Ein wahrer Freund der Türken

Vor zehn Jahren wurde Papst Johannes XXIII. seliggesprochen

Gemälde von Papst Johannes XXIII. in der Heilig-Geist-Kathedrale in Istanbul.

Gemälde von Papst Johannes XXIII. in der Heilig-Geist-Kathedrale in Istanbul.

Am 3. September jährte sich die Seligsprechung von Papst Johannes XXIII. zum zehnten Mal. Er war ein populärer Pontifex, an den die Zeitgenossen auch heute noch gerne zurückdenken.

Angelo Giuseppe Roncalli, so der bürgerliche Name von Papst Johannes XXIII., wurde am 25. November 1881 in Sotto il Monte in der Nähe von Bergamo (Norditalien) geboren. Im Jahr 1904 empfing er die Priesterweihe. Während des Ersten Weltkriegs war er als Sanitätssoldat und Militärseelsorger tätig, danach war er Jugend- und Studentenpfarrer.

1921 wurde er von Papst Benedikt XV. nach Rom versetzt und zum Präsidenten des Zentralrats des Päpstlichen Missionswerks in Italien ernannt. Danach war er unter anderem als Apostolischer Visitator in Bulgarien tätig.

Ende 1934 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Apostolischen Legaten für die Türkei und Griechenland nach Istanbul. Im Januar 1935 kam Angelo Roncalli erstmals an den Bosporus, wo er bis 1945 bleiben sollte. “Er war ein wahrer Freund der Türken, die er liebte und schätzte”, erklärte ein halbes Jahrhundert später der türkische Außenminister Ihsan Sabri Caglayangil anlässlich einer Roncalli-Woche, die 50 Jahre nach Ankunft des späteren Papstes in der Türkei veranstaltet wurde.

Schon 1936 sagte Roncalli: “Ich fühle eine tiefe Zuneigung für dieses Volk, zu dem mich der Herr gesandt hat.” Während seiner Exerzitien 1939 schrieb er: “Ich liebe die Türken.” Auch als Papst, zu dem er 1958 gewählt wurde, behielt er diese Haltung bei, die von der türkischen Regierung erwidert wurde. Seine Schreiben an das Apostolische Vikariat in Istanbul endeten mit guten Wünschen für das türkische Volk.

Blick auf Istanbul mit den berühmten Wahrzeichen Hagia Sophia und Blaue Moschee.

Blick auf Istanbul mit den berühmten Wahrzeichen Hagia Sophia und Blaue Moschee.

Präsident Celal Bayar besuchte Papst Johannes XXIII. am 11. Juni 1959. Im Jahr 1960 sollten zur Erinnerung an den 25. Jahrestag seiner Ankunft in der Türkei Gedenkveranstaltungen zu seinen Ehren stattfinden, doch herrschte in Istanbul der Ausnahmezustand. General Refik Tulga erlaubte als Gouverneur von Istanbul dennoch die Feiern und beendete seine Grußadresse mit den Worten: “Papst Roncalli ist der erste türkische Papst in der Geschichte.”

Bei einer weiteren Roncalli-Woche 1986 würdigte ihn auch die jüdische Gemeinde in Istanbul wegen seiner Hilfe in der Zeit der Nationalsozialisten, als zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Ungarn und Rumänien über Bulgarien in die Türkei kamen. Franz von Papen sagte beim Nürnberger Prozess aus, dass Roncalli 24 000 Juden gerettet habe. Der Ökumenische Patriarch Athenagoras wandte auf ihn die Worte des Evangeliums an: “Es kam ein Mann von Gott gesandt. Sein Name war Johannes.”

Statue von Papst Johannes XXIII. vor der Antonius-Kirche in Istanbul.

Statue von Papst Johannes XXIII. vor der Antonius-Kirche in Istanbul.

Nach seiner Seligsprechung am 3. September 2000 veranstalteten die türkischen Behörden vom 8. bis 10. Dezember eine Reihe von Feiern zu Ehren von Papst Johannes XXIII., die mit der Namensgebung der Ölcek-Straße in Papa-Roncalli-Straße ihren Höhepunkt fanden.

Kultusminister Istemihan Talay schrieb damals in einem Buch von Rinaldo Marmara, welches die türkische Regierung in verschiedenen Sprachen verbreitete: “Das türkische Volk, das einen Sinn für Freundschaft hat, wird Roncalli niemals vergessen.”

Papst Johannes XXIII. starb am 3. Juni 1963, nur wenige Monate nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils, das er initiierte. Sein Leichnam ruht in einem gläsernen Sarg im Petersdom.

Bis heute denken viele Katholiken an den beliebten Pontifex zurück, der im Voksmund “der gute Papst” genannt wurde.

Auch in Deutschland sind Straßen und Plätze nach dem bürgerlichen Namen des Papstes benannt worden. Der bekannteste ist der Roncalliplatz vor dem Südportal des Kölner Doms. In den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts feierte Angelo Roncalli in der Kathedrale einen Gottesdienst. In Ibbenbüren bei Osnabrück trägt sogar eine Schule seinen Namen.

2.Sep 2010 13:07 · aktualisiert: 8.Nov 2013 09:47
KIN / S. Stein