Marienstatue mit Blitzen

Der Wallfahrtsort Hostein und seine wechselvolle Geschichte

Die Wallfahrtskirche von Hostein.

Die Wallfahrtskirche von Hostein.

Im Oktober veranstalteten wir in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien eine Wallfahrt in die Slowakei und nach Mähren. Auf dem Programm stand auch der Heilige Berg Hostein.

In Mähren gibt es zahlreiche Wallfahrtsorte. Neben Velehrad und dem Heiligen Berg bei Olmütz gibt es zum Beispiel noch Altwasser und Dub im gemischtsprachigen Gebiet der alten Markgrafschaft. Eine Sonderstellung hat der Heilige Berg Hostein, fünfzig Kilometer südöstlich von Olmütz und rund zwanzig Kilometer von Prerau entfernt. 1992 wurde die Wallfahrt 750 Jahre alt.

Als 1913 in Wien der Pfarrer im Ruhestand Alfred Hoppe sein neunhundert Seiten starkes Lebenswerk “Des Österreichers Wallfahrtsorte” in Druck gab, reihte er die Wallfahrtsorte nach der Zahl der ausgeteilten Kommunionen im Jahr auf.

Hostein zählte schon damals  zu den größten Wallfahrtsorten Österreichs. Vor ihm rangieren bei Hoppe in Böhmen nur der Heilige Berg bei Přibram und Philippsdorf. Hinter Hostein folgten bei ihm sogar der Muttergottesberg bei Grulich und andere bekannte Pilgerstätten.

Der Hostein war den deutschen und tschechischen Mährern ans Herz gewachsen, weil sie, wie alle katholischen Ostdeutschen und auch die Slawen, Maria besonders verehrten, aber auch, weil schon die heiligen Cyrill und Method auf dem Berg das Kreuz Christi anstelle eines heidnischen Bergheiligtums aufstellten. Der heilige Method selbst soll in der Krone einer mächtigen Linde die erste Muttergottes-Ikone zur Verehrung angebracht haben, die dann bald in einer von ihm errichteten Kapelle ihren Platz fand.

Blick in die Rotunde der Basilika von Hostein.

Blick in die Rotunde der Basilika von Hostein.

Im Mähren der Nachkriegszeit, vor dem die Kirchenverfolgung der kommunistischen Machthaber nicht halt gemacht hatte, waren die alten Pilgerströme schwächer geworden. Aber immer noch zogen die Wallfahrer in fünfstündigem Marsch von Prerau hierher oder von der Bahnstation Bystritz, von wo aus sie in nur einer Stunde den so genannten Heiligen Brunnen erreichten. Von ihm führen 262 Stufen zur Kirche empor.

Seit 1887 hatten vier Jesuiten die Wallfahrt betreut. 1913 zählt Hoppe 600 Messen auswärtiger Priester im Jahr, 300 Prozessionen kamen damals auf den Berg, insgesamt 200 000 Wallfahrer. Im Jahr 1241 belagerten die Mongolen den Berg Hostein. Damals hatten deutsche und polnische Ritter bei Liegnitz den Eroberungsvorstoß der Nachfahren Dschingis Khans gestoppt. Die Tartaren fielen daraufhin in Mähren ein, standen vor Olmütz und hatten ein Heer auf dem Berg eingeschlossen.

Während in Olmütz Jaroslav von Sternberg mit 12 000 böhmischen und mährischen Rittern einer gewaltigen mongolischen Übermacht trotzte, quälte die Verteidiger auf dem Hostein hinter ihren aufgeworfenen Erdwällen und Verhauen der Durst, da damals im Juni eine lange Dürre herrschte. Der Reiterführer Vneslav fiel im Kampf. Andere rieten bereits zur Übergabe, als dann in einem gewaltigen Unwetter die Verteidiger vom Himmel Wasser erhielten, die Zeltstadt der Tataren aber durch Blitz und Sturm zerstört wurde.

Orientierungsplan am Hostein. In der Bildmitte ist der Verlauf der 262 Stufen vom Brunnen zur Kirche zu sehen.

Orientierungsplan am Hostein. In der Bildmitte ist der Verlauf der 262 Stufen vom Brunnen zur Kirche zu sehen.

Das dankbare Volk vergrößerte daraufhin die Kirche. Ein Votivbild wurde gestiftet, das die Helferin der Christen zeigte, die als Schutzmantelmadonna das mährische Land behütet. Fast 400 Jahre pilgerten fromme Mährer hierher, bis 1620 der damalige Herr von Bystritz, Wenzel Ritter von Bitowsky, Kirche und Votivbild zerstören ließ. Es war der gleiche Wenzel, der auch den heiligen Johannes Sarkander in Olmütz zum Tode verurteilte.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden wieder neue Kapellen errichtet: an der heiligen Quelle und auf dem Berg. 1721 begann man dann mit einem großen Bau, der 1748 feierlich eingeweiht wurde. Doch schon 1787 verbot Kaiser Josef II. die Wallfahrten und bestimmte in einem Dekret, dass die Kirche überflüssig und deshalb abzutragen sei.

Gruppenfoto der Reisegruppe am Berg Hostein.

Gruppenfoto der Pilgergruppe am Berg Hostein.

Das Gnadenbild übertrug man in die Pfarrkirche nach Bystritz, das Dach der Kirche wurde abgerissen, um Regen und Schnee dem Zerstörungswerk zu überlassen. In den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts erhielten aber die Gläubigen, die weiter zum Hostein pilgerten, die Erlaubnis zur Wiederherstellung des Heiligtums.

Am 2. Juli 1845 wurde im Beisein von 50 000 Pilgern die Kirche neu eingeweiht. Der eigenartige Rundbau ist von einer Kuppel überdeckt, die von zwei Türmen kaum überragt wird. Rechts und links des einfachen Säulen-Hochaltars sind Cyrill und Method, die Landespatrone Mährens, die am 30. Dezember 1980 der slawische Papst Johannes Paul II. auch zu Patronen ganz Europas erhoben hat.

Marienfigur mit Jesuskind, von der aus Blitze ausgehen.

Marienfigur mit Jesuskind, von der aus Blitze ausgehen.

Auf dem Hochaltar thront die siegreiche Jungfrau vom heiligen Hostein: eine überlebensgroße Statue, den Mond zu Füßen, den Jesusknaben im Arm, von dem die Blitze ausgehen, die sich gegen die Tataren richten.

Die Kirche steht nicht auf dem höchsten Punkt des Berges. Dorthin führt ein Kreuzweg, an dessen 14. Station man am Fuß eines Aussichtsturmes beten kann. Zahlreiche Kapellen schmücken außer der Kirche diesen Berg.

Die Jesuiten mussten 1950 den Berg verlassen. Ihr Orden war ebenso wie die anderen Ordensgemeinschaften und Kongregationen seit 1950 in der Tschechoslowakei verboten. Nach dem kurzen Prager Frühling von 1968, als die Wallfahrten wieder zunahmen, herrschte auch in Mähren bis 1989 das eisige Klima der Kirchenunterdrückung.

Aber immer pilgerten Gläubige zur Blitze schleudernden Himmelskönigin und Schutzpatronin im Strahlenglanz. Viele beteten in der überkuppelten Rundkirche das alte Gebet, das auch auf der großen Hauptbordüre des Kuppelgesimses steht: “Sei gegrüßt, du siegreiche Schutzfrau Mährens, bleib auch ferner Mutter deines Volkes.”

In der wiedergewonnenen Freiheit für die Kirche Mährens hat auch der heilige Berg Hostein wieder seine Bedeutung gewonnen. Immer mehr Pilger kommen hierher. Der 1991 verstorbene Metropolit von Mähren und Erzbischof von Olmütz, Frantisek Vanak, wollte hier auch begraben werden.

Ein Beitrag von Rudolf Grulich

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

24.Nov 2010 11:33 · aktualisiert: 14.Apr 2015 15:49
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