Geduld, Gottvertrauen und ein Jeep

Über die Herausforderungen der Seelsorge in Papua-Neuguinea

Soweit die Balken tragen: Jeep auf einer Brücke in Papua-Neuguinea.

Soweit die Balken tragen: Jeep auf einer Brücke in Papua-Neuguinea.

“Was ist das größte Hindernis für die Arbeit der katholischen Kirche in Papua-Neuguinea?” Die Antwort ist immer gleich, wen man auch fragt, ob Bischöfe, Priester, Ordensleute oder Laien: “Das Transportproblem.”

Nur Fliegen geht, aber die verwahrlosten Landepisten machen es oft zu einem Wagnis. Öffentlicher Schienenverkehr ist unbekannt. Das Straßennetz zählt etwa 20 000 Kilometer, von denen aber nur 700 befestigt sind.

Die Diözese Daru-Kiunga im Westen des Landes beispielsweise erstreckt sich über eine Fläche von 62 000 Quadratkilometern, fast so groß wie Bayern, und hat gerade einmal drei Straßen. Jede ihrer zwölf Gemeinden, die nicht unmittelbar an diesen Straßen oder am Ufer des Flusses Fly liegen, ist nur zu Fuß durch den Busch zu erreichen. Regen verwandelt die Wege in Schlammpfade. Um die Frohe Botschaft auch in die entlegenen Orte zu tragen, braucht es viel Courage, Geduld und Gottvertrauen – und einen Jeep mit Vierradantrieb.

Dabei könnte Papua-Neuguinea aufgrund seiner natürlichen Ressourcen ein wohlhabendes Land sein. Die mangelnde Infrastruktur treibt die Kosten für die Diözesen in schwindelnde Höhen. Schwierig ist es, Baumaterialien zu besorgen und vor allem sie zu transportieren.

Innenansicht der Kirche in Kiunga.

Innenansicht der Kirche in Kiunga in Papua-Neuguinea.

Msgr. Cesare Bonivento in Vanimo hat aus der Not eine Tugend gemacht: Er hat eigene Werkstätten eingerichtet. Dort werden Autos repariert, aber auch Betonbausteine gegossen, Wassertanks geschweißt, Zimmermannsarbeiten erledigt, Türen, Fenster und Möbel hergestellt.

Außerdem beschäftigt die Diözese einen eigenen zuverlässigen Ingenieur, der den Bischof bei allen Bauprojekten unterstützt. “So können wir die Baukosten beispielsweise für unser neues Priesterseminar um zwei Drittel reduzieren”, berichtet der Bischof und ergänzt: “Und junge arbeitslose Männer bekommen so eine solide Ausbildung und einen Arbeitsplatz.”

Msgr. Cesare Bonivento, Bischof von Vanimo.

Msgr. Cesare Bonivento, Bischof von Vanimo.

Auch in der täglichen Pastoral schlagen sich die Transportprobleme nieder. Gerade da, wo die Priester weit zerstreut leben, um ihre abgelegenen Pfarreien zu betreuen, wäre es notwendig, die Priester immer wieder zu Exerzitien, zu Fortbildungen und zum Austausch zusammenzubringen.

Ähnliches gilt für die Ordensleute, für die Katechisten und die Lehrer an katholischen Schulen. Das scheitert häufig an den immensen Reisekosten.

Angesichts dieser Erschwernisse kann der Dienst der Kirche an der Entwicklung des Landes gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das betrifft am augenfälligsten den sozialen Sektor: Gesundheitsversorgung und Schulbildung liegen weitgehend auf den Schultern der Kirche. Aber mindestens ebenso bedeutsam ist die Rolle der Kirche als Wahrerin und Vermittlerin des Glaubens.

Papua-Neuguinea hat eine Fläche von 462 810 Quadratkilometern, das entspricht ungefähr der Größe von Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Von den sieben Millionen Einwohnern sind über 90 Prozent Christen, ungefähr jeder Vierte ist katholisch.

KIRCHE IN NOT unterstützt die gewaltigen Herausforderungen in Papua-Neuguinea in vielfältiger Weise: Mess-Stipendien, Finanzierung von Priester-, Schwestern- und Laien-Ausbildung, Motorisierung und Bauhilfen. Diese Hilfe kommt an – und sie wandelt das Leben, mitten im Busch.

Stichwort: Fahrzeuge für Gott

Das von KIRCHE IN NOT mitfinanzierte orthodoxe Kapellenschiff in Russland.

Das von KIRCHE IN NOT mitfinanzierte orthodoxe Kapellenschiff in Russland.

Im Jahr 1950 hatte unser Gründer, Pater Werenfried van Straaten, die ersten beiden “Kapellenwagen” eingeweiht – zu kleinen Kirchen umgebaute Autobusse, mit denen die Seelsorge unter den deutschen Heimatvertriebenen aufrechterhalten werden sollte. Insgesamt waren 35 dieser “fahrenden Kirchen” im Einsatz.

In der Tradition dieser “Kapellenwagen” weiteten wir in den darauf folgenden Jahrzehnten die motorisierte Unterstützung für die weltweite Seelsorge aus. Priester, Ordensschwestern und Laien in entlegenen Gebieten wurden mit Autos, Booten, Motorrädern, Fahrrädern und manchmal sogar Eseln ausgestattet, um ihre pastoralen Aufgaben erfüllen zu können.

Ein Höhepunkt in der sechzigjährigen Geschichte der “Fahrzeuge für Gott” war zum Beispiel eine siebzig Meter lange “schwimmende Kirche” auf der Wolga, die wir 2004 finanzierten. In Deutschland ist heute auch das “Beichtmobil” unterwegs – ein zum Beichtstuhl umgebauter VW-Bus, in dem katholische Geistliche Seelsorgegespräche anbieten.

Ausstellung: Fahrzeuge für Gott

Zum Thema “Fahrzeuge für Gott” bieten wir eine Ausstellung an, die Sie bei uns unentgeltlich für Ihre Veranstaltung ausleihen können. Die Schau wurde bereits in München, Passau, Augsburg und Köln gezeigt.

Setzen Sie sich bei Interesse mit uns in Verbindung:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon: 089 – 64 24 888-0
Telefax: 089 – 64 24 888-50
E-Mail: info@kirche-in-not.de

21.Nov 2011 09:48 · aktualisiert: 21.Nov 2011 09:50
KIN / S. Stein