Bruder Prem Bhai: EIn katholischer Wanderprediger in Indien | 26.10.2012 · 11:30 min

Beschreibung

Am 28. Juni 2008 starb der allseits beliebte indische Missionar Bruder Prem Bhai, den unser HIlfswerk in seinem missionarischen Eifer gerne unterstützte. Seine Heldentaten bieten Stoff für Legenden. Viele indische Katholiken waren über seinen Tod vor einem Jahr bestürzt.

Seine bemerkenswerten Abenteuer ähneln denen eines modernen heiligen Paulus oder eines Robin Hoods. Er hat sich verkleidet, um Zugang zur gesperrten Provinz Arunachal Pradesh zu erlangen. Bruder Prem ertrug mehrfache Festnahmen, Gefangenschaft und Folter. Der Bundesstaat liegt im äußersten Osten Indiens im Himalaya.

Der Benediktinermönch verstarb während einer Missionsreise am 28. Juni 2008 in Colombo (Sri Lanka), nachdem er einen Tag zuvor einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte. Bruder Prem war fast ein Vierteljahrhundert als Missionar in Arunachal Pradesh tätig, ungeachtet der strengen Regierungsrestriktionen für derartige Aktivitäten in diesem Bundesstaat. Wer gegen diese Auflagen verstößt, kann zu Strafen von 10 000 Rupien oder zwei Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Verhaftet und gefoltert

Vor drei Jahren berichtete Bruder Prem KIRCHE IN NOT: “Die Polizei verfolgt mich gewöhnlich. Ich wurde wegen Predigens bereits acht Mal verhaftet and fünf Mal inhaftiert. Ich blieb aber nie länger als einen Tag im Gefängnis, denn die Christen hatten es immer wieder geschafft, mich zu freizulassen.”

Dreimal wurde der Benediktiner durch Einheimische gefoltert, nachdem er in der Provinz gepredigt und getauft hatte. KIRCHE IN NOT hat die Arbeit von Bruder Prem unterstützt, so zum Beispiel das Gebetszentrum, das er leitete.

Bruder Prem und seine Missionarskollegen erhielten die benötigten Genehmigungen lediglich dadurch, indem sie sich verkleideten. Zur Einreise in den Bundesstaat ist eine indische Sondergenehmigung erforderlich: nicht nur für Ausländer, sondern auch für ortsfremde indische Landsleute. Der Hintergrund dieses Sonderfalls ist, dass das Territorium des Bundesstaates auch von China beansprucht wird.

Bruder Prem berichtete unserem Hilfswerk über die Begebenheiten während seiner Missionsbesuche: “Wir betraten die Provinz als Zimmermann, Bauer und Metzger. Oft sind wir über einhundert Kilometer zu einem Dorf gelaufen, durch die Berge und den Schnee. Wir versammelten die Menschen in den Dörfern am Abend und predigten zu ihnen, aber gingen auch schnell weiter.”

Aufgrund der missionarischen Tätigkeiten, die auch Bruder Prem zu verdanken sind, machen die Christen in der Provinz 55 Prozent der Bevölkerung von Arunachal Pradesh aus. Viele sind Ärzte, Richter oder Ingenieure und gehören der lokalen Regierung an. Fünfzig Priester betreuen etwa 210 000 Gläubige in der Provinz, auch die Laien sind sehr aktiv.

In den Nachrufen auf den verstorbenen Benediktinerbruder wurde die Bedeutung seines Wirkens in der indischen Region besonders deutlich. Der Steyler Pater Ivan Vas stellte ihn als “den großen Missionar” heraus. Marie-Ange Siebrecht, Indien-Koordinatorin von KIRCHE IN NOT, hob seine Persönlichkeit hervor: “Sein ganzes Leben hat er dem Verkünden des Evangeliums in Arunachal Pradesh gewidmet.”

Bruder Prem wurde in dem von ihm gegründeten Dreifaltigkeits-Ashram, einem Meditationszentrum, in Baderdewa beigesetzt. Seine Requiemsmesse wurde vom Erzbischof Thomas Menamparampil aus Guwahati und Bischof Michael Akasius aus Tezpur gefeiert.


Erstausstrahlung (bzw. hochgeladen am): 26.10.2012 
Produktionsjahr: 2008

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