“Erheb Dich, Christus, steh uns bei!”

Über die deutschen Märtyrer auf der koreanischen Halbinsel

Die koreanische Ausgabe unserer Kinderbibel.

Die koreanische Ausgabe unserer Kinderbibel.

Heute erinnern sich nicht mehr viele Menschen an den Koreakrieg. Er brach im Juni 1950 aus und endete drei Jahre später mit der bis heute bestehenden Teilung des Landes.

Seit 1949 gab es eine Christenverfolgung und ging im kommunistischen Nordkorea auch die blühende Abtei Tokwon zugrunde, wo die deutschen Missionsbenediktiner von St. Ottilien lange tätig waren.

Bereits 1949 besetzte die Kommunistische Geheimpolizei das Kloster und führte zunächst die Oberen, später den gesamten Konvent ins Gefängnis ab, etwa 50 Patres und Brüder sowie 20 Tutzinger Schwestern. Die ersten Opfer starben kurz danach an Hunger und Folterung in Pjöngjang, die Überlebenden wurden zum Teil in verschiedene andere Gefängnisse gebracht.

Nur 42 Gefangene kamen im November 1953 frei und wurden Anfang 1954 nach Südkorea abgeschoben, wo es heute in Waegwan einen neuen missionarischen Stützpunkt der Benediktiner unter einem einheimischen Abt gibt. 19 Angehörige des Ordens starben als Märtyrer, die weiteren sind bis heute vermisst, ohne dass ihr Schicksal bekannt wäre.

Auch der Abtbischof Bonifatius Sauer war unter den Opfern. Er kam 1877 im oberhessischen Oberufhausen zur Welt und trat 1899 in des Kloster St. Ottilien ein. Als die Missionsbenediktiner von St. Ottilien in Korea ein erstes Kloster gründeten, war Pater Bonifatius dabei. Das Kloster in Seoul wurde schon 1913 Abtei und Bonifatius der erste Abt.

Pater Werenfried van Straaten in einem Flüchtlingscamp in Seoul / Südkorea.

Pater Werenfried van Straaten in einem Flüchtlingscamp in Seoul / Südkorea.

Nach dem Ersten Weltkrieg übertrug man den Benediktinern das Apostolische Vikariat Wonsan. Abt Bonifatius verlegte das Kloster von Seoul nach Tokwon, wo auch ein regionales Priesterseminar entstand. Hier wurde das Neue Testament ins Koreanische übersetzt und auf liturgischem Gebiet viel geleistet, ehe nach dem Zweiten Weltkrieg der Leidensweg begann, der am 7. Februar 1950 mit dem Tode des Abtbischofs endete.

Im Gefängnis Oksadok starb am 14. Februar 1950 auch Bruder Basilius Pollok, im April Bruder Paschalis Fangauer. In Pjöngjang kamen damals Pater Rupert Klinkeis und Pater Dagobert Enk, zwei gebürtige Münchner, ums Leben, außerdem die Patres Dr. Lucius Roth, der Lektor am Priesterseminar gewesen war, und weitere Mitbrüder.

Sie sind heute alle in dem Werk “Zeugen für Christus” gewürdigt, das Prälat Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz 1999 als “Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts” herausgab. Kürzlich erschienen die beiden Bände bereits in der fünften Auflage.

Gedichte aus der Zeit der Haft und Zwangsarbeit

Ein heute ebenfalls oft vergessenes literarisches Zeugnis sind die Lieder aus der Verbannung in Korea mit dem Titel “Seele du in Sturm und Nacht”. Es wurde 1954 in St. Ottilien gedruckt, als die Überlebenden nach vierjähriger Haft heimkamen. Es sind Situationsgedichte aus der Haft und den Jahren der Zwangsarbeit, die von den inhaftierten Benediktinern geschrieben und auswendig gelernt wurden und so die schreckliche Zeit überdauerten.

Sie entstanden zum Leid des Alltags, aber auch zum Psalmengebet, wie das “Exsurge Christe”, wo es heißt: “Erheb Dich, Christus, steh uns bei. Um Deines Namens willen mach uns frei! Denn sieh, Dein Weinberg, den wir bauten, und dessen Früchte wir kaum schauten, die Kelter, die wir zugerüstet – Dein Eigentum, es liegt verwüstet.”

Auch im kommunistischen Lager feierte man damals heimlich Eucharistie. Aus Weizen des Saatguts buken die Gefangenen Hostien, wilde Reben sicherten den Messwein. Aus Gefängnislöchern und Kerkern erklangen Psalmen: “Advent ist! Dunkelster Advent, Advent der Weltgeschichte! O Schlüssel Davids, Christus komm, komm, führe uns zum Lichte.”

Ein Beitrag von Prof. Dr. Rudolf Grulich

9.Sep 2010 12:01 · aktualisiert: 9.Sep 2014 08:51
KIN / S. Stein