Ein Juwel Südböhmens

Über die Geschichte und Bedeutung der Wallfahrtskirche in Lometz

Die Wallfahrtskirche in Lometz.

Die Wallfahrtskirche in Lometz.

Es gibt auch mehr als 20 Jahre nach der Wende in Tschechien wahre Entdeckungen: Für einen Pilger in Südböhmen ist das zum Beispiel die kleine Wallfahrtskirche Lometz (Lomec), die zwar wegen ihrer Einzigartigkeit unter Denkmalschutz steht, aber nur auf wenigen Landkarten verzeichnet ist.

Die Kirche liegt rund 20 Kilometer westlich von Budweis. Man gelangt zur Kirche via Netolitz (Netolice) nach Lometz. Das letzte Stück führt durch einen Laubwald auf einer schmalen Straße. Heute ist Lometz gut ausgeschildert, aber noch vor einigen Jahren gab es keine Hinweise.

Auf einer Waldlichtung steht die barocke Kirche und das zweistöckige Pfarrhaus mit hohem Giebel, die einst im 18. Jahrhundert als Jagdschlösschen und Forsthaus erbaut wurde. Hier wohnten in der Zeit des Kommunismus die Schwestern vom dritten Orden des heiligen Franziskus, welche die Kirche betreuten und den Schlüssel hatten.

Die Kirche ist ein Zentralbau auf quadratischem Grundriss mit vier Segmenten, einer hohen Zwiebelkuppel und einer Laterne mit vier kleineren Seitenkuppeln. Der Bau hat drei Portale, doch betritt man ihn heute durch die kleine angebaute Sakristei und steht vor dem monumentalen Baldachinaltar, der noch wuchtiger wirkt, weil er fast die Kirche ausfüllt.

Tabernakel über dem Altar in der Wallfahrtskirche in Lametz.

Tabernakel über dem Altar in der Wallfahrtskirche in Lametz.

Er ist unverkennbar dem Tabernakelaltar in der Petruskirche in Rom nachgebaut, auf vier gedrehten weinlaubgeschmückten Säulen mit einem reichen Schnitzwerk. In der Mitte hängt der Tabernakel, über ihm die kleine Marienstatue, deren Geschichte die Entstehung der Wallfahrt erklärt.

Der Gutsherr Graf Karl Philipp Buquoy reiste im 17. Jahrhundert viel, da er ein begeisterter Forscher und Wissenschaftler war. Bei seinen Reisen hatte er immer eine kleine Muttergottesstatue dabei; diese Kopie der Madonna von Le Foy in Belgien war seit langem in Familienbesitz.

Bei einer Schiffsfahrt von Rom nach Spanien bestand bei einem schweren Sturm die Gefahr des Schiffbruchs. Damals machte der Graf das Gelübde, im Falle seiner Rettung auf seiner Herrschaft in Südböhmen eine Muttergotteskirche zu errichten. Als er unversehrt in die Heimat zurückgekehrt war, ließ er 1692 den Grundstein der Kirche legen.

Die Gegend hieß schon damals Lometz, benannt nach einem nahe gelegenen Steinbruch (tschechisch: Lom). Der Graf starb vor der Vollendung des Kirchenbaues, doch sein Sohn Philipp Emanuel erfüllte das Gelübde und baute die Kirche zu Ende. Sie wurde 1704 eingeweiht.

Die kleine Marienstatue, die der Stifter der Kirche immer dabei hatte.

Die kleine Marienstatue, die der Stifter der Kirche immer dabei hatte.

Ihre einzigartige Pracht erinnert an den Baumeister Giovanni Santini, doch ist der Architekt unbekannt. Die ausführenden Meister stammten aus Rosenberg, die Schnitzereiarbeiten von Meister Wauscher aus Linz. Außer dem Hauptaltar gibt es noch zwei Seitenaltäre mit Illusionsmalerei.

In den Jahren 1720 bis 1735 wurde die Sakristei angebaut sowie Chor und Kanzel errichtet. Der abseits stehende Glockenturm wurde erst 1939 gebaut. Aus den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts stammt auch der Kreuzweg, eine Arbeit aus Lindenholz, die Vojtech Kafka aus Rot-Kosteletz schnitzte.

Das Gebäude des Pfarrhauses war ursprünglich ein Jagdschloss des 18. Jahrhunderts. Damals lebten Einsiedler in den Wäldern, bis Kaiser Josef II. diesen Zustand verbot. Wegen der herrlichen Natur, der prächtigen Kirche und slawischen Hügelgräbern in der Nähe, kamen viele tschechische Persönlichkeiten hierher, darunter auch der Schriftsteller Julius Zeyer.

Bis 1821 war Lometz im Besitz der Grafen Buquoy, dann des Fürsten Schwarzenberg. Als die Kommunisten 1950 alle Klöster in der Tschechoslowakei aufhoben und die Ordensleute, vor allem die Schwestern in sogenannten “Konzentrationsklöstern” und Altenheimen internierten, wurden die Schwestern in großer Zahl in dieser Einöde interniert. Sie haben die Kirche gepflegt und erhalten.

In den kommenden Wochen werden wir Ihnen einige besuchte Orte der Wallfahrt auf unserer Internetseite vorstellen.

18.Okt 2011 10:32 · aktualisiert: 17.Apr 2015 11:44
KIN / S. Stein