Ein Diener der Armen

Porträt des heiligen Vinzenz von Paul (Foto: Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, München).

Porträt des heiligen Vinzenz von Paul (Foto: Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, München).

Er gilt als Begründer einer neuzeitlichen Caritas. Der heilige Vinzenz von Paul sah die Not seiner Mitmenschen und versuchte sie durch sein Engagement zu lindern.

Ob Jung oder Alt, Arm oder Reich, Freie oder Gefange – er organisierte Hilfe und Unterstützung und wurde so zu einem christlichen Vorbild. Am 27. September 1660, starb Vinzenz von Paul in Paris.

Im Frühjahr 1581 kam er in der kleinen Gemeinde Pouy in der Gascogne, etwa 130 Kilometer südlich von Bordeaux, zur Welt. Seit 1828 trägt das Dorf sogar den Namen des Heiligen.

Im nahegelegenen Dax und in Toulouse studierte er Theologie. Noch vor Ende seines Studiums wurde er im Alter von 19 Jahren in Toulouse zum Priester geweiht.

Er entstammte einer Bauernfamilie und war auch nach seiner Weihe nicht reich. Manche Quellen berichten, dass der junge Priester von Seeräubern gefangen und als Sklave nach Tunesien verkauft wurde. In der heutigen Hauptstadt Tunis ist die römisch-katholische Kathedrale nach dem heiligen Vincenz benannt.

Bereits nach wenigen Jahren konnte er wieder nach Frankreich fliehen und reiste 1608 nach Paris. Hier begegnete er den Ärmsten und Ausgestoßenen der Gesellschaft, deren Unterstützung zu seiner Lebensaufgabe werden sollte. Erst 1612, also zwölf Jahre nach seiner Priesterweihe, trat er seine erste Pfarrerstelle in Clichy (heute Clichy-le-Garenne, einem Stadtteil von Paris) an.

Später war er Hauskaplan und Hauslehrer bei adligen Familien. Mit ihnen reiste er auch zu deren Landgütern und sah die materielle und seelsorgliche Not der Bevölkerung auf dem Land. 1617 wurde er Pfarrer in Chatillon-les-Dombes (heute Chatillon-sur-Chalaronne), 40 km nordöstlich von Lyon. Hier gründete er die “Bruderschaft der Damen der Nächstenliebe”, einer karitativen Frauenvereinigung, die sich um arme und kranke Menschen kümmert. In der Stadt erinnert noch heute ein Denkmal an den heiligen Vinzenz von Paul.

In Brasilien: Eine Vinzentinerin kümmert sich um pflegebedürftige Männer.

In Brasilien: Eine Vinzentinerin kümmert sich um pflegebedürftige Männer.

Er gründete Priesterseminare und weitere karitative Vereinigungen, wie zum Beispiel 1621 die “Diener der Armen”, eine Laiengemeinschaft für Männer, oder 1625 die “Kongregation der Mission”. Letztere nennen sich heute auch Lazaristen, weil sie nahe der Pariser Kirche St. Lazare gegründet wurden, später nannten sie sich nach ihrem Gründer auch Vinzentiner.

Zusammen mit Louise de Marillac, einer Mitarbeiterin von Vinzenz, gründete er 1633 die Gemeinschaft der “Töchter der Nächstenliebe”. Das besondere war, dass erstmals in der Kirchengeschichte eine religiöse Gemeinschaft auch außerhalb von Klostermauern wirkte. In den folgenden Jahren gründeten sie Waisenhäuser und kümmerten sich um die Versorgung von alten und kranken Menschen. In Paris und anderen Teilen Frankreichs richteten sie Volksküchen und Lazarette ein.

Schutzpatron der Waisen- und Krankenhäuser

Die Vinzentinerinnen sind heute die größte Frauengemeinschaft der katholischen Kirche. Auch die von Mutter Teresa gegründeten “Missionarinnen der Nächstenliebe” orientieren sich an den Regeln der Vinzentinerinnen.

Am 27. September 1660 starb Vinzenz von Paul in Paris. Im August 1729 wurde er durch Papst Benedikt XIII. seliggesprochen, acht Jahre später erfolgte die Heiligsprechung. Bis heute berufen sich Gemeinschaften auf Vinzenz von Paul. Da er sich für die Bedürftigen zeitlebens eingesetzt hat, ist er auch deren Schutzpatron sowie von Einrichtungen für Waise, Kranke und Gefangene.

KIRCHE IN NOT unterstützt weltweit die wertvolle Arbeit der Vinzentinerinnen und Vinzentiner. Die Ordensfrauen und -männer kümmern sich wie ihr Gründer um die Bedürftigen und Ausgestoßenen der Gesellschaft und führen so das Erbe und die Idee des heiligen Vinzenz von Paul weiter.

23.Sep 2010 12:15 · aktualisiert: 14.Apr 2015 13:13
KIN / S. Stein