Ein Seliger aus Königstein

Der erste Vertriebenenbischof fand in der Taunusstadt seine letzte Ruhe

Bischof Maximilian Kaller.

Bischof Maximilian Kaller.

Bischof Maximilian Kaller starb zwar bereits am 7. Juli 1947, doch bis heute wird er von den Katholiken im Ermland im Grenzgebiet von Polen und Litauen für seine Verdienste verehrt. Aber auch hierzulande erinnert man sich noch an sein kirchliches und soziales Engagement.

Trotz vieler Rückschläge, zweier Weltkriege und persönlicher Schicksale setzte er sich für die Verbreitung des Glaubens und die Vertriebenen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum ersten Vertriebenenbischof ernannt. Seit Mai 2003 läuft sogar ein Seligsprechungsverfahren.

Unterstützt wird der Prozess vom Bistum Münster und der heute polnischen Erzdiözese Ermland mit Sitz in Allenstein (Olsztyn). In Königstein im Taunus ist sogar eine Straße nach ihm benannt. Hinter der Pfarrkirche St. Marien befindet sich sein Grab.

Maximilian Josef Johannes Kaller wurde als zweites von acht Kindern am 10. Oktober 1880 in Beuthen (Bytom in Polen) geboren. Sein Vater Josef war Fabrikant und stammte, wie seine Ehefrau Berta, aus einer oberschlesischen Handwerkerfamilie. Maximilian besuchte die Schule seiner Vaterstadt, machte 1899 das Abitur und studierte anschließend in Breslau Theologie.

Gründer eines Sozialwerks für Arbeits- und Obdachlose

Als 23-Jähriger erhielt er die Priesterweihe und wurde Kaplan in Groß-Strehlitz (Strzelce Opolskie). Danach kam er 1905 als Administrator der Missionsstation Bergen auf die Insel Rügen. Damals war Breslau noch eines der größten Bistümer der Welt: Es reichte von Rügen über Berlin und Brandenburg bis an die Karpaten und die damalige ungarische Grenze. Die vierhundert Katholiken, die zu Bergen gehörten, wohnten in über dreihundert Dörfern, so dass die Seelsorge schwer war.

Im Jahr 1917 übernahm Kaller die Pfarrei St. Michael in Berlin. In der Notzeit des Ersten Weltkrieges entwickelte Kaller zahlreiche soziale Aktivitäten, so zum Beispiel ein Sozialwerk für Arbeits- und Obdachlose. 1926 wurde Maximilian Kaller zum Apostolischen Administrator in Tütz (Tuczno) ernannt. Dort lebten 135 000 Katholiken und etwa einhundert Priester.

1928 verlegte Kaller den Sitz der Administratur nach Schneidemühl (Pila), wo er zugleich die dortige Pfarrei übernahm. Mit dem Preußischen Konkordat von 1929 wurde die Apostolische Administratur in eine Freie Prälatur umgewandelt. Die Fuldaer Bischofskonferenz wählte Kaller zum Referenten für Siedlungsfragen, da er auch Mitbegründer des Berliner “Verbandes für Siedlungs- und Wohnungsbau” war.

Das gemeinsame Grab von Bischof Kaller und Bischof Kindermann in Königstein im Taunus.

Das gemeinsame Grab von Bischof Maximilian Kaller und Bischof Adolf Kindermann in Königstein im Taunus.

Einige Veröffentlichungen machten ihn bekannt. 1923 erschien die Schrift “Aus einer Großstadtpfarrei. Erkenntnisse und Folgerungen aus einer Pfarrkartei”. 1926 veröffentlichte Kaller “Unser Laienapostolat in St. Michael, Berlin”. In den Dreißigerjahren schrieb er unter anderem “Kreuzbund und Katholische Aktion”, “Siedlung und Katholizismus” sowie “Singen und Seelsorge”.

Am 23. Juli 1930 wählte das Domkapitel von Ermland Maximilian Kaller zum Bischof. Nuntius Cesare Orsenigo spendete ihm am 28. Oktober 1930 die Weihe. In zwei Jahren besuchte der neue Bischof alle 175 Pfarreien seines Bistums, das außer dem katholischen Ermland die Diaspora Ostpreußen umfasste.

Bischof Kaller hielt regelmäßige Priesterkonferenzen ab, verstärkte die Caritasarbeit und ließ Kirchen und Kapellen in den Diaspora-Gebieten Ostpreußens errichten. 1932 konnte er das neue Priesterseminar in Braunsberg (Braniewo) für Ermland, Danzig und Schneidemühl einweihen und das “Ermländische Kirchenblatt” ins Leben rufen.

Gegner des NS-Regimes

Bald geriet Kaller ins Visier des NS-Regimes, das 1937 die bistumseigene Druckerei beschlagnahmte und alle katholischen Vereine und Organisationen im Bistum verbot. Als Bischof Kaller 1938 Rom besuchte, lobte ihn Papst Pius XI. ausdrücklich wegen seiner klaren ablehnenden Haltung gegenüber den Nationalsozialisten. Nach der Rückgabe des Memelgebietes am 1. März 1939 durch Litauen an Deutschland verwaltete Kaller auch die Freie Prälatur Memel (Klaipeda).

Der Zweite Weltkrieg traf seine Diözese hart: Das NS-Regime hob alle Klöster auf und zog viele Priester zum Wehrdienst ein. Andere wurden behindert, manche kamen auch ins Konzentrationslager. 1942 bot sich Bischof Kaller an, freiwillig die Seelsorge im Konzentrationslager Theresienstadt zu übernehmen. Doch Nuntius Orsenigo ging auf dieses Angebot nicht ein.

Im Februar 1945 wurde der Bischof wegen der nahenden Front gegen seinen Willen von der SS nach Danzig gebracht. Von dort ging es weiter nach Halle an der Saale, wo Kaller im Krankenhaus der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth das Kriegsende erlebte. Unter Lebensgefahr kehrte Kaller nach dem Krieg in seine von den Russen besetzte Diözese zurück, um zu erleben, dass ihn der polnische Kardinal August Josef Hlond zum Rücktritt zwang.

Die internationale Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Die internationale Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Kaller ließ sich als Vertriebener in Frankfurt am Main nieder und wurde 1946 von Papst Pius XII. zum päpstlichen Sonderbeauftragten für die heimatvertriebenen Deutschen ernannt. Er versuchte von Anfang an eine religiöse Bewältigung des Vertriebenenschicksals im Geiste der Versöhnung mit den östlichen Nachbarn. Dies tat er bei Wallfahrten und Predigten bis zu seinem Tod.

Im November 1946 konnte er in Rom dem Heiligen Vater vom Leid der Heimatvertriebenen und Ostflüchtlinge berichten. Im Frühsommer des Jahres 1947 predigte er auf zentralen Wallfahrtsgottesdiensten der Heimatvertriebenen in Werl und Vierzehnheiligen.

Am 7. Juli 1947 starb Kaller in Frankfurt am Main und wurde in Königstein im Taunus begraben. Hier hatte er an der Gründung des Albertus-Magnus-Kollegs und der Königsteiner Anstalten mitgearbeitet, die sich dann zusammen mit einer Philosophisch-Theologischen Hochschule, einem Priesterseminar, dem Haus der Begegnung, dem Hilfswerk von Pater Werenfried van Straaten und anderen Einrichtungen zum “Vaterhaus der Vertriebenen” entwickeln sollten. Dieses geistige Erbe führt KIRCHE IN NOT weiter.

Ausflugs-Tipp:

Der Schreibtisch des Speckpaters.

Der Schreibtisch des Speckpaters im Pater-Werenfried-Zentrum.

In unserer internationalen Zentrale in Königstein im Taunus befindet sich das Pater-Werenfried-Zentrum. Dort erfahren Sie anhand von vielen persönlichen Exponaten die Geschichte des Hilfswerks KIRCHE IN NOT.

Ein besonderer Höhepunkt ist das Original-Arbeitszimmer des Speckpaters. Eines der bekanntesten Ausstellungsstücke des Pater-Werenfried-Zentrums ist der Millionenhut.

Verbinden Sie Ihren Ausflug mit einem Besuch am Grab von Bischof Kaller an der Pfarrkirche St. Marien (Georg-Pingler-Str. 26) und einem Gebet am Grab Pater Werenfrieds auf dem Friedhof in Königstein im Taunus, direkt an der B 8 Richtung Großer Feldberg und Limburg.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbahrung. Auf Wunsch können Führungen angeboten werden.

Rufen Sie einfach an oder schicken Sie uns ein Mail, wenn Sie Fragen haben:

Telefon: 0 89 / 64 24 888-0
E-Mail: info@kirche-in-not.de

Wir suchen Zeitzeugen von Pater Werenfried

Um die Erinnerung an unseren Gründer lebendig zu halten, suchen wir nach Zeitzeugen von Pater Werenfried van Straaten, die Fotos, Dokumente oder Anekdoten im Zusammenhang mit dem Speckpater oder seinem Werk zur Verfügung stellen können.

Wir bitten daher alle, die über eine Begegnung mit Pater Werenfried berichten können, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Herzlichen Dank im Voraus.

6.Jul 2012 11:40 · aktualisiert: 7.Aug 2015 09:11
KIN / S. Stein