Vom Ruhestand weit entfernt

Pater Magnus Lochbihler arbeitet seit fünfzig Jahren in Tansania

Missionar Magnus Lochbihler und zwei Massaifrauen in traditionellen Gewändern.

Magnus Lochbihler und zwei Massaifrauen in traditionellen Gewändern.

Der Missionar schreibt seine Briefe noch immer auf einer altmodischen Schreibmaschine. Doch bei seiner Arbeit ist der fast achtzigjährige Missionar Magnus Lochbihler auf der Höhe der Zeit.

Seit 50 Jahren lebt der gebürtige Tiroler mittlerweile in Tansania. Als junger Benediktinerpater zog er in das fremde Land, um seinen afrikanischen Schwestern und Brüdern die Frohe Botschaft Jesu zu verkünden – in einem Land, das ganz anders ist als seine Heimat.

Im nächsten Jahr feiert er seinen runden Geburtstag. Aber daran, sich zur Ruhe zu setzen, denkt er noch lange nicht. Im Gegenteil: Noch immer wird der unermüdliche Priester vom Eifer getrieben, das Evangelium zu verkünden und den Menschen zu dienen, zu denen Gott ihn gesandt hat.

Seitdem er in Tansania lebt, hat er schon an mehreren Orten im Land gearbeitet. Noch mit 74 Jahren wurde ihm eine neue Mission in der Erzdiözese Arusha im Nordosten des Landes anvertraut: Entlang der Hauptverkehrsstraße nach Makuyuni und Minjingu, in Richtung Westen, leistet er seinen priesterlichen Dienst im Gebiet der Massai – einem der wohl bekanntesten afrikanischen Stämme. Die Massai leben zwar mehrheitlich in Kenia, aber auch in Teilen Tansanias.

Priesterseminaristen in Tansania.

Priesterseminaristen in Tansania.

Auf der Landkarte der Erzdiözese Arusha gibt es “große missionarische weiße Flecken”, schreibt Pater Magnus. Es gibt bereits viele kleine christliche Gemeinden und auch ein Kloster mit Ordensfrauen, allerdings gehen gleichzeitig Sekten und evangelikale Freikirchen auf “Seelenfang”.

Die größte Bedrohung besteht jedoch in dem fundamentalistischen Islam, dessen Verbreitung durch Petrodollars finanziert wird. Pater Magnus schreibt uns: “Die Missionstätigkeit der fundamentalistischen radikalen Koranprediger ist rasch, langfristig und strategisch.

Einsatz für mehr kirchliche Schulen und Kindergärten

Eine ihrer Methoden ist, Moscheen und Koranschulen zu bauen – vor allem entlang der wichtigen Verkehrsstraßen, auch dort, wo kaum Moslems wohnen. Schüler, die in die Koranschule (Madras) gehen, werden zu Muslimen, bevor sie es richtig merken. Einbahnstraße. Rückkehr schwierig.” Pater Magnus setzt sich immer wieder für die Einrichtung kirchlicher und öffentlicher Schulen und Kindergärten ein.

Viele Leute schicken ihre Kinder in die Koranschule, in denen der Unterricht in der fremden arabischen Sprache stattfindet, weil die staatlichen Schulen zu weit entfernt sind. Pater Magnus berichtet, dass in dem neuen Dorf Nanja sofort eine Koranschule für Kinder entstanden ist. Als in diesem Jahr endlich ein kirchlicher Kindergarten und eine staatliche Grundschule eröffnet wurden, meldeten sich gleich 70 Erstklässler und 30 Kindergartenkinder an – und die Koranschule war leer!

Eine Schulklasse in der Diözese Arusha.

Eine Schulklasse in der Diözese Arusha.

Wichtig ist es auch, dass Kirchen gebaut werden. Pater Magnus hat bereits durch sein unermüdliches Engagement erreicht, dass in einigen Orten Gotteshäuser errichtet werden konnten. Die Einwohner verschiedener Orte haben Delegationen zu ihm geschickt und ihn um Hilfe gebeten, denn sie wollen “dem Sog des Islam entgehen”.

Besonders dringend haben die Menschen in der Ortschaft Orkisima Pater Magnus um Hilfe für den Bau eines Gotteshauses gebeten. Sie haben sogar in dem schwierigen Buschland eine Zufahrt zu ihrem Dorf gebaut, “um ihn zu angeln”, wie der Priester schreibt. Leider erwies sich diese Zufahrt nicht als regentauglich, aber die Einwohner gaben nicht auf und bauten eine neue Zufahrt, damit der alte Priester wirklich bei jedem Wetter zu ihnen kommen kann.

Unterstützung auch durch Massai-Bevölkerung

Sie wollen endlich eine Kirche haben und müssen mitansehen, wie überall Moscheen entstehen. Sogar die Massai schätzen und lieben Pater Magnus und wollen ihm zusammen mit den Katholiken ein kleines Stück Land schenken, damit er bei ihnen bleibt. Auch die traditionelle Religion der Massai ist monotheistisch. Sie glauben an einen einzigen Gott, der Engai heißt, auf dem Gipfel des Ol Doinyo Lengai in Tansania thront und den Massai ihre Rinder schenkt.

Die Kirche, von der die Menschen träumen, soll der heiligen Perpetua und der heiligen Felicitas geweiht sein. Pater Magnus findet das wichtig, denn erstens handelt es sich dabei um zwei heilige Märtyrerinnen, die vom afrikanischen Kontinent stammen, und zweitens, so schreibt er, handelt es sich “um zwei große heilige Frauen. Das tut den Massaifrauen gut – und den Männern noch mehr.”

Blick auf den Kilimandscharo in Tansania, mit 5895 m der höchste Berg Afrikas.

Blick auf den Kilimandscharo in Tansania, mit 5895 m der höchste Berg Afrikas.

Der alte Pater kann aber den Gläubigen im Land der Massai nur helfen, wenn Menschen seine leeren Hände füllen. Erzbischof Josaphat Louis Lebululu von Arusha findet die wärmsten Worte für den Missionar, der noch heute großen Herausforderungen mit Mut und Tatkraft begegnet.

Zu seinem achtzigsten Geburtstag möchte Pater Magnus nichts anderes, als Gott Ehre zu erweisen inmitten der Massai, die den Herrn in einem würdigen Gotteshaus anbeten wollen. Pater Magnus ist vom Ruhestand noch weit entfernt – er findet immer neue Aufgaben.

In Afrika gibt es noch so manchen “alten” europäischen Missionar, der sein ganzes Leben in den Dienst der Menschen auf dem Kontinent gestellt hat. Die Opfer, die Treue und die Freuden dieser Missionare sollten uns gerade im laufenden Priesterjahr besonders bewusst werden.

KIN / S. Stein