Maria – Mutter Europas

Titelbild des Rosenkranz-Heftes von KIRCHE IN NOT.

Titelbild des Rosenkranz-Heftes von KIRCHE IN NOT.

Der Monat Mai ist der Gottesmutter geweiht – doch über das ganze Jahr hinweg erinnern Marienfeste an die Helferin der Christen. Und die meisten dieser Feste haben ihren Ursprung im Beistand Marias gegen die Islamisierung.

 
 
 

Neben dem Mai ist auch der Oktober als Rosenkranzmonat der Muttergottes besonders geweiht. Am 7. Oktober feiert die Kirche seit 1716 das Rosenkranz-Fest, das an den Seesieg über die Türken erinnert, deren Flotte an diesem Tag des Jahres 1571 bei Lepanto vernichtend geschlagen wurde. Schon damals ordnete Papst Pius V. an, unter dem Titel “Maria vom Siege” dieses Ereignisses zu gedenken.

Papst Gregor XIII. bestimmte 1573 eine eigene Festfeier am ersten Samstag im Oktober zu Ehren “Unserer Lieben Frau vom heiligen Rosenkranz”. Nach dem Sieg des Prinzen Eugen 1716 über die Türken bei Peterwardein, nördlich vom Belgrad, bestimmte Papst Clemens XI., dass dieses Fest als Dank für die Hilfe Mariens in der ganzen Kirche begangen werden sollte.

Ein Kranz von Marienfesten

Neben den beiden der Gottesmutter geweihten Monaten Mai und Oktober hatte die Kirche seit Jahrhunderten in jedem Monate Feste, die an die besondere Erwählung Marias erinnerten. Manche sind der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums zum Opfer gefallen und werden heute nur in bestimmten Orden oder Regionen weiter gefeiert. Die Kirche beginnt das bürgerliche Jahr mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Januar und feiert Maria Monat für Monat.

Nennen wir nur die wichtigsten Feste: Maria Lichtmess (2. Februar), Unsere Liebe Frau von Lourdes (11. Februar), Mariä Verkündigung (25. März), Maria vom Guten Rat (26. April), Maria Hilfe der Christen (24. Mai), Maria von der Immerwährenden Hilfe (27. Juni), Mariä Heimsuchung (2. Juli), Mariä Himmelfahrt (15. August), Mariä Geburt (8. September), Mariä Namen (12. September), Mariä Mutterschaft (11. Oktober), Mariä Opferung (21. November) und das Fest ihrer Unbefleckten Empfängnis (8. Dezember).

Als die osmanischen Türken seit dem 15. Jahrhundert Europa bedrohten und 1456 erstmals vor Belgrad standen, ordnete Papst Pius II. das Angelus-Läuten an und rief alle Gläubigen zum Gebet für die Christenheit auf. Der heilige Johannes von Capestrano, der größte Bußprediger seiner Zeit, ermunterte damals die Verteidiger mit dem Kreuz. Er starb noch im gleichen Jahr am 23. Oktober 1456 in Ilok in Ostkroatien.

Maria – Helferin der Christen

Wegen der ein Vierteljahrtausend Europa bedrohenden Türkengefahr wurde auch der Anruf “Maria, Helferin der Christen” in die Lauretanische Litanei eingeführt, der Papst Leo XIII. auf den Titel “Königin des Heiligen Rosenkranzes” hinzufügte. Wie der 7. Oktober als Jahrestag der Schlacht von Lepanto, erinnert auch der 12. September mit dem Fest Mariä Namen an einen christlichen Sieg.

1683 standen die Türken ein zweites Mal (nach 1529) vor Wien. Neben dem Reichsheer, dessen Kaiser Leopold I. in Altötting die Muttergottes um Hilfe angefleht hatte, war der polnische König Johannes III. Sobieski am 15. August von Tschenstochau aus im Namen Marias dem belagerten Wien zur Hilfe geeilt. Er hatte mit seinen Soldaten das Heer des türkischen Großwesirs am 12. September am Kahlenberg besiegt, weshalb Papst Innozenz XI. diesen Tag als Marien-Fest für die ganze Kirche anordnete.

Wie 1456 der heilige Johannes von Capestrano vor Belgrad, hatte sich 1683 vor Wien der Kapuzinerpater Markus von Aviano mit begeisternden Predigten an die kaiserlichen Truppen gewandt. Er wurde von Johannes Paul II. selig gesprochen. Dass der Sieg des Prinzen Eugen 1716 am 5. August, dem Fest Maria Schnee, erfolgte, sahen die Gläubigen ebenfalls als sichtbares Zeichen der Hilfe Mariens.

Das alte Römische Brevier berichtet darüber. Unzählige Mariensäulen im katholischen Bayern und in Österreich, aber auch in allen Teilen der Habsburger-Monarchie zeigen Maria mit dem Halbmond zu ihren Füßen.

Maria vom Loskauf der Gefangenen

Nach der Abwehr der Türken vor Wien und deren Zurückdrängung führte Papst Innozenz XII. 1696 das Fest “Maria vom Loskauf der Gefangenen” am 24. September ein. In unserer Zeit hat der Gründer des Werkes KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten, an dieses Fest erinnert. Er hatte Kontakt zu zwei Orden, die heute kaum bekannt sind, die aber im Mittelalter von Heiligen gegründet wurden, um Christensklaven in islamischen Ländern loszukaufen. Es sind die Trinitarier, gegründet vom heiligen Johannes von Matha und dem heiligen Felix von Valois, und die Mercedarier, eine Gründung des heiligen Petrus Nolascus und den heiligen Raimund von Peñafort.

Das Gnadenbild Mariahilf

Das wohl am meisten verbreitete Marien-Gnadenbild ist Mariahilf. Die Bilder und Statuen der großen Wallfahrtorte sind von unbekannten Künstlern, oft von einfachen Meistern des Volkes. Die Marien-Gemälde von Raffael, Dürer und anderen Großen hängen in Museen und Galerien. Selbst die Pieta Michelangelos ist kein eigentliches Gnadenbild.

In der Zeit der Türkenkriege tritt das Marienbild eines großen Künstlers aus einer Kunstkammer heraus und wird zum Gnadenbild: Das Maria-Hilf-Bild von Lukas Cranach dem Älteren. Es wurde vom Künstler für den Kurfürsten von Sachsen gemalt und hing in dessen “Kunstkammer”. Als Erzherzog Leopold diese 1611 besuchte und ihm der Gastgeber ein Bild seiner Wahl anbot, wählte Leopold dieses Bildnis “als welche mit ihrem Liebreichen Angesicht, und Anblick um die Erlösung aus dieser Kunst Kammer gleichsam zu Bitten Ihme geschienen hat”.

Leopold ließ das Bild kopieren. Das Original ist in Innsbruck, die Kopie in Passau. Von beiden Bildern gibt es in vielen Ländern Mittel- und Südosteuropas unzählige weitere Kopien und davon ausgehend eigene Wallfahrtsorte. Nur die wichtigsten in Bayern und Österreich, Böhmen und Schlesien, in der Slowakei oder Ungarn zu nennen, würde den Rahmen dieser kurzen Ausführungen sprengen.

“Unsere Liebe Frau vom Schnee”

Im September 2007 hat die Kirche Sloweniens des hundertsten Jahrestages der Krönung des Gnadenbildes von Brezje gedacht. In diesem größten Wallfahrtsort Sloweniens wird eine Kopie aus Innsbruck verehrt, in der serbischen Hauptstadt Belgrad eine Kopie von Passau.

Nach dem Sieg des Prinzen Eugen bei Peterwardein waren die Jesuiten 1718 in Belgrad eingezogen, das bis 1740 österreichisch bleiben sollte. Sie gründeten eine Pfarrei und bauten eine Kirche, für die sie aus Passau eine Kopie des Gnadenbildes vom dortigem Maria-Hilf-Berg bestellten. Als die Österreicher und mit ihnen die Jesuiten 1740 wieder Belgrad räumten, nahmen sie das Gnadenbild mit nach Peterwardein.

Bis 1868 wurde es in der Wohnung des Pfarrers aufbewahrt, dann in der Pfarrkirche und seit 1881 auf dem Altar mit dem Gnadenbild von Maria Schnee in der neuen Kirche bei Peterwardein. Seitdem heißt es im Unterschied zu “Unserer Lieben Frau vom Schnee” meist “Unsere Liebe Frau von Belgrad”, wohin es 1934 zurückkehrte.

Schlagworte:
Feste · Islam · Lepanto · Mai · Maria · Mariahilf · Marienfeste · Marienmonat · Oktober · Rosenkranz
1.Mai 2009 08:04 · aktualisiert: 4.Okt 2016 14:54
KIN / A. Stiefenhofer