Christen im Heiligen Land

Zur Pilgerreise des Papstes nach Jordanien und Israel

 
 
Die Geburtskirche in Bethlehem

Die Geburtskirche in Bethlehem.

Vom 8. bis 15. Mai besucht Papst Benedikt XVI. das Heilige Land. Seine Reise führt ihn nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete. Der Heilige Vater wird nach Paul VI. im Jahre 1964 und Johannes Paul II. im Jahre 2000 der dritte Papst sein, der die Heimat Jesu besucht.

Schwerpunkte seiner apostolischen Reise werden die Gottesdienste  mit einheimischen Gläubigen sein, ferner ökumenische Begegnungen mit Patriarchen und Bischöfen anderer christlichen Kirchen, aber auch mit Vertretern des Judentums und des Islams.

Im Heiligen Land sind bis heute Christen aller Riten und alten Kirchen vertreten, dazu auch einige Kirchen der Reformation. Sie bieten oft ein Beispiel der Zerrissenheit des Christentums und mahnen uns, das Gebet Jesu bei seinen Abschiedsreden ernst zu nehmen und den Vater zu bitten, “dass alle eins seien”.

Aber die Vielfalt der Kirchen erinnert uns auch an die Entwicklung in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte, als sich in den verschiedenen Kulturkreisen der Alten Welt unterschiedliche Riten entwickelten.

Neue Grenzen teilten alte Diözesen

Heute sind im Heiligen Land, also in Israel, Palästina und Jordanien, fast alle in diesem Text dargestellten orientalischen Kirchen vertreten. Die Grenzen nach der Staatsgründung Israels 1947 und nach der Besetzung jordanischer und syrischer Gebiete 1967 haben aber viele Diözesen geteilt.

Das Päpstliche Jahrbuch führt unter Israel das melkitische Erzbistum Akko mit rund 67 000 Gläubigen und die maronitische Erzdiözese “Haifa und Heiliges Land” mit 7000 Katholiken an. Unter “Jordanien” das melkitische Erzbistum Petra und Amman, das 31 000 Gläubige zählt.

Außerdem nennt das Jahrbuch Palästina als “Staat” mit den Melkitischen und den Lateinischen Patriarchaten Jerusalem mit 3300 beziehungsweise 77 000 Katholiken. Den Titel eines Melkitischen Patriarchen führt der Patriarch von Antiochien in Personalunion.

Jerusalem ist Sitz eines armenischen Patriarchen

Dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem unterstehen 20 Bischöfe, die alle in Jerusalem residieren – mit Ausnahme der Bischöfe von Nazareth (Israel) sowie von Amman und Irbed (Jordanien) .

Jerusalem ist auch Sitz eines armenischen Patriarchen, der in der Rangfolge der vier Patriarchen der Armenisch-Gregorianischen Kirche nach dem Katholikos in Etschmiadzin (Armenien) und dem von Kilikien in Beirut vor dem Patriarchen von Konstantinopel den dritten Platz einnimmt. Der armenische Patriarch hat in Jerusalem vier weitere Bischöfe und einen weiteren im jordanischen Amman. Jerusalem ist heute auch Sitz koptischer, äthiopischer und syrischer Bischöfe mit Klöster und Kapellen in der Grabeskirche.

Der See von Tiberias nahe Tagbha

Der See von Tiberias nahe Tagbha.

Der Besuch  von Papst Paul VI. im Januar 1964 in Jerusalem war ein Meilenstein der Ökumene, denn der Papst traf sich mit dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras von Konstantinopel. Er erklärte damals, dass die christliche Welt nach der “Nacht der Trennung” nun vor dem Beginn eines strahlenden Tages stehe.

“Die katholische Kirche und die orthodoxe Kirche sind Schwesternkirchen, gegründet von zwei Brüdern: Petrus und Andreas. Die eine ist also für die andere da. Deshalb müssen wir wie Brüder zusammenarbeiten.”

Damals besuchte Paul VI. auch das armenische Patriarchat, und Patriarch Derderian bezeichnete den Besuch nicht nur als eine große Ehrung seines Patriarchates, sondern zugleich auch als Ehrung der ganzen Apostolischen Armenischen Kirche und des armenischen Volkes.

Die Christenheit hofft und betet, dass der Besuch Benedikt XVI. in Jerusalem ähnlich erfolgreich verlaufen möge, wie seine Reise Ende November 2006 nach Istanbul.

Wenn wir die heutigen Christen im Heiligen Land und überhaupt im Orient betrachten, so können wir sie in zwei große Gruppen einteilen: Da gibt es zunächst ostkirchliche Gemeinschaften in den Ländern des Orients, die seit dem siebten Jahrhundert durch die arabischen Eroberungen unter muslimische Herrschaft gerieten, und zweitens jene christlichen Kirchen, die erst in der Neuzeit durch Missionierung oder Kolonialisierung Fuß fassten.

Zahlreiche orientalische Kirchen

Im Nahen Osten haben wir neben den alten, zum Teil seit über eineinhalb Jahrtausenden von Rom und der Gesamtkirche getrennten Kirchen der Nestorianer und Monophysiten und der seit 1054 von Rom getrennten Orthodoxen heute auch katholische Entsprechungen dieser Kirchen, die in Glaubensgemeinschaft mit Rom stehen, weil sie eine “Union” geschlossen haben.

In der Kirchengeschichte wird der Begriff “Union” in verschiedenen Bedeutungen gebraucht: Während man bei den Protestanten als Union die “Verbindung der lutherischen und reformierten Kirchen in einem übergreifenden Gesamtorganismus aufgrund des Gemeinsamen in ihren Bekenntnissen” bezeichnet.

Unter Ostkirchen-Unionen versteht man “kirchenrechtliche Akte, mit welchen die Gemeinschaft einzelner Ostkirchen mit der universalen, das heißt katholischen Kirche wiederhergestellt” wurde. Dabei ist aber immer an den Anschluss von ganzen kirchlichen Gruppen mit Priestern und Bischöfen gedacht. Der Übertritt von Einzelpersonen ist Konversion, keine Union.

Das Heilige Grab in Jerusalem (Foto: Magdalena Wolnik)

Das Heilige Grab in Jerusalem (Foto: Magdalena Wolnik).

Das Ideal einer Union ist der Übertritt einer ganzen Kirche beziehunsweise eines ganzen Ritus, was bisher nur im Falle der Maroniten während der Kreuzzüge im Libanon geschah. Sonst handelt es sich um Übertritte einzelner Bischöfe, die mit mehr oder weniger Gläubigen den Primat des Papstes anerkannten und ihren Ritus und einen Teil ihrer Sonderrechte auch als Katholiken beibehalten konnten.

Fast unüberschaubare Vielfalt von Kirchen im Orient

Da für sie von Rom fast durchweg eigene Hierarchien mit Patriarchen und Bistümern errichtet wurden, vergrößerte sich die Zersplitterung der ohnehin schon so vielschichtigen ostkirchlichen Gemeinschaften, was für die Lage der Christen als Minderheit in den Ländern des Nahen Ostens meist nachteilig war. Dadurch entstand im Laufe der Zeit eine für Außenstehende kaum mehr überschaubare Vielfalt von Kirchen im Orient.

Pontifikal-Gottesdienst im byzantinischen Ritus beim Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008: Elias Chacour (2. v.l.); Bischof Petro Kryk, Apostolischer Exarch für katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien; Weihbischof Pater Athanasius Schneider ORC (Kasachstan).

Pontifikal-Gottesdienst im byzantinischen Ritus beim Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008: Elias Chacour (2. v.l.); Bischof Petro Kryk, Apostolischer Exarch für katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien; Weihbischof Pater Athanasius Schneider ORC (Kasachstan).

Die Riten im Orient

Bereits in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten hatten sich in der Christenheit des Orients neben dem lateinischen Ritus des Westens fünf Riten herausgebildet:

•    ostsyrisch
•    westsyrisch oder antiochenisch
•    alexandrinisch
•    byzantinisch
•    armenisch

Zum ostsyrischen Ritus, der hauptsächlich im persischen Reich beheimatet war, gehören bis heute die Nestorianer, die sich bereits 431 auf dem Konzil von Ephesus von der Gesamtkirche lösten. Die Anhänger des Nestorius gingen meist ins benachbarte Persien, das im politischen Gegensatz zum Römischen Reich stand, und entfalteten im Mittelalter eine erfolgreiche Missionstätigkeit bis China. Ein großer Teil der Nestorianer schloss sich seit 1552 der Römischen Kirche an.

Man bezeichnet sie heute als Chaldäer. Ihr Oberhaupt ist der katholische Patriarch von Babylon, der seit Ende des Ersten Weltkrieges als einziges Oberhaupt einer orientalischen Kirche in den USA residierte, bis in der Gegenwart diese älteste Kirche des Ostens erneut ein Schisma teilte.

Schon frühe Kirchentrennungen

Kirchen mit westsyrischem Ritus sind heute die syrisch-orthodoxe oder jakobitische, die syrisch-katholische und die maronitische Kirche. Die monophysitischen Syrer trennten sich nach dem Konzil von Chalcedon im Jahre 451 von der übrigen Kirche. Sie werden nach ihrem Organisator Jakob Baradai meist Jakobiten genannt. Teile von ihnen erkannten im 17. Jahrhundert in Aleppo den Papst als Oberhaupt an und bilden seitdem die syrisch-katholische Kirche.

Die Maroniten des Libanon gehen auf die Monotheleten zurück, die im Jahre 1181 (nach Wilhelm von Tyrus) wieder die Union mit Rom herstellten. Sie sind bis heute die einzige mit Rom unierte Kirche, die kein orthodoxes Gegenstück hat. Kirchen mit westsyrischem Ritus sind auch syrische Kirchen Indiens, von denen Malabaren und Malankaren in Einheit mit Rom stehen.

Die Kirchen des alexandrinischen Ritus wurden nach dem Jahre 451 ebenfalls monophysitisch. Es sind dies heute die Kopten in Ägypten und die Äthiopier. Seitdem sich Eritrea von Äthiopien trennte, gibt es auch eine selbstständige Eritreische Kirche.

Eine mit Rom unierte koptische Kirche existiert seit 1895. Die äthiopischen Katholiken gehen wahrscheinlich nicht auf eine Union, sondern auf Einzelkonversionen zurück. Die Union von 1626 war nicht von Dauer geblieben und bereits 1632 gelöst worden.

Schisma zwischen Rom und Byzanz

Das 1054 erfolgte Schisma zwischen Rom und Byzanz war zwar 1274 auf dem zweiten Konzil von Lyon durch den byzantinischen Kaiser Michael den Palöologen beendet worden, doch zerbrach die Gemeinschaft bereits nach wenigen Jahren.

Auch die Union des Konzils von Florenz 1439 dauerte nur bis zum Fall Konstantinopels 1453. Im Orient schlossen sich manche griechische und arabische Orthodoxe wieder an Rom an und bilden heute die Melkitische Kirche. Ursprünglich nannte man im Orient alle Orthodoxen des byzantinischen Ritus Melkiten, weil sie der Religion des Kaisers in Konstantinopel anhingen. Heute werden damit die mit Rom Unierten bezeichnet.

Die ebenfalls seit dem Konzil von Chalcedon von der Gesamtkirche abgespaltene armenische Nationalkirche schloss sich zwar 1198 in Tarsus an Rom an, wurde aber nach dem Fall des Königreiches Kleinarmenien  monophysitisch. Unionen mit Armenien gab es 1629 in Lemberg (L’viv / Ukraine) und 1740 in Aleppo in Syrien.

Katholische Sonntagsmesse in Mayilia (Israel)

Katholische Sonntagsmesse in Mayilia (Israel).

Die Konfessionen im Orient

Neben dieser Einteilung der orientalischen Kirchen nach Riten ist aber auch eine solche nach Glaubensbekenntnissen notwendig:

Nestorianer sind nur die Nestorianer, die sich selber “Apostolische Katholische Assyrische Kirche des Ostens” beziehungsweise “Alte Kirche des Ostens” nennen. Sie sind seit 431, seit dem Konzil von Ephesus, von der übrigen Kirche getrennt und heute außer im Nahen Osten auch in Indien, den USA und Europa vertreten.

Monophysiten, die das Konzil von Chalcedon (451) über die göttliche und menschliche Natur Jesu ablehnen, sind die Syrisch-orthodoxe Kirche, die Kopten, die Äthiopier, die Armenier, die Eritreer und syrische Kirchen in Indien.

Selbstständige Kirchen

Orthodoxe Gruppen des byzantinischen Ritus sind seit der Kirchenspaltung von 1054 die Gläubigen der alten Patriarchate von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem, die mit Ausnahme des arabischen Patriarchats von Antiochien heute immer noch sehr stark griechisch geprägt sind.

Weitere autokephale (selbstständige) orthodoxe Kirchen, wie die Patriarchate von Moskau, Bukarest, Belgrad, Tiflis und Sofia sowie die orthodoxen Kirchen Griechenlands, Zyperns, Albaniens, Finnlands, Polens, der böhmischen Länder und der Slowakei und anderer Länder.

Katholisch sind die Angehörigen der mit Rom unierten Zweige, also Chaldäer (des ostsyrischen Ritus), die Syrisch-katholische Kirche und die Maroniten (westsyrischer Ritus), die Koptisch-katholische Kirche (alexandrinischer Ritus), die Melkiten (arabische Katholiken des byzantinischen Ritus) und die Armenisch-katholische Kirche. Dazu kommen seit der Kreuzfahrerzeit und durch Mission auch lateinische Katholiken im Orient.

Seit dem 19. Jahrhundert, als die Anglikaner, aber auch deutsche und amerikanische protestantische Kirchen im Orient tätig waren und Ostchristen zu gewinnen suchten, gibt es auch unterschiedlich starke evangelische Gruppen im Orient.

Das Millet-System

Im Reich des Osmanischen Sultans, der seit 1517 auch Kalif war und dessen Herrschaftsgebiet in Europa, Asien und Nordafrika das Heilige Land umfasste, bildete jede von der Osmanischen Regierung anerkannte Konfession eine Nation (millet), der die Gläubigen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Muttersprache angehörten. Ein Relikt davon ist im Libanon erhalten, wo die früheren 99 Parlamentssitze (heute 128) nach dem Nationalpakt von 1943 nicht nach Parteien oder Volksgruppen aufgeteilt sind, sondern nach Konfessionen.

Betrachten wir den Begriff Nation im modernen Sinne, so können wir auch bei einigen orientalischen Kirchen des Heiligen Landes von Nationalkirchen sprechen. Das gilt besonders für die Armenier, die das Armenische in der Liturgie gebrauchen, aber auch für die Kopten, auch wenn das Koptische wie das Latein heute eine tote Sprache ist, und die Kopten in Ägypten längst arabisiert sind.

Unterschiedliche Liturgiesprachen

Auch in Äthiopien ist die Sprache nur noch in der Liturgie gebräuchlich und von Ausnahmen im Irak und der Südost-Türkei gilt das auch für das Syrische, an dessen Stelle als Umgangssprache das Arabische und Türkische getreten ist.

Die griechisch-orthodoxen Patriarchate von Alexandrien und Jerusalem sind im Klerus noch griechisch, während das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien seit einem Jahrhundert auch arabische Patriarchen hat. Hier besagt “griechisch-orthodox” nur noch, dass der Ritus byzantinisch ist wie auch bei den arabisierten katholischen Melkiten. Um nicht als Griechen zu gelten, wird heute vom Patriarchat Antiochien die Benennung “rum-orthodox” gebraucht.

In Falle von Antiochien, dem Ort, in dem die Jünger Jesu nach der Apostelgeschichte zum ersten Mal Christen genannt wurden, führen bis heute verschiedene Patriarchen den gleichen Titel: Es gibt immer noch fünf Patriarchen von Antiochien, und zwar einen griechisch-orthodoxen, einen melkitischen, einen syrisch-orthodoxen, einen syrisch-katholischen, und auch der maronitische Patriarch trägt diesen Titel “von Antiochien, der großen Gottesstadt und des ganzen Orients”. Kein einziger aber residiert in Antiochien, dem heutigen Antakya, in der Südost-Türkei.

Kleine “Titelkunde”

Die Entstehung dieser verschiedenen Titel illustriert die Geschichte der Kirchenspaltungen im Orient. Auf die Apostelzeit geht der erste Titel zurück. Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanums feierte die Kirche ein eigenes Fest “Petri Stuhlfeier zu Antiochien”.

Als sich nach dem Konzil von Chalcedon die Monophysiten abspalteten, beanspruchten sie den Titel von Antiochien, so dass es nun zwei Patriarchen gab. Ein drittes Patriarchat entstand durch die Monoteleten, ein viertes in der Kreuzfahrerzeit, als Rom einen lateinischen Patriarchen von Antiochien einsetzte. Nach der Union der Monotheleten mit Rom war dieser Patriarch nun als Oberhaupt der Maroniten katholisch.

Weitere katholische Patriarchen gab es nach der Union von arabischen Orthodoxen, den Melkiten, und von ehemals monophysitischen Syrern. Die Zahl der sechs Patriarchen von Antiochien verringerte sich im 20. Jahrhundert auf fünf, da Rom (mit Ausnahme des Lateinischen Patriarchates Jerusalem) im Orient die Lateinischen Patriarchate abschaffte.

Durch die verschiedenen Riten und Konfessionen gibt es in vielen Städten des Orients mehrere katholische Bischöfe und meistens auch mehrere nicht mit Rom unierte Bistümer. Das gilt nicht nur für die seit frühchristlicher Zeit bedeutenden Zentren wie Jerusalem und Damaskus und für den Patriarchentitel von Alexandrien, sondern auch für Städte in Ägypten, Syrien, im Libanon, im Irak und in der Türkei.

Die Jurisdiktionen

Für die alte Kirche der Pentarchie, der fünf Patriarchate vor den ersten Kirchenspaltungen seit den Konzilien des 5. Jahrhunderts, gab es tatsächlich eine räumliche Verteilung der Welt: Rom war für das Abendland zuständig. Auf den Titel “Patriarch des Abendlandes” verzichtete erst Benedikt XVI.

Dem Patriarchat Alexandrien unterstand ganz Afrika, was sich auch noch heute im Titel eines “Papstes von Afrika” für die Alexandrinischen Patriarchen zeigt. Die Patriarchen von Antiochien tragen den Titel “des ganzen Orients”, das Gebiet des Patriarchen von Jerusalem ist auf Palästina beschränkt.

Für die übrige orthodoxe Welt war und ist teilweise noch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel zuständig, wobei der Titel “ökumenisch” sich nicht auf die Ökumene im heutigen Sinn bezieht, sondern im Griechischen meint: Patriarch der bewohnten Erde, soweit diese nicht anderen Patriarchen untersteht, oder im Lauf der Zeit in einzelnen Ländern orthodoxe Nationalkirchen als selbstständig anerkannt wurden.

Diese Aufteilung ist zum Beispiel der Grund, dass die meist aus Griechenland stammenden griechischen Gastarbeiter mit der Metropolie Deutschland mit mehreren Bischöfen und ihren Hunderttausenden von Gläubigen nicht der Kirche Griechenlands unterstehen, sondern dem Patriarchen in Istanbul, deren Gläubigenzahl in der Türkei nur einige Tausend beträgt.

Das Ende des Osmanischen Reiches 1918 brachte eine Aufteilung des Nahen Ostens in neue Staaten. Syrien und Libanon waren französisches Mandatsgebiet, Palästina und Transjordanien wurden von den Engländern beherrscht, die sich 1947 zurückzogen und die Vereinten Nationen das Land zwischen Juden und Arabern  aufteilte. Der junge Staat Israel behauptete sich gegen die Angriffe der arabischen Nachbarstaaten und besetzte im Krieg von 1967 sogar arabische Gebiete.

30.Apr 2009 14:36 · aktualisiert: 12.Mrz 2014 13:43
KIN / A. Stiefenhofer