Der Apostel Warschaus und Wiens


Heiliger Klemens Maria Hofbauer (1751-1820).

Heiliger Klemens Maria Hofbauer (1751-1820).

Wenige Heilige tragen so viele Beinamen wie der aus dem südmährischen Taßwitz stammende Klemens Maria Hofbauer: Er wird Apostel Warschaus genannt, Patron der Stadt Wien; österreichischer Reformator; der erste deutsche Redemptorist; zweiter Gründer der Redemptoristen-Kongregation; “der Bäckerjunge von Znaim”.

Am 26. Dezember 1751 geboren, lernte Klemens Maria in Znaim zunächst das Bäckerhandwerk. Doch fühlte er die Berufung zum Priester.

Er begann daraufhin zunächst in Wien mit dem Studium der Katholischen Theologie, das er dann in Rom fortsetzte. Dort trat er in die Kongregation der Redemptoristen ein. Nachdem  zum Priester geweiht wurde, wirkte er in Warschau. Er war der erste Redemptorist nördlich der Alpen.

Als ihn die Oberen seines Ordens in den Norden schickten und er 1786 Rom verließ, sollte er eigentlich nach Kurland gehen. Doch als er im Januar 1787 mit seinem Landsmann und Gefährten Thaddäus Hübl in Warschau ankam, sollte dies seine vorläufige Endstation bleiben.

Audienz beim polnischen König

Nach einer Audienz beim König, die ihm der Nuntius vermittelt hatte, war König Stanislaus August Poniatowski von den Zielen der Redemptoristen begeistert. Kurzerhand verbot er den beiden Priestern die Weiterreise und ließ sie in Warschau bleiben. Hofbauer und Hübl übernahmen die Seelsorge an der deutschen Nationalkirche St. Benno und entfalteten eine solch segensreiche Tätigkeit, dass die Redemptoristen in Polen “Bennoniten” genannt wurden.

Klemens Maria Hofbauer ist in der Kirche Maria im Gestade in Wien begraben. Foto: Herbert Klyma.

Klemens Maria Hofbauer ist in der Kirche Maria im Gestade in Wien begraben. Foto: Herbert Klyma.

Seit 1788 war er Generalvikar der Redemptoristen nördlich der Alpen. Von der polnischen Hauptstadt aus gründete er eine Niederlassung in Mitau, dem heutigen Jelgava in Lettland. Er gewann Novizen für die Kongregation, unter ihnen Deutsche, Franzosen und Litauer.

Hofbauer unternahm ausgedehnte Missionsreisen. Er versuchte Niederlassungen in Süddeutschland und Polen, aber auch im heutigen Weißrussland und in der Ukraine zu gründen, zum Beispiel im damals österreichischen Lemberg (heute L’viv) und anderen Orten Galiziens (West-Ukraine).

Doch im Jahr 1808 wurde dieser Eifer gestoppt: am 9. Juni unterzeichnete der König von Sachsen als Herzog von Warschau den Befehl Napoleons, “die Redemptoristenpriester ohne Verzug aus den Grenzen des Herzogtums Warschau zu entfernen”.

Er vergaß nie sein geliebtes Polen

Hofbauer kam zunächst mit seinen Gefährten auf die Festung Küstrin. Doch er vergaß bei seinen Missionsreisen und nach seiner Niederlassung in Wien nie sein geliebtes Polen.

Wie von Warschau aus unternahm er auch von Wien eine rege Reisetätigkeit. Er war in Schwaben, Baden und im Wallis, in Altötting und Rom. Noch weiter reichte aber sein Briefwechsel.

Blick in den Innenraum der Kirche Maria im Gestade. Foto: Herbert Klyma.

Blick in den Innenraum der Kirche Maria im Gestade. Foto: Herbert Klyma.

Trotz aller Schwierigkeiten der Aufklärung hatte er Pläne für Missionsstationen, Kollegien und Seelsorgestellen: in der rumänischen Moldau, im bulgarischen Nikopol, im heute mazedonischen Skopje und in Bukarest. Allerdings ließ sich nur letztere realisieren, da ihm auch der österreichische Kaiser Franz I. in seinem Reich keine Klosterniederlassungen erlaubte.

Hofbauer gewann aber zahlreiche Schüler und nahm sie in die Kongregation auf, auch wenn der Kaiser dies erst am Todestag Hofbauers offiziell genehmigte. Viele seine Schüler kamen aus Böhmen und Mähren, wie Thaddäus Hübl oder Joseph Libotsky aus Prag. Dieser erhielt von Hofbauer als erster Redemporist in Wien das Kleid der Kongregation erhielt.

Hofbauer beeinflusste Schriftsteller wie Brentano und von Eichendorff

Aus ganz Deutschland kamen Schriftsteller und Intellektuelle zu ihm. In der Geistesgeschichte der katholischen Romantik spricht man sogar vom “Hofbauerkreis” in Wien. Manche von ihnen konvertierten zur katholischen Kirche.

Hofbauer beeinflusste Romantiker wie Friedrich Schlegel, Clemens Brentano oder Joseph von Eichendorff. Er beriet außerdem die Nuntiaturen und Reformbischöfe. In der Seelsorge ging er mit Krankenbesuchen, religiösen Heimabenden und Leihbibliotheken neue Wege.

Klemens Maria Hofbauer ist der Patron der Stadt Wien. Blick auf das Österreichische Parlament, im Hintergrund der Turm des Rathauses. Foto: Herbert Klyma.

Klemens Maria Hofbauer ist der Patron der Stadt Wien. Blick auf das Österreichische Parlament, im Hintergrund der Turm des Rathauses. Foto: Herbert Klyma.

Doch er erntete nicht mehr das, was er ausgesät hatte. Nach seinem Tode 1820 verbreitete sich dennoch die Kongregation. In Böhmen und Mähren betreute sie die großen Wallfahrtsorte wie Pribram, Philippsdorf und Grulich.

In der Zwischenkriegszeit entstand sogar eine eigene sudetendeutsche Vizeprovinz mit Sitz in Karlsbad. Ihr langjähriger Provinzial in der Vertreibung war Pater Augustin Reimann, der 1970 starb und in Würzburg begraben ist. Er gehört zu den großen Volksmissionaren der Nachkriegszeit und stand seit 1948 in engem Kontakt mit Pater Werenfried van Straaten.

Klemens Maria Hofbauer wurde 1888 selig- und 1909 heiliggesprochen. Er ist nicht nur der Patron Wiens, sondern auch der Erzdiözese Freiburg, da er in Triberg im Schwarzwald Niederlassungen zu gründen versuchte.

Ein Beitrag von Rudolf Grulich

12.Mrz 2009 15:47 · aktualisiert: 2.Apr 2015 13:39
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