Für die Wahrheit das Leben geopfert

Über zwei Priester in Polen und Irak, die wegen ihres Glaubens ermordet wurden

Geschlagen, gefoltert, ertränkt: Jerzy Popieluszko. Am 6. Juni wird er seliggesprochen.

Geschlagen, gefoltert, ertränkt: Jerzy Popieluszko. Am 6. Juni wird er seliggesprochen.

Sie nannten ihn “das Gewissen des Volkes”. Dabei war Jerzy Popieluszko nur ein junger Kaplan aus einem kleinen Dorf, Okopy bei Suchowola, wo seine Eltern als einfache Bauern lebten.

Er arbeitete mit Kindern und Jugendlichen und 1980, als er so alt war wie Christus vor dem Tod, engagierte er sich für die polnische Arbeiterbewegung, predigte über soziale Gerechtigkeit und Patriotismus. Er feierte auch eine Heilige Messe für streikende Schweißer auf dem Gelände ihrer Fabrik.

Ab da stand er im Visier der Geheimdienste. Sie beschatteten und bedrohten ihn, die Autounfälle gegen ihn häuften sich. Ihm wurde der Prozess gemacht, sie brachen bei ihm ein, verwüsteten die Wohnung. Doch der Kaplan blieb standhaft. Schließlich wurde er in der Nacht des 19. Oktober 1984 entführt, gefoltert und ertränkt.

Aber ein Gewissen stirbt nicht. Sein Begräbnis wurde zur Demonstration, tausende Menschen nahmen teil, tief gebeugt von Schmerz auch die Eltern. Für alle war damals klar: Pater Jerzy hat für die Wahrheit sein Leben geopfert.

Zum Beginn des Seligsprechungsprozesses heißt es: “Sein Tod öffnet uns die Augen, die Augen unseres Herzens, unseres Verstandes, unseres Glaubens.” Noch im Tod spricht er in die Gewissen. Am 6. Juni, zum Ende des Priesterjahres, wird er in Warschau seliggesprochen. KIRCHE IN NOT hat die Kirche in Polen in den Zeiten der Diktatur massiv unterstützt.

Pater Ragheed Ganni bedankt sich Pater Werenfried. Der irakische Priester war ein Stipendiat unseres Hilfswerks.

Pater Ragheed Ganni bedankt sich Pater Werenfried.

Es sind diese Märtyrer, die das Überleben der Wahrheit sichern. Auch heute: Im Irak helfen wir den dort verfolgten Christen. Pater Ragheed Ganni war einer von ihnen. Er hatte ein Stipendium von KIRCHE IN NOT und kehrte nach dem Studium in Rom als Priester in seine Heimat zurück – “weil man uns dort braucht”.

Am 1. April 2007 feierte er die Messe, als Schüsse durch das Kirchenfenster platzten. Da wurde noch niemand verletzt. Pater Ragheed sagte: “Es ist wie damals, als Christus nach Jerusalem ging. Er wusste ganz genau, was ihn erwartete: Das Kreuz.

Er tat es aus Liebe zu uns Menschen. So versuchen es auch wir. Als die Schüsse verhallt waren, haben wir unsere Leiden aus Liebe zu Christus aufgeopfert.” So sprechen Märtyrer.

Pater Ragheed opferte nicht nur seine Leiden auf. Er war sich bewusst, dass es auch das Leben sein konnte. In den Jahren 2003 bis 2007 flohen besonders viele Christen aus dem Irak, der Exodus hält heute immer noch an.

Vom Volk verehrt: Das Grab von Pater Ragheed Ganni in Karamles / Irak.

Vom Volk verehrt: Das Grab von Pater Ragheed Ganni in Karamles / Irak.

Pater Ragheed blieb damals. Die Situation wurde immer gefährlicher, islamistische Extremisten verlangten Gelder von den Christen, damit diese in ihren eigenen Wohnungen bleiben konnten. Wasser und Strom wurden knapp. Eine Bombe war in seiner Kirche zum Heiligen Geist explodiert.

“Wir stehen vor dem Zusammenbruch”, schrieb Pater Ragheed noch am 28. Mai 2007. Tage später, am 3. Juni, am ersten Sonntag nach Pfingsten, wurde er nach der Messe zusammen mit drei Diakonen erschossen.

Die Islamisten fragten ihn noch: “Warum hast du die Kirche nicht geschlossen, wie wir es gesagt hatten?” Er antwortete: “Wie könnte ich das Haus Gottes schließen?” Es waren seine letzten Worte.

So können Sie die Christen im Irak unterstützen:

26.Mai 2010 10:12 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:28
KIN / S. Stein