Mehr als Kilian, Kolonat und Totnan

Kirchenhistoriker Prof. Dr. Rudolf Grulich über Würzburg und seine Heiligen

Prof. Dr. Rudolf Grulich.

Würzburg stand 2011 ganz im Zeichen der Seligsprechung von Pfarrer Georg Häfner, der am 15. Mai im Kiliansdom als Märtyrer zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Der 1900 geborene Würzburger wurde 1924 zum Priester geweiht und war Pfarrer in Oberschwarzach. 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er noch im selben Jahr starb.

Am 24. September wird nun auch Pater Engelmar Unzeitig, der als “Engel von Dachau” 1945 bei der Pflege von Typhuskranken starb, seliggesprochen. Seine Asche kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Würzburg und wurde in der Kirche der Missionare von Mariannhill beigesetzt.

Er gehörte dieser Kongregation an, hatte in Würzburg studiert und dort die Priesterweihe empfangen. Pater Engelmar wurde als Hubert Unzeitig im Sudetenland in Greiffendorf geboren und 1941 als Seelsorger in Glöckelberg im Böhmerwald verhaftet und nach Dachau gebracht.

Drei Heilige stehen bereits am Beginn des Christentums in Würzburg, denn dort haben der heilige Bischof Kilian und seine Gefährten Kolonat und Totnan als erste das Evangelium verkündet, bevor sie um das Jahr 689 ermordet wurden. Kilian war ein Missionsbischof aus Irland und ist Bistumspatron. Bei der Gründung der Diözese Würzburg im Jahr 742 tritt als weiterer Heiliger der Apostel Deutschlands, Bonifatius, auf. Er weihte den heiligen Burkhard zum ersten Bischof.

An der Domschule in Würzburg studierten berühmte Männer aus dem ganzen Frankenreich, wie der heilige Badurad, der Bischof von Paderborn wurde, und der heilige Bischof Wolfgang von Regensburg. Im 11. Jahrhundert war der heilige Bischof Bruno einer der großen Kirchenmänner seiner Zeit, bekannt durch seine Bildung und sein vorbildliches Leben.

Blick von der Alten Mainbrücke auf den Kiliansdom in Würzburg (Foto: Stadt Würzburg).

Blick von der Alten Mainbrücke auf den Kiliansdom in Würzburg (Foto: Stadt Würzburg).

Er starb 1045 auf einer Reise in Österreich und wurde im Dom zu Würzburg beigesetzt, dessen Bau er 1040 beginnen ließ. Nachfolger Brunos war der heilige Adalbero aus Lambach in Österreich. Er hatte die Domschule in Würzburg besucht und wurde von Kaiser Heinrich III. zum Bischof ernannt. Er ist der eigentliche Erbauer des Domes und der Neumünsterkirche. Weil er sich im Investiturstreit auf die Seite des Papstes stellte, erlitt er Repressalien und musste sich 1088 in seine Heimat zurückziehen. Hier wurde er schon bald nach seinem Tode als Heiliger verehrt.

1121 nahm der heilige Otto von Bamberg in Würzburg an der Zusammenkunft teil, bei der sich Kaiser und Fürsten mit dem Papst einigten, um im Wormser Konkordat den Investiturstreit zu beenden. Im Dom predigte 1126 der heilige Norbert von Xanten, der noch im gleichen Jahr zum Erzbischof von Magdeburg berufen wurde.

Auch die heilige Hildegard, ist 1160 in Würzburg als Predigerin bezeugt. Mehrfach besuchte ein Jahrhundert später der heilige Albertus Magnus Würzburg, so auf dem Weg nach Regensburg in seine Bischofsstadt. Er wohnte bei seinen Mitbrüdern im Dominikanerkloster, wo er seinen Kommentar zum Lukasevangelium verfasste.

“Ich lebe, leide und sterbe päpstlich-katholisch”

Als berühmter Prediger war 1454 auch der heilige Johannes von Capestrano in Würzburg und 1567 als erster Jesuit der zweite Apostel Deutschlands, der heilige Petrus Canisius. Er gründete in Würzburg ein Kolleg des Ordens, das später zur Universität erhoben wurde.

Durch die Jesuiten und die Gegenreformation wurde der in einer evangelischen Familie im thüringischen Mühlhausen geborene Liborius Wagner während des Dreißigjährigen Krieges 1623 katholisch, empfing die Priesterweihe und wurde Pfarrer in Altenmünster bei Schweinfurt. Als er 1631 von den Schweden gefangen genommen wurde, folterten sie ihn und wollten ihn zwingen, wieder protestantisch zu werden. Seine Antwort war: “Ich lebe, leide und sterbe päpstlich-katholisch.” Liborius Wagner wurde 1974 seliggesprochen.

Außer Pfarrer Georg Häfner und Pater Engelmar Unzeitig sind auch die Aufenthalte zweier heiliggesprochener Märtyrer des 20. Jahrhunderts in Würzburg zu nennen. Der heilige Maximilian Kolbe, der auch ein Mann des Presseapostolates war, kam 1929 nach Würzburg und hielt in einer Druckmaschinenfabrik Ausschau nach einer großen, leistungsfähigen Schnellpresse für seine Druckerei in Niepokalanow. Drei Jahre später war auch Edith Stein in Würzburg, wo sie das Missionsärztliche Institut besuchte.

1.Mrz 2011 09:31 · aktualisiert: 7.Jul 2016 14:34
KIN / S. Stein