4. März: Gedenktag des heiligen Kasimir

Ein Mann des Gebetes und der Frömmigkeit

Glockenturm der Kathedrale in Vilnius.

Glockenturm der Kathedrale in Vilnius.

Als sich im Mittelalter in Osteuropa außerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation verschiedene Staaten bildeten, haben dort manche Könige und Herzöge regiert, die bis heute von ihren Völkern als Heilige verehrt werden: In Böhmen war es Herzog Wenzel, im Kiewer Reich die heilige Olga und ihr Enkel Wladimir, in Ungarn König Stephan, in Schlesien die heilige Hedwig.

Als letztes Volk Europas hatten die Litauer erst 1387 nach der Taufe ihres Großfürsten Jogaila das Christentum angenommen. Aber sie hatten mit dem heiligen Kasimir schon bald einen eigenen großen Heiligen.

Sein Fest am 4. März wird von Litauern und Polen begangen, da die beiden Völker seit der Taufe Jogailas bis zu den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert im Staatsverband des Königreiches Polen lebten.

Kasimir wurde am 5. Oktober 1458 in Krakau als Sohn des polnischen Königs Kasimir IV. geboren, der auch gleichzeitig Großfürst von Litauen war. Seine Mutter Elisabeth war eine Habsburgerin. Er war erst 13 Jahre alt, als ihn die Adligen des Königreiches Ungarn zum König wählten. Doch konnte er in Ungarn nicht die Krone erlangen, da dies Matthias Corvinus verhinderte, der selbst König von Ungarn werden wollte und dieses Ziel erreichte.

Er hatte Jungfräulickeit geschworen und wies Heiratsanträge ab

Als 21-Jähriger führte Kasimir für seinen im Ausland weilenden Vater bis 1483 die Regierungsgeschäfte. Als ein Mann des Gebetes und der Frömmigkeit war er beim Volk wegen seiner Gerechtigkeit und Bescheidenheit beliebt. Aus Liebe zur Gottesmutter hatte er Jungfräulichkeit geschworen und lehnte verschiedene Anträge zur Heirat mit Königstöchtern ab, auch mit der Tochter von Kaiser Friedrich III.

Das Tor der Morgenröte in Vilnius. Hierin befindet sich eine Kapelle mit einer Ikone der Barmherzigen Muttergottes, ein beliebtes Ziel für Pilgernde.

Das Tor der Morgenröte in Vilnius. Dort befindet sich eine Kapelle mit einer Ikone der Barmherzigen Muttergottes.

Wegen seiner Marienfrömmigkeit wurde ihm lange Zeit auch die Dichtung des lateinischen Marienliedes “Omni die dic Mariae” (Alle Tage sind und sage) zugeschrieben. Er starb bereits im Alter von nur 25 Jahren bei einer Reise in Grodno im heutigen Weißrussland am 4. März 1484.

Der heilige Kasimir ist Patron von Polen und Litauen und wurde 1602 von Papst Clemens VIII. heilig gesprochen. 1948 ernannte ihn Papst Pius XII. auch zum Patron der Jugend. Er wird auch als Patron gegen die Pest angerufen. Außerdem ist er auch einer der Patrone des Malteser-Ordens.

Zu seiner Ehre wurde die prächtige Kasimirkirche in der litauischen Hauptstadt Vilnius (Wilna) erbaut, wohin seine Gebeine übertragen wurden. Als 1832 die Russen dieses Gotteshaus in eine orthodoxe Kirche umwandelten, brachte man seine Gebeine in die große Kathedrale Sankt Stanislaus .

Kasimirkirche wurde zu einem Museum für Atheismus

Als die Sowjets nach der Okkupation Litauens die Kathedrale schlossen und in eine Gemäldegalerie umwandelten, überführte man die Gebeine in die Peter-und-Paul-Kirche in Vilnius. Die Kasimirkirche war in kommunistischer Zeit zu einem Museum des Atheismus entweiht worden. Seit der 1991 erkämpften Unabhängigkeit Litauens sind seine Gebeine wieder im Kasimirdom.

Der Berg der Kreuze im Norden Litauens ist eine beliebte und berühmte Pilgerstätte.

Der Berg der Kreuze im Norden Litauens ist eine beliebte und berühmte Pilgerstätte.

Kasimir wird meist in polnischer Adelstracht dargestellt, oft mit Krone und Zepter sowie der Lilie der Jungfräulichkeit. 1984 hatten die Bischöfe im verfolgten Litauen Papst Johannes Paul II. zu den Feiern von Kasimirs 500. Geburtstag eingeladen.

Die sowjetische Regierung verwehrte dem Papst die Einreise mit der Begründung, er habe die Sowjetunion beleidigt, weil er den Marxismus in seiner Ablehnung der so genannten Theologie der Befreiung als “Schande des 20. Jahrhunderts” bezeichnet hatte. Erst ein Jahrzehnt später konnte der polnische Papst Litauen besuchen.

Beitrag: Rudolf Grulich

Gebet des heiligen Kasimir

Die von vielen Pilgern verehrte Ikone der Barmherzigen Muttergottes in Vilnius.

Die von vielen Pilgernden verehrte Ikone der Barmherzigen Muttergottes im “Tor der Morgenröte” in Vilnius.

Aus der Zahl der Lieder und Gebete zu Ehren des heiligen Kasimir zitieren wir das Gebet aus dem Gebetbuch “Maria, rette uns”, das vier litauische Mädchen in der sibirischen Verbannung schrieben und das in den Westen gelangte.

Pater Werenfried van Straaten hatte es 1953 in deutscher, englischer und niederländischer Sprache herausgegeben:

Heiliger Kasimir, Schützer des Marienlandes,
Du hast mit Lobliedern die allerseligste Jungfrau gepriesen,
Du hast in Nächten an der Pforte der Kirche gekniet und ihre Hilfe angerufen,
Du hast die Keuschheit so geliebt, dass Du um ihretwillen auf alle Ehren der Welt und alle Annehmlichkeiten verzichtet hast.

Erbitte, heiliger Schutzherr, unserem Lande die Blüten der Reinheit,
die uns alle mit ihrem Dufte auf Deinen Wegen führen.

Heiliger Kasimir, Du wolltest Dein Land nicht verlassen, und als es in Gefahr war, hast Du vom Himmel aus unserem Heere geholfen.

Aus schmerzerfülltem Herzen bitten wir Dich, hilf unserem Volke, sich zu einem würdevollen Leben zu erheben.

Und uns hilf, bald in das Land zurückzukehren, das geheiligt ist durch die Leiber der Blutzeugen, durch unschuldige Tränen und endloses Seelenleid. Amen.

4.Mrz 2009 10:10 · aktualisiert: 7.Jul 2015 14:50
KIN / S. Stein