“Der Krieg hat die Menschen entfremdet”

Bischof Laszlo Nemet über die Herausforderungen in seinem serbischen Bistum

Laszlo Nemet, Bischof von Zrenjanin.

Laszlo Nemet, Bischof von Zrenjanin.

“Ich will der Diözese ein Profil geben”, sagt Bischof Laszlo Nemet. Seit Juli 2008 steht der 54-Jährige dem Bistum Zrenjanin vor. Die Diözese gibt es erst seit 1986.

Die gleichnamige Stadt mit knapp 80 000 Einwohnern liegt im Nordwesten Serbiens in der autonomen Region Vojvodina. Die Grenzen zu Rumänien und Ungarn sind nicht weit. Bischof Nemet spricht neben Serbisch unter anderem auch Ungarisch und Deutsch. Er entstammt der ungarischen Volksgruppe.

Diese Minderheit macht den überwiegenden Teil der 65 000 Katholiken in seinem Bistum aus. Serben sind unter den Katholiken so gut wie nicht zu finden. Sie sind mehrheitlich orthodox. Landesweit bekennen sich rund 85 Prozent zur Serbisch-Orthodoxen Kirche.

Bei einem Besuch von KIRCHE IN NOT sprach Bischof Nemet über die Lage im Nordosten Serbiens sowie sein Programm für die Diözese Zrenjanin. “Seit dem Krieg in den 90er-Jahren ist das ehemals gute Verhältnis zwischen den Nationalitäten und Religionen gestört”, so der 54-Jährige. Rund 10 000 jüngere Serben, zumeist ungarischer Abstammung, hätten in dieser Zeit das Land verlassen, um einem möglichen Kriegsdienst zu entgehen.

Die Gewalt habe aber nicht nur die Menschen einander entfremdet, sondern dem Land auch wirtschaftlich geschadet. Die Region um Zrenjanin ist arm, die Grenzlage inzwischen ein Nachteil: nur an drei Grenzstationen an der mehrere hundert Kilometer langen Grenze ist der Übergang zu den den ungarischen und rumänischen Nachbarn möglich.

Kinder aus der Diözese Zrenjanin beim Gebet.

Kinder aus der Diözese Zrenjanin beim Gebet.

Diese beiden Staaten haben den Beitritt zur Europäischen Union inzwischen geschafft, während Belgrad noch vor harten Verhandlungen mit Brüssel steht. Von einem Beitritt in die Europäische Union erhofft sich eine Mehrheit der Serben wirtschaftliche Vorteile, während Nationalisten und diejenigen, die durch den Krieg an Geld und Einfluss gewonnen haben, eine Annäherung zu unterlaufen suchen.

Bischof Nemet will den Katholiken seines Bistums Mut machen, ihren Glauben und Zusammenhalt durch gemeinsame Programme stärken und der sozialen Not durch karitative Initiativen begegnen. Sein besonderes Augenmerk gilt den alten Menschen, “den Vergessenen in zahlreichen Dörfern”, wie er betont.

Gegenwärtig umfasst das Bistum 38 Pfarreien und 55 so genannte Filialen mit kleinen Kapellen. Für die Seelsorge stehen aber nur 22 Diözesan- und sieben Ordenspriester zu Verfügung. Mit denjenigen, die Serbien wegen des Krieges und der Gewalt verlassen haben, insbesondere Ungarn und Kroaten, sind nämlich auch deren Priester gegangen.

“Wir brauchen mehr karitative Initiativen”

Bischof Nemet, der den Steyler Missionaren angehört, lässt sich davon aber nicht beeindrucken. In seinem Bistum gebe es viel zu tun, aber auch viel Armut. Dennoch ist er zuversichtlich: “Ich bin überzeugt, dass Gottes Hilfe mit den Aufgaben kommt.” Seine Priester ruft Bischof Nemet sechs Mal im Jahr zu einem Einkehrtag zusammen, zu Stunden der Ruhe, Besinnung und Weiterbildung.

Wert legt der 54-Jährige auf die Ausbildung von Religionslehrerinnen und -lehrern sowie Laien für die wachsende Arbeit der Glaubensunterweisung in den Pfarreien. Zwar wird in den Schulen seit 2001 wieder Religion unterrichtet, doch fehlt es an qualifiziertem Personal. In den Pfarreien wird daher parallel weiter Unterricht erteilt.

Treffen mit Jugendlichen sind Bischof Nemet wichtig. So möchte er etwa jeden Heranwachsenden, der gefirmt wird, nicht erst am Tag der Firmung kennen lernen. Deshalb besuchen alle Gruppen den Bischof in Zrenjanin. Zudem sind die Firmlinge verpflichtet, gemeinsam Bedürftige zu besuchen. Bischof Nemet: “Wir brauchen mehr karitative Initiativen, haben aber einfach zu wenige Freiwillige.”

 

19.Jul 2010 12:57 · aktualisiert: 1.Apr 2015 12:07
KIN / S. Stein