“Die Bombe zerstört, das Buch baut auf”

Pater Werenfried und sein Engagement in Osteuropa vor dem Fall der Mauer

Pater Werenfried an einem osteuropäischen Grenzübergang im Juli 1962.

Pater Werenfried an einem osteuropäischen Grenzübergang im Juli 1962.

Eigentlich begann die Wende schon zehn Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer. Sie begann als Papst Johannes Paul II. bei seiner ersten Reise 1979 nach Polen zu einer Wende des Denkens aufrief und den Heiligen Geist bat, das Angesicht der Erde zu erneuern – und hinzufügte: “Dieser Erde.”

Er war es auch, der von den zwei Lungenflügeln Europas sprach und damit die Einheit des Kontinents meinte, diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Die geistige Einheit des Kontinents zu betonen war – unausgesprochen – auch eine Anerkennung der Arbeit von KIRCHE IN NOT. Denn dieses Werk entstand 1947 als “Ostpriesterhilfe”.

Pater Werenfried van Straaten, von Journalisten und Politikern gern als “letzter kalter Krieger” verspottet, hatte vierzig Jahre lang den Boden vorbereitet mit Existenzhilfen für Priester und Schwestern, mit Bibelschmuggel und geistlicher Literatur. “Ein Buch ist eine wirksamere Waffe als ein Gewehr oder eine Atombombe”, sagte er und lieferte die Begründung gleich mit: “Die Bombe zerstört, das Buch baut auf.”

Der Eiserne Vorhang hielt Pater Werenfried bei dieser Aufbau-Arbeit nicht auf. Er besuchte 1956 Kardinal Mindszenty in Ungarn, er traf Kardinal Wyszynski, den Primas von Polen, 1957 in Rom, er wurde Freund von Erzbischof Karol Wojtyla, den späteren Papst Johannes Paul II., er half Kardinal Slipyi, dem Patriarchen der Ukraine. In acht Ländern war KIRCHE IN NOT vor der Wende tätig, nach der Wende wurden es 29, und jedes Land hat seine eigene Problematik.

Pater Werenfried und der ungarische Kardinal Jozef Mindszenty.

Pater Werenfried und der ungarische Kardinal Jozef Mindszenty.

Auch die Zahl der Diözesen, denen unser Hilfswerk hilft, ist gestiegen. Nach der Wende wurden allein 68 neu gegründet, in 189 Diözesen insgesamt können wir dank der Großzügigkeit der Wohltäter helfen, die Schäden der kommunistischen
Diktatur zu überwinden.

Wir helfen Seminaristen auszubilden, Kirchen zu erneuern, Pfarrhäuser zu renovieren, wir finanzieren Autos und Kleinlaster für Seminare und unterstützen Schwestern und Priester. Doch der Kommunismus ist nicht überall überwunden: in China und auf Kuba leben viele Christen noch in Katakomben.

Karol Wojtyla, der Kardinal von Krakau und spätere Papst Johannes Paul II. vor der Baustelle der Kirche in der polnischen Stadt Nowa Huta.

Kardinal Karol Wojtyla vor der Baustelle der Kirche in Nowa Huta.

Insgesamt haben sich weltweit die Schwerpunkte der Hilfe verlagert, aber ohne die Wohltäter von KIRCHE IN NOT wären etliche Diözesen in Osteuropa auch heute schlicht am Ende. Diese Großzügigkeit hat nicht nur geholfen, den Eisernen Vorhang zu überwinden.

Sie hat, wie Pater Werenfried sagte, “auch Breschen in die Mauern des Schweigens geschlagen”, sie hat “Augenblicke der Wahrhaftigkeit geschenkt” und war damit Teil der Neu-Evangelisierung, zu der der Papst in den Jahren vor und nach der Wende aufrief. Diese Augenblicke braucht die Welt auch heute, auch im Westen.

Wir suchen Zeitzeugen von Pater Werenfried

Um die Erinnerung an unseren Gründer lebendig zu halten, suchen wir nach Zeitzeugen von Pater Werenfried van Straaten, die Fotos, Dokumente oder Anekdoten im Zusammenhang mit dem Speckpater oder seinem Werk zur Verfügung stellen können.

Wir bitten daher alle, die über eine Begegnung mit Pater Werenfried berichten können, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Herzlichen Dank im Voraus.

22.Jul 2009 10:07 · aktualisiert: 28.Jun 2016 21:07
KIN / S. Stein