Zum Gedenktag des heiligen Augustinus

Nur noch wenige christliche Spuren

Blick in die Kirchengeschichte in der Heimat des großen Kirchenlehrers – Von Prof. Dr. Rudolf Grulich

Kirchenfenster mit der Darstellung des heiligen Augustinus.

Kirchenfenster mit der Darstellung des heiligen Augustinus.

Heute sind die nordafrikanischen Staaten Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien mehrheitlich muslimische Länder. Doch einst beherbergte diese Region blühende christliche Gemeinden, denn das Christentum war dort schon früh verbreitet.

Während Ägypten bei der Reichsteilung durch Kaiser Theodosius im Jahr 395 zum Oströmischen Reich kam, war das übrige Nordafrika Teil des Weströmischen Reiches. Große Heilige, deren Namen noch heute bekannt sind, stammen aus dieser Region: Cyprian, Perpetua, Felicitas, Tertullian und Augustinus.

Letzterer wurde 354 in Thagaste in Numidien, dem heutigen Souk Ahras in Algerien, geboren. Sein Vater verehrte die römischen Gottheiten, während seine Mutter Christin war. Allerdings hielt Augustinus nicht viel von ihrer Religion, was sich später ändern sollte. Nach seinem Rhetorik-Studium in Karthago, heute ein Vorort von Tunis (Tunesien), lehrte er dieses Fach in seiner Heimatstadt und später in Rom und Mailand.

Geistiger Führer der abendländischen Kirche

Vor allem die Predigten des Mailänder Erzbischofs Ambrosius und eine Biografie des Mönchsvaters Antonius beeindruckten ihn so sehr, dass Augustinus sich bekehrte und im Jahr 387 taufen ließ, vier Jahre später wurde er zum Priester geweiht. 395 wurde er Bischof von Hippo Regius. Dort starb er am 28. August 430.

Er war zeitlebens ein begeisternder Prediger, bekämpfte alle abweichenden Lehren, hatte großen Einfluss und wurde zu einem geistigen Führer der abendländischen Kirche. Heute gilt er als einer der größten Theologen der Kirchengeschichte.

Ruinen der ehemaligen Stadt Karthago, im Hintergrund die tunesische Hauptstadt Tunis.

Ruinen der ehemaligen Stadt Karthago, im Hintergrund die tunesische Hauptstadt Tunis.

Zu seiner Zeit musste Augustinus sich unter anderem mit der Bewegung des Arianismus auseinandersetzen. Nach arianischer Lehre ist Jesus Christus nicht wesensgleich mit Gott, aber dessen vornehmstes Geschöpf. Dieser Streit wurde auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381beendet, indem das Glaubensbekenntnis festgelegt wurde: Jesus ist als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt und damit aus dem Wesen des Vaters.

Im 5. und 6. Jahrhundert, unmittelbar nach dem Tod Augustinus’, litt die Kirche in Nordafrika, als die Vandalen ihr Reich dort errichteten. Sie waren Arianer, während die einheimische Kirche Rom die Treue hielt. Als im Jahre 534 Kaiser Justinian das Römische Reich wiederherstellen wollte, eroberte er das Vandalenreich und gliederte es, wie das bis dahin von den Ostgoten beherrschte Italien, in sein Territorium ein.

Araber drangen bis nach Spanien vor

Aber schon ein gutes Jahrhundert später überrannten die Araber Nordafrika, die später sogar bis nach Spanien kamen. In der Heimat von Augustinus ging das Christentum unter. Nur die Titularbistümer katholischer Weihbischöfe erinnern heute noch an die vielen Bischofskirchen in Nordafrika.

Im Mittelalter und in der Neuzeit waren es Zehntausende von Christensklaven, die in Tunis und Algier das Christentum repräsentierten. Erst die Kolonialmächte Frankreich, Spanien und Italien bauten wieder Kirchen für ihre Siedler in Algerien, Tunesien, Marokko und Libyen.

Alphonse Georger, Bischof der Diözese Oran.

Alphonse Georger, Bischof der Diözese Oran.

Mit dem Rückzug der Kolonialherren, mit der Auswanderung, Umsiedlung und oft Vertreibung der angesiedelten Europäer sank die Zahl der Christen sehr stark. So lebten in Algerien bis zum Ende der französischen Herrschaft unter knapp zehn Millionen Einwohnern 1,5 Millionen Christen, größtenteils Katholiken.

Heute sind es bei inzwischen dreißig Millionen Einwohnern nur noch 5000 Katholiken. Nicht ganz so deutlich ist der Rückgang der Christen in Marokko, Tunis und Libyen.

Rom als Haupt der Weltkirche hatte aber auch vor dem Vordringen der europäischen Kolonialmächte die Länder Nordafrikas nie vergessen. Das zeigen die marokkanischen Märtyrer aus der Zeit, als Franz von Assisi die ersten Brüder in die Mission schickte. Das zeigt aber auch die Errichtung einer Apostolischen Präfektur 1624 in Tunis, die 1843 zum Apostolischen Vikariat erhoben wurde.

Um 1630 begannen die Franziskaner mit der Missionsarbeit in Libyen, vor allem unter Ausländern und Christensklaven. Das gleiche geschah in den Hafenstädten Algeriens und in Marokko. Algier wurde 1838 Bistum und 1866 Metropolitansitz mit den Suffraganbistümern Oran und Constantine.

Heutige Erzbistümer

In Tunesien wurde vor 125 Jahren eine Erzdiözese mit dem Titel von Karthago errichtet, die heute das Bistum Tunis ist. In Marokko gab es seit 1630 eine Apostolische Präfektur und seit 1908 ein Apostolisches Vikariat. 1956 wurde es zum Erzbistum Tanger erhoben. Rabat, die Hauptstadt Marokkos, ist seit 1955 Sitz eines Erzbischofs.

Ein Baedeker-Reiseführer “Mittelmeer” von 1934 verzeichnet auf den Stadtplänen noch Kathedralen und christliche Friedhöfe, Klöster und christliche Krankenhäuser. Heute muss man diese allerdings in den Ländern Nordafrikas suchen.

 

Schlagworte:
Algerien · Augustinus · Heilige · Islam · Libyen · Marokko · Tunesien
27.Aug 2009 11:52 · aktualisiert: 29.Aug 2016 08:07
KIN / S. Stein