Kulturhauptstadt und Wallfahrtsort

Maribor ist eine Station unserer Pilgerreise nach Slowenien und Kroatien gewesen

Statue von Anton Slomsek in Maribor.

Anton-Slomsek-Statue in Maribor.

Als die Steiermark noch ein Erzherzogtum und habsburgisches Kronland war, war sie viel größer, denn Österreich verlor nach dem Ersten Weltkrieg die Untersteiermark mit Marburg an der Drau (Maribor). Heute ist Maribor die zweitgrößte Stadt Sloweniens und 2012 auch die Kulturhauptstadt Europas.

Im Stadtbild der Altstadt ist die lange Zugehörigkeit zu Österreich noch erkennbar. Vom Marktplatz ist es nicht weit zum Dom mit seinem mächtigen Turm. Aus dem 12. Jahrhundert stammend und als romanische Pfeilerbasilika erbaut wurde die Kirche im 16. Jahrhundert erneuert.

Im gotischen Chor steht das Standbild von Bischof Anton Maria Slomšek, der 1859 den Bischofssitz von St. Andrä im Lavanttal nach Marburg verlegte. Erst 1964 wurde der Name der Diözese Lavant in Maribor geändert. Im Jahr 2006 wurden auf dem Gebiet des Bistums die beiden neuen Diözesen Cilli (Celje) und Olsnitz (Murska Sobota) errichtet und Marburg zum Erzbischofssitz und zur Kirchenprovinz erhoben. 1999 besuchte Papst Johannes Paul II. in der Stadt, um im Dom Bischof Anton Slomšek seligzusprechen.

Neben dem Dom und der barocken Kirche des heiligen Aloisius ist die monumentale Franziskanerkirche ein Hauptanziehungspunkt der Gläubigen. Ihr pseudogotischer Monumentalstil entspricht dem Geschmack des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Falsche Romantik und Anlehnung an ein idealisiertes Mittelalter schufen die 58 Meter hohen mächtigen Türme, die mit der dreischiffigen Basilika seitdem das Stadtbild Maribors entscheidend prägen. Im Innern sind die sakralen Motive, die Ornamentik und die Altäre des Steinmetzes Karl Kocijančič sehenswert.

Die Franziskanerkirche in Maribor.

Die Franziskanerkirche in Maribor.

Was bis heute viele Gläubige aus ganz Slowenien hierher zieht und Maribor auch zum Wallfahrtsort macht, ist die Statue der Mutter der Barmherzigkeit auf dem Hauptaltar. Durch sie war die Stadt vor dem Ersten Weltkrieg ein bekannter Wallfahrtsort Österreichs. In dem 1913 erschienenen Buch von Alfred Hoppe, “Des Österreichers Wallfahrtsorte”, wird sie noch vor Wallfahrtsorten wie Mariaschein in Böhmen, Albendorf in Schlesien, Weissenstein in Tirol oder dem Heiligen Berg bei Olmütz eingereiht.

Damals wurden jährlich über 3000 Messen fremder Priester gelesen, dazu kamen zehn ständig anwesende Franziskanerpatres. Die Zahl der Besucher betrug damals jährlich 150 000. Das Hauptfest war und ist der 25. Januar, der Jahrestag der Überführung des Gnadenbildes, an dem in der alten Donaumonarchie drei Predigten in slowenischer und drei Predigten in deutscher Sprache gehalten wurden.

Hochaltar in der Franziskanerkirche Maribor mit Gnadenbild.

Hochaltar in der Franziskanerkirche mit Gnadenbild.

An der Stelle der heutigen Basilika stand früher eine Marienkirche mit einem Kapuzinerkloster, das Kaiser Joseph II. im Jahr 1784 aufheben ließ. Zunächst übernahmen die Minoriten die Kirche und übertrugen die Marienstatue mit dem Jesuskind hierher.

Diese Statue hatte die fromme Gräfin Johanna Felicitas Khünburg 1746 vom Pfarrer in Gonobitz (Slovenske Konjice) in der Südsteiermark erhalten: “weilem selbe alte, schlecht gekleidet, in keiner Hochachtung ware, sintemalen schon eine andere neue anstatt selber verfertigt”, heißt es in einem alten Bericht.

Die Gräfin restaurierte die Statue in Graz, bekleidete sie mit kostbaren Gewändern und ließ sie in der Schlosskapelle zu Freibüchl aufstellen, wo sie bald zahlreiche Gläubige aus der Umgebung verehrten. Schon am 25. Januar 1747 ließ die Gräfin das Marienbild in die Minoritenkirche nach Marburg bringen, wo die schwarzen Franziskaner, die auch Franziskanerkonventualen heißen, seit 1284 ein Kloster besaßen.

Als 1784 auch dieses Kloster aufgehoben, den Minoriten aber das Kapuzinerkloster angewiesen wurde, kam die Statue hierher in die sogenannte “windische Pfarrgemeinde” in der Grazer Vorstadt. Als die Kirche im 19. Jahrhundert zu klein wurde, legte man 1892 den Grundstein zum heutigen Bau, der am 11. August 1900 eingeweiht wurde. Schon sechs Jahr später erhielt die Kirche den Rang einer Basilika.

Innenansicht der Franziskanerkirche in Maribor.

Innenansicht der Franziskanerkirche in Maribor. Im Hintergrund der Hochaltar mit dem Gnadenbild.

Das Gnadenbild ist aus Lindenholz geschnitzt und mit Kleidern des 19. Jahrhunderts umhüllt. Es wurde vielfach kopiert, seitdem zahlreiche Wallfahrer aus Österreich und Ungarn kamen. Im Volksmund hieß es “die schöne Muttergottes”, dann auch “die Geschwinde”, weil man sich hier schnelle Gebetserhörung versprach.

Bei der Bombardierung Marburgs im Zweiten Weltkrieg litt die Franziskanerkirche. Die bunten Kirchenfenster wurden vernichtet. Im Presbyterium hat 1960 der Maler Stane Kregar neue Fenster und Wandmalereien in dem für ihn typischen Stil geschaffen. Seitdem ist die Kirche viel heller.

Von der italienischen und österreichischen bis zur kroatischen und ungarischen Grenze ist das katholisch geprägte Slowenien mit Wallfahrtsorten übersät, die außer Brezje, dem “Slowenischen Lourdes”, meist nur lokale Bedeutung haben. Der Tourist sieht auf vielen Bergen und Hügeln die Kirchen, lässt sie aber im wahrsten Sinne des Wortes links liegen.

Im Zentrum von Maribor mit Blick auf die Franziskanerkirche.

Im Zentrum von Maribor mit Blick auf die Franziskanerkirche.

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges schrieb Alfred Hoppe 1913 in seinem Buch “Des Österreichers Wallfahrtsorte”: “Die slowenischen Länder zeigen allesamt einen hervorstechenden Zug. Sie zeichnen sich durch die große Menge ihrer Bergheiligtümer aus. Wo immer die Natur eine schön hervortretende Höhe bietet, baut der fromme Slowene eine Kirche hinauf. So ist es bekannt, dass man von St. Peter aus, einem kleinen Dorf in der Nähe von Brezje, mit freiem Auge 120 Kirchen erblicken kann. Die Gesamtzahl der Bergkirchen in den slowenischen Ländern wird nach unserer oberflächlichen Schätzung die Zahl 1000 wohl erreichen oder übersteigen.”

Da die meisten dieser Kirchen den größten Teil des Jahres leerstehen oder nur an bestimmten Tagen in Prozessionen oder auch von einzelnen Pilgern aufgesucht werden, macht Hoppe im Nachtrag seines Wallfahrtsbuches “Spezielle Bemerkungen für das Kronland Krain” und einen konkreten “Vorschlag für das Volk der Slowenen”.

Kirche auf einem Berg in Slowenien.

Eine Bergkirche in Slowenien.

Er stellt bei aller Bewunderung fest: “Das Volk der Slowenen zersplittert bei diesen fortwährenden Bauten seine besten Kräfte, so dass das Endergebnis ein wesentlich minderes ist, als es tatsächlich der Fall sein könnte, wenn diese hundertfachen Einzelkräfte sich zu einem einzigen gewaltigen Werke vereinigten.

Darum geht unser Vorschlag dahin: Das Volk der Slowenen stelle für einen gewissen Zeitraum, sagen wir 50 Jahre, all die Einzelbauten ein, und baue auf einem hierfür geeigneten Berge irgend ein grandioses, nationales Monument der Frömmigkeit.”

Hoppe hatte sich auch schon in der Krain und der Südsteiermark “gelegentlich nach einem Berge umgesehen, der so recht passend für unsere Idee wäre. Es gäbe etliche in diesem schönen Berglande, aber keiner wäre wohl so geeignet wie die Šmarna gora, der Gallenberg, der im Herzen von Krain, nahe der Hauptstadt Laibach gelegen, von allen Seiten weithin sichtbar ist.” Der Erste Weltkrieg hatte solche Pläne nicht realisieren lassen. Der Gallenberg hat seine Kirche behalten und blieb einer der kleineren Wallfahrtsorte Sloweniens.

4.Jul 2012 16:01 · aktualisiert: 5.Jul 2012 09:06
KIN / S. Stein