“Du littest wie dein Sohn”

Fest zum Gedächtnis der “Sieben Schmerzen Mariens” am 15. September

Pieta in einer Kirche in München.

Pieta in der Kirche St. Margaret in München-Sendling.

Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hat die Kirche zweimal im Kirchenjahr der Schmerzen Mariens gedacht: am Freitag vor Palmsonntag und am 15. September. Doch nur letzterer Termin ist geblieben.

Die über Jahrhunderte begangene doppelte Feier zeigt, wie verwurzelt die Andacht zu den sieben Schmerzen Mariens und zur Schmerzhaften Muttergottes bei den Gläubigen war.

Maria gilt ihnen nicht nur als Himmelskönigin und als glorreiche Herrscherin, sondern auch als Mutter, die wie viele Mütter leidet. Nach dem Zweiten Weltkrieg mit Millionen gefallenen Söhnen und hunderttausenden Zivilisten, die bei der Vertreibung ums Leben kamen, war das noch verständlicher als heute.

Schon die Kirchenväter, wie der heilige Hieronymus oder der heilige Augustinus, sprachen von “der Mutter der Schmerzen”. Der heilige Bernhard von Clairvaux fragt Maria: “Wo standest du? Unter dem Kreuz? Nein, du littest wie dein Sohn, nur mit dem Unterschied, dass bei ihm die Wunden über den Körper verteilt waren, bei dir aber im Herzen gebündelt”.

Im Hymnus “Stabat Mater” heißt es:
Durch die Seele voller Trauer,
schneidend unter Todesschauer,
ihr das Schwert des Leidens ging …

In dieser Zeit des Mittelalters entsteht aus tiefer Frömmigkeit das “Vesperbild”, die Marienklage, die Darstellung Mariens mit dem toten Sohn auf dem Schoß. Die älteste Statue ist das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild im Kloster Marienthal im Rheingau, eine der bekanntesten Darstellungen die Pieta von Michelangelo im Petersdom in Rom.

In der Not der Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch 1947 die Ostpriesterhilfe Pater Werenfried van Straatens entstand, haben sich viele katholische Vertriebene an etwa dreißig Orten zu Wallfahrten zur Schmerzhaften Muttergottes eingefunden. An vielen dieser Pilgerorte hat auch Pater Werenfried van Straaten gepredigt.

Zwei Geistliche, denen die Seelsorge der Vertriebenen wichtig war: Prälat Adolf Kindermann und Pater Werenfried van Straaten.

Zwei Geistliche, denen die Seelsorge der Vertriebenen wichtig war: Prälat Adolf Kindermann und Pater Werenfried van Straaten.

Oft fanden die Heimatvertriebenen dort Gnadenbilder, die sie an die alte Heimat erinnerten; in anderen Kirchen haben erst wieder die Vertriebenen 400 Jahre nach der Reformation eine neue Wallfahrtstradition begonnen. Zu vielen Orten der Schmerzhaften Muttergottes pilgern auch heute noch zahlreiche Heimatvertriebene. Neben Dieburg bei Darmstadt auch nach Maria Einsiedel im hessischen Ried, zur Liebfrauenheide bei Hanau oder nach Telgte bei Münster.

Wenn wir einen Blick über die Grenzen werfen, so finden wir in Österreich im Bistum St. Pölten in Maria Dreieichen besonders viele Südmährer als Pilgernde. Früher haben auch die sudetendeutschen Pilgernden auf dem Weg aus der alten Heimat nach Mariazell in Dreieichen Station gemacht. Am 19. September 1948 fand hier die erste große Wallfahrt der Südmährer in der Vertreibung statt. Später nahm mehrfach Pater Werenfried teil und predigte vor Tausenden von Pilgern.

Pieta in der St.-Franziskus-Kirche in München.

Pieta in der St.-Franziskus-Kirche in München-Giesing.

Auch Maria-Lanzendorf in der Erzdiözese Wien zog Donauschwaben und Sudetendeutsche an. Sie erinnerten sich dabei an die Gnadenorte der alten Heimat, an die bewegende Legende vom Gutwasserkirchlein bei Oberplan.

Sie dachten daran, wie sie in Komotau ihre Sorgen vor das Gnadenbild in der Marienkapelle getragen hatten und berichteten den Nachkommen vom Gnadenbild von Maria Ratschitz im Brüx-Duxer-Kohlenrevier. In der Reformationszeit nannte man diese Gegend “Marienwinkel” und die Einwohner “Marienbauern”.

Die Mutter Jesu wurde auch in Mariathal bei Pressburg (Bratislava) von Deutschen, Slowaken und Ungarn verehrt, wo schon kurz nach der ersten Jahrtausendwende ein Gefährte des heiligen Gerhards noch in der Regierungszeit des heiligen Königs Stefan von Ungarn das Gnadenbild geschnitzt haben soll. Mariathal heißt heute Marianka und ist der älteste Marienwallfahrtsort der Slowakei. Ein weiteres bedeutendes Nationalheiligtum des Landes ist Maria Schoßberg.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Rudolf Grulich.

Nichts ist schlimmer, als sich gleichgültig von Jesus abzuwenden, der in seiner Kirche leidet. Und nichts ist wertvoller, als den verlassenen Jesus in seinen leidenden Brüdern zu trösten. (Pater Werenfried van Straaten)

13.Sep 2010 13:06 · aktualisiert: 15.Sep 2014 09:26
KIN / S. Stein