Aufbruch in eine neue Zeit

In Bulgarien wurde der erste einheimische Karmeliter zum Priester geweiht

Joan vom Kreuz bei seiner Priesterweihe in Sofia.

Joan vom Kreuz bei seiner Priesterweihe in der Kathedrale in Sofia.

Gott braucht keine Massen. Er liebt jeden Einzelnen. Der heilige Mystiker Johannes vom Kreuz sprach von dem Funken Göttlichkeit in jedem und sogar von der Vergöttlichung dessen, der Gott liebt.

Einer ist kürzlich zum Priester geweiht worden. Es ist der unbeschuhte Karmelit mit dem Ordensnamen Joan vom Kreuz. Es war die erste Priesterweihe eines einheimischen Karmeliten in Bulgarien.

Viele wollten dabei sein, als der Funke Göttlichkeit in der Kathedrale von Sofia nicht nur in der Eucharistie Gestalt annahm, sondern auch in der Weihe dieser Berufung.

Manch einer der älteren Gläubigen mag dieses Ereignis wie eine späte Auferstehung empfunden haben. Die Zeit des Kommunismus ist noch nicht vergessen, überall sind seine Zeugnisse noch sichtbar. Daher ist diese erste Priesterweihe eines bulgarischen Karmeliten für die rund 73 000 Katholiken im Land wie ein Aufbruch in die neue Zeit.

Doch auch der 26-jährige Neupriester muss die Ärmel hochkrempeln. Vor acht Jahren klopfte er an die Tür des Karmel in Polen, weil es in Bulgarien kein Haus der unbeschuhten Karmeliter gab. Nach seinem Studium in Polen, Kroatien und Rom kam er nach Sofia zurück und half bei der Renovierung eines Hauses für die Karmeliten – und beim Wiederaufbau der Seelen.

Franziskanerin mit Kindern in Plowdiw.

Franziskanerin mit Kindern in Plowdiw.

Von diesem Haus, dem Roncalli-Zentrum, soll die geistliche Erneuerung ausgehen. Hier hatte der spätere Papst Johannes XXIII. als Diplomat neun Jahre gelebt. Hier werden Exerzitien gehalten, hier arbeitet auf dem Dachboden der Verlag des Ordens. hier bilden die Karmeliter mit anderen Priestern in einem Institut für theologische und geistliche Kultur Laien aus.

Ein Schwerpunkt soll das Zusammenleben mit anderen Konfessionen sein. Über achtzig Prozent der Bevölkerung sind Orthodoxe, etwa zwölf Prozent Muslime. Die katholische Kirche in Bulgarien erwacht aus dem “Mauerblümchendasein”. In den letzten Jahren konnte das Haus in Sofia mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT von Grund auf erneuert werden. Je stärker die pastorale Tätigkeit sich entfaltet umso dringender wird es, die Einrichtung des Hauses anzupassen.

Schwester Maximiliana mit Kindern vor einer Marienstatue.

Schwester Maximiliana mit Kindern vor einer Marienstatue.

Es fehlt eine Küche, es fehlen Stühle im Konferenzraum, es fehlt ein Tisch im Speiseraum. In den Zimmern der Mönche fehlen zudem Schränke.

Die “Unbeschuhten Karmeliter des Heiligen Josef” sind Entbehrungen gewohnt – auch die Schwestern, die die Zeit der Diktaturen überlebt haben, dasselbe gilt für die Laien. Am schmerzlichsten vermisst haben sie Priester. Ohne Priester keine Sakramente.

Jetzt hat Gott ihnen einen jungen Priester geschenkt. Es ist gleichsam eine Aufforderung an uns, den tapferen Brüdern und Schwestern in Bulgarien mit einem Funken Großzügigkeit ein Stück hoffnungsfrohe Zukunft zu spenden.

8.Okt 2010 10:09 · aktualisiert: 17.Apr 2015 09:15
KIN / S. Stein