“Oh, wie groß ist der Priester!”

Zum Gedenktag des heiligen Pfarrers von Ars, Jean-Marie Vianney

Der heilige Pfarrer von Ars, Jean-Marie Vianney.

Der heilige Pfarrer von Ars, Jean-Marie Vianney.

Es war ein Wunder, dass er Priester wurde. Latein zu lernen war für ihn eine Qual, seine schwache Gesundheit machte ihm zu schaffen und seine Vorgesetzten glaubten nicht, dass er den Anforderungen des Berufs je gerecht werden könnte. Beinahe ohne jede Ermutigung von außen wusste er dennoch, dass er zum Priester berufen war.

Als er schließlich nach vielen Anstrengungen und geistlichen Kämpfen am 13. August 1815 geweiht wurde, hätte er wohl nicht im Traum daran gedacht, dass er einmal zum Patron aller Priester erhoben werden würde.

Was hätte der heilige “Pfarrer von Ars” Johannes Maria Vianney wohl dazu gesagt, dass Papst Benedikt XVI. sich von seinem 150. Todesjahr zu einem “Jahr der Priester” inspirieren lassen würde? Doch genau so ist es gekommen.

Der demütige Pfarrer eines kleinen Dorfes nördlich von Lyon steht im Zentrum des Schreibens, mit dem Papst Benedikt am 16. Juni 2009 das Priesterjahr unter dem Leitwort “Treue in Christus, Treue des Priesters” eröffnet hat. Der Heilige Vater wünscht sich in diesem Schreiben eine “innere Erneuerung aller Priester” und betont, dass “die Lehren und Beispiele des heiligen Johannes Maria Vianney allen einen bedeutsamen Anhaltspunkt dafür bieten”.

Was den heiligen Pfarrer von Ars unter anderem auszeichnete, war seine tiefe Haltung der Anbetung und der Ehrfurcht vor der Eucharistie. Auch sein großes Engagement in der Seelsorge sowie die Art, wie er das Gemeindeleben seiner Pfarrei pflegte, machen ihn heute noch zum Vorbild für jeden Priester. Nicht zuletzt ist seine Berufung ohne sein besonderes Charisma als Beichtvater nicht zu denken.

Für viele Priester gilt der heilige Pfarrer von Ars als Vorbild, sicherlich auch für diese angehenden Priester in Peru.

Für viele Priester gilt der heilige Pfarrer von Ars als Vorbild, sicherlich auch für diese angehenden Priester in Peru.

Vianney lebte zu einer Zeit, in der ein starker antireligiöser Geist seine Heimat Frankreich durchwehte. Erst wenige Jahre zuvor war die Französische Revolution blutig gegen jede Art von Religion vorgegangen; die Folgen dieses Feldzugs gegen den Glauben waren überall noch deutlich zu spüren.

Doch gegen alle diese Widerstände setzte der heilige Pfarrer von Ars, wie Papst Benedikt XVI. es formuliert, einen “Kreislauf der Tugend” in Gang. Er begeisterte die Menschen für Gott – vor allem durch sein ausdauerndes Gebet vor dem Allerheiligsten sowie sein Vorbild im Glauben und in der Nächstenliebe.

Vianneys Stärke sei es nach Aussage des Papstes gewesen, dass er die Bedeutung des Priestertums wie kaum ein zweiter erkannt habe. In einer Katechese beschrieb der heilige Pfarrer von Ars die Größe des Priesteramtes mit den Worten: “Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein.”

Denkmal in der französischen Gemeinde Ars-sur-Formans (bei Lyon), der Heimatstadt des Heiligen.

Denkmal in der französischen Gemeinde Ars-sur-Formans (bei Lyon), der Heimatstadt des Heiligen.

“Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester! Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester! Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester! Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester.”

In einer einfachen Sprache erklärte der Heilige seiner Pfarrei, wie unverzichtbar der Priester für sie ist. Und seine Gläubigen – größtenteils Bauern und Handwerker – verstanden ihn. Dieser “Draht” zu den Menschen zeichnete Johannes Maria Vianney aus.

Sein Vorbild ist darum ein hoher Anspruch an jeden Priester. “Aber was tut auf der anderen Seite der moderne Gläubige noch dafür, dass er solche heiligen Priester bekommt?” Diese Frage stellt Klaus Wundlechner, langjähriger Geschäftsführer unseres Hilfswerks.

“Über Jahrhunderte hinweg haben die Gläubigen für ihre Priester gebetet. Heute ist es doch oft so, dass die Pfarreimitglieder ihren Priester nur noch bemitleiden.”

Weniger Mitleid und mehr tragendes Gebet wünscht sich Klaus Wundlechner von den Gläubigen. Um das zu unterstützen, verbreiten wir im Auftrag der Kleruskongregation die Broschüre “Eucharistische Anbetung zur Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft”, die um das Gebet für Priester und Priesterberufungen wirbt.

Titelbild der Broschüre Eucharistische Anbetung zu Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft.

Titelbild der Broschüre “Eucharistische Anbetung zu Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft”.

Das Heft gibt jedem Katholiken eine Art Leitfaden an die Hand, wie er das Priesterjahr gewinnbringend gestalten kann. “Zum einen lebt jeder Priester aus der Eucharistie”, erklärt Klaus Wundlechner, “es ist also nur logisch, dass wir die Heiligung unserer Priester am wirkungsvollsten vor dem Allerheiligsten erbitten.”

Was aber hat es mit der “geistigen Mutterschaft” auf sich? Nach Aussage von Klaus Wundlechner stellt sich jedem Gläubigen im Priesterjahr vor allem die Frage: “Brauche ich einen Priester in meinem Leben?”

Wer dazu “ja” sagen könne, der habe auch eine natürliche Verpflichtung, für diesen Priester zu beten. “Denn was ich brauche, dafür bete ich.” Eine geistige Mutterschaft übernehme jeder, der sich regelmäßig eines Priesters im Gebet annehme.

Das habe bereits große Früchte in der Kirchengeschichte gebracht, betont Wundlechner. Wie in der Broschüre berichtet wird, hätten sich beispielsweise in dem kleinen italienischen Dorf Lu Monferrat Ende des neunzehnten Jahrhunderts alle Mütter des Ortes zusammengetan, um regelmäßig vor dem Allerheiligsten für Priester und Berufungen zu beten. Jahrzehnte später sei Bilanz gezogen worden und verwundert hätten die Mütter festgestellt, dass über dreihundert Berufungen aus ihrem 1000-Seelen-Dorf hervorgegangen waren.

Das Priesterjahr birgt also zwei große Chancen: Zum einen können Gläubige erkennen, wie mächtig das Gebet ist. Und zum anderen kann sich auch jeder Priester durch die neue sichtbare Gebetsunterstützung wieder selbst erkennen und mit dem heiligen Pfarrer von Ars ausrufen: “Oh, wie groß ist der Priester!”

Fotos: Inge Hagn (1), kath.net (1), Archiv (2)

Alle in der Medienbox vorgestellen Beiträge können Sie bei uns als DVD beziehungsweise Hör-CD unentgeltlich bestellen.

Medien-Tipp: Film “Der heilige Pfarrer von Ars”

Der Film von Michael M. Wimmer und Heidemarie Seblatnig folgt den Spuren des heiligen Pfarrers in seinem Geburtsort Dardilly und in seiner Wirkungsstätte Ars-sur-Formans. Das Leben des Heiligen bestand aus Gebet, Demut, Buße, Armut, Selbstverleugnung und war so beeindruckend, dass die Pilger in Scharen nach Ars kamen. Er ist einer der größten Heiligen der Kirche und wurde 1929 zum Patron aller Pfarrer ernannt.

Papst Benedikt XVI. wird ihn im Rahmen des Jubeljahres beim Welttreffen der Priester auf dem Petersplatz am 19. Juni 2010 als “Schutzpatron aller Priester” ausrufen. Er hat bei der Ausrufung des Priesterjahres die Vorbildhaftigkeit des Heiligen Pfarrers von Ars für alle Priester betont.

Sie können den 26-minütigen Film unter folgender Adresse bestellen: ars.film@yahoo.com

3.Aug 2009 07:11 · aktualisiert: 12.Jul 2014 19:08
KIN / S. Stein