschichte der kleinen Chidimma hat ein trauriges Ende gefunden, denn die Kleine war bereits von Geburt an HIV-infiziert. Mit acht Jahren ist sie gestorben. Begraben wurde sie beim Kloster der Schwestern. Ohne Schwester Stella und ihre Mitschwestern wäre sie schon kurz nach der Geburt gestorben. Sie hätte nicht acht Jahre lang spielen, lachen und zum Sonnenschein für andere werden können. Ihr verdanken es zahlreiche Kinder, dass es auch für sie ein “Haus der Hoffnung” gibt.

Aber unzählige andere Waisenkinder in Afrika wissen nicht, was ein liebevolles Zuhause ist, und Tausende kleine Chidimmas sterben Tag für Tag an AIDS und anderen Krankheiten oder verhungern einfach.

Wir unterstützen daher in vielen Ländern Afrikas Schwestern, Priester und Laien, die Chidimmas weinenden Brüdern und Schwestern Tag für Tag zeigen: “Gott ist gut”.

Alle in der Medienbox vorgestellen Beiträge können Sie bei uns als DVD beziehungsweise Hör-CD unentgeltlich bestellen.

5.Aug 2009 06:51 · aktualisiert: 28.Aug 2009 16:42
KIN / S. Stein