Auf den Spuren der Slawenapostel

Wallfahrt von KIRCHE IN NOT in die Slowakei und nach Mähren

Die Wallfahrtskirche Maria Schoßberg in der Slowakei.

Die Wallfahrtskirche Maria Schoßberg in der Slowakei.

Im Oktober veranstaltete unser Hilfswerk in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien eine Wallfahrt in die Slowakei und nach Mähren.

Auf dem Programm standen unter anderem Besuche mehrerer Wallfahrtsorte, die man hierzulande kaum kennt. Dabei kann die Slowakei auf eine lange Kirchengeschichte zurückblicken. Schon die Slawenapostel Cyrill und Method waren hier tätig.

Mit der Ernennung Cyrills und Methods zu Mitpatronen Europas hat Papst Johannes Paul II. schon 1980 darauf hingeweisen, dass die Slawen und andere Völker des Ostens die Grundlagen Europas mitgeschaffen haben. Er hatte außer seiner polnischen Heimat auch die Tschechische Republik, Kroatien, Bosnien, Slowenien und die Slowakei während seines Pontifikats besucht.

Unmittelbar nach der politischen Wende in Europa besuchte er 1990 die Tschechoslowakei. Von Prag aus fuhr Johannes Paul II. zunächst ins mährische Velehrad, wo die Tradition und die Erinnerung an Cyrill und Method stets lebendig geblieben war. Mit seinem Besuch in der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Preßburg) verdeutlichte er, dass auch und gerade die kleinen Völker Osteuropas ihre Bedeutung haben.

Fünf Jahre später reiste der Papst in das ostslowakische Košice (Kaschau), um die drei Kaschauer Märtyrer heiligzusprechen. Es handelt sich dabei um drei Priester aus Polen, Kroatien und Siebenbürgen, die 1620 wegen ihres katholischen Glaubens ihr Leben hingegeben hatten. Auch 2003 wollte er durch zwei Seligsprechungen zeigen, dass alle Völker Zeugen für Christus stellten.

Dom von Neutra (Nitra).

Dom von Neutra (Nitra).

Erst 1978 erhielt die Slowakei eine eigene Kirchenprovinz. Am 10. Januar hatte Papst Paul VI. eine slowakische Kirchenprovinz errichtet, dessen neuem Metropolitansitz Trnava (Tyrnau) die fünf Diözesen Nitra (Neutra), Banska Bistrica (Neusohl), Spiš (Zips), Roznava (Rosenau) und Košice unterstellt waren. Die unierte Diözese Prešov (Preschau) unterstand direkt dem Heiligen Stuhl.

Bis zur Entstehung der Tschechoslowakei 1918 gehörte die Slowakei unter dem Namen Oberungarn zum Reich der ungarischen Stephanskrone. Die Bistümer auf slowakischen Gebiet unterstanden den beiden ungarischen Metropolitansitzen Eger (Erlau) und Esztergom (Gran).

Keine klare Regelung von Diözesangrenzen

Erlau war die kirchliche Metropole für die Bistümer Kaschau, Rosenau und Zips. Gran, dem kirchlichen Mittelpunkt ganz Ungarns und Sitz des Primas, waren die Diözesen Neutra und Neusohl unterstellt, ferner die griechisch-katholische Eparchie Preschau. Auf seit 1918 tschechoslowakischem Gebiet befand sich auch ein beträchtlicher Teil der Erzdiözese Gran. Außerdem erstreckten sich Teile der nun in Rumänien liegenden Diözese Satu Mare (Sathmar) auf slowakisches Gebiet.

Wie in den anderen Gebieten kam es auch in der Slowakei nach 1918 zu keiner Regelung der Diözesangrenzen. Die Versuche der Prager Regierung bereits während der ersten Tschechoslowakischen Republik (1918-1939) eine eigene slowakische Kirchenprovinz zu schaffen, hatten keinen Erfolg.

Blick auf die St.-Nikolaus-Kirche in Trnava (Tyrnau).

Blick auf die St.-Nikolaus-Kirche in Trnava (Tyrnau).

1922 errichtete Rom in Tyrnau eine Apostolische Administratur für den slowakischen Anteil der Erzdiözese Gran. Die Teile des Bistums Sathmar auf slowakischem Gebiet wurden der vorläufigen Jurisdiktion von Kaschau unterstellt. 1937 erklärte der Vatikan die Diözesen in der Slowakei für exemt, da sich die Regierung in Budapest jeder anderen Regelung widersetzte.

Das Christentum in der Region reicht bis in die Zeit des Großmährischen Reiches und der Slawenapostel Cyrill und Method. Die erste Kirche in Neutra war sogar noch vor 828 von Passau aus begründet worden und war schon zur Zeit des heiligen Method ein Bischofssitz der fränkischen Reichskirche.

Nach den Ungarneinfällen erlosch Neutra als Bistum, wurde aber bereits von König Stephan I. 1024 wiedererrichtet. Die Bistümer Zips, Neusohl und Rosenau entstanden zur Zeit Maria Theresias 1776, das Bistum Kaschau 1804.

Kommunistische Verfolgung

Wie in Böhmen und Mähren wurde auch in der Slowakei die Kirche in kommunistischer Zeit unterdrückt – in gewissem Sinne sogar mehr als in Tschechien, da sich die Slowakei 1939 für selbstständig erklärt hatte und an der Spitze des Staates mit Monsignore Tiso bis 1945 ein katholischer Priester gestanden hatte. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Befehl von Eduard Beneš hingerichtet. Viele Slowaken verehren Tiso als Märtyrer.

Trotz der kommunistischen Verfolgung wirkten sich die Maßnahmen des Staates in der Slowakei nicht so drastisch aus wie in Tschechien, da die Bevölkerung eine tiefreligiöse Einstellung hatte und der Staat auf diese Haltung der Bewohner gelegentlich sogar Rücksicht nehmen musste. Dennoch kamen Bischöfe und Priester ins Gefängnis.

Burg oberhalb der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Preßburg).

Burg oberhalb der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Preßburg). Hier soll die heilige Elisabeth geboren worden sein.

Seit 1950 waren alle slowakischen Diözesen vom Kontakt mit der Mutterkirche in Rom abgeschnitten. Die Orden wurden aufgehoben, die griechisch-katholische Kirche aufgelöst beziehungsweise zur “Rückkehr” zur orthodoxen Kirche gezwungen. Es gab nur noch ein Seminar für die ganze Slowakei in Preßburg, über dessen Zugang und Eintritt der Staat die Kontrolle hatte. Jahre lang waren manche Diözesen nicht besetzt, da die Prager Regierung keine Zustimmung gab.

In der Zeit des Prager Frühlings war 1968 die griechisch-katholische Kirche wieder erlaubt worden. Fast alle gewaltsam zur Orthodoxie gezwungenen Pfarreien kehrten zu Rom zurück und bewiesen ihre Treue.

Die so genannte “Normalisierung” brachte erneut Schikanen, Diskriminierung und Unterdrückung der Kirche. Die “Atheisierung” der Bevölkerung wurde verstärkt betrieben, der Religionsunterricht behindert; die Parteipresse erklärte, dass Religion keine Privatsache sei und deshalb Gläubige als Lehrer in den Schulen untragbar seien.

Im Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Bratislava. Auf dem Bild sind Zeitungen zu sehen, die vor der Vertreibung der Karpatendeutschen in der Region erhältlich waren.

Im Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Bratislava. Auf dem Bild sind Zeitungen zu sehen, die vor der Vertreibung der Karpatendeutschen in der Region erhältlich waren.

Weil die Slowakei ein mehrheitlich katholisches Land war und ist, wird sie oft mit Polen oder Kroatien verglichen. Dennoch zeigt sie eine konfessionelle Vielfalt, die sich zum Teil auch in der nationalen Bevölkerungsstruktur spiegelt. Neben slowakischen Lutheranern gibt es auch viele Kalviner unter der ungarischen Minderheit, die knapp zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Die verbliebenen Deutschen sind im Karpatendeutschen Verein zusammengeschlossen. Der Hilfsbund der karpatendeutschen Katholiken in Stuttgart versucht ebenso wie die Landsmannschaft der Karpatendeutschen, diesen Deutschen zu helfen. Deutschstämmig war auch der slowakische Präsident Rudolf Schuster. Ein Drittel der nach 1945 vertriebenen 150 000 Karpatendeutschen war evangelisch.

Gruppenfoto der Reisegruppe am Berg Hostein.

Gruppenfoto der Reisegruppe am Berg Hostein.

Orthodoxe Christen gibt es vor allem unter der ukrainischen Minderheit, unter denen auch die griechisch-katholische Kirche vertreten ist. Viele Bewohner der Ostslowakei fühlen sich als Ruthenen. Fast völlig verschwunden sind die Juden.

Die ethnische Vielfalt im Osten des Landes ist erklärbar durch die Zugehörigkeit der Karpato-Ukraine nach 1918 zur Tschechoslowakei. Im Süden, wo viele Ungarn leben, kam es 1939 zu Grenzveränderungen mit Ungarn. Die heute in Prag noch verteidigten Beneš-Dekrete hatten nicht zur die Deutschen, sondern auch die Ungarn rechtlos gemacht.

Nach der Wende 1989

Die Samtene Revolution von 1989 brachte auch der Kirche die Freiheit und der Slowakei die Unabhängigkeit auf friedlichem Wege. Der Nachwuchs in den Priesterseminaren und in den Ordensnoviziaten ist im Vergleich mit anderen Ländern ungewöhnlich hoch.

Es sind wieder katholische Schulen entstanden, eine katholische Presse entstand. 1995 errichtete der Papst neben Bratislava-Trnava eine zweite Kirchenprovinz Kaschau. Daneben wurde ein uniertes griechisch-katholisches Exarchat Kaschau gegründet.

Ein Denkmal in Trnava (Tyrnau) erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Slowakei.

Ein Denkmal in Trnava (Tyrnau) erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Slowakei.

Der Papst hatte 2003 die Slowakei besucht. An der heiligen Messe in einer Satellitenstadt von Bratislava nahmen auch viele Österreicher teil.

Nach der Heiligsprechung 1995 in Kaschau hat Johannes Paul II. bei diesem Besuch zwei weitere Seligsprechungen vorgenommen: den unierten Bischof Vasil Hopko und die Kreuzschwester Cäcilia Schelling (Zdenka Schelingova).

Schwester Zdenka war von den Kommunisten inhaftiert worden und starb 1955 an den Folgen der erlittenen Folterungen.

Bischof Hopko wurde als Weihbischof der griechisch-katholischen Diözese Preschau 1950 inhaftiert und konnte nach seiner Freilassung seelsorgerlich nur im Untergrund tätig sein. Er erlebte die Wiederzulassung der unierten Kirche und starb 1974.

(aus: “Europassion” – Festschrift zum 60 Geburtstag von Rudolf Grulich)

In den kommenden Wochen werden wir Ihnen einige Wallfahrtsorte in der Slowakei und in Mähren auf unserer Internetseite vorstellen.

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

Schlagworte:
Bratislava · Kaschau · Kosice · Kyrill · Mähren · Method · Neutra · Nitra · Preschau · Presov · Pressburg · Slowakei · Trnava · Tyrnau
27.Okt 2010 13:09 · aktualisiert: 16.Jul 2015 10:52
KIN / S. Stein