Der erste Selige Sloweniens

Bischof Anton Martin Slomšek wird in seiner Heimat besonders verehrt

Bischof Anton Martin Slomšek.

Bischof Anton Martin Slomšek.

1996 besuchte Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal Slowenien. Damals war er in der Hauptstadt Laibach (Ljubljana) und in Brezje gewesen, ein zweites Mal kam er am 19. September 1999 nach Maribor (Marburg an der Drau), um die erste Seligsprechung eines Slowenen vorzunehmen: Bischof Anton Martin Slomšek.

Dieser Selige war es, der den Bischofssitz seiner Diözese Lavant ins untersteirische Marburg an der Drau verlegte. Hier starb er 1862 im Ruf der Heiligkeit. Der seit 1926 eingeleitete Seligsprechungsprozess wurde am 3. Juli 1998 abgeschlossen.

Anton Martin Slomšek wurde am 26. November 1800 in Slom in der heute zu Slowenien gehörenden Untersteiermark als erstes von acht Kindern eines Müllers geboren und konnte dank der Hilfe seines Heimatseelsorgers das Gymnasium in Celje (Cilli) besuchen. Philosophie studierte er in Laibach und Zengg (Senj), ehe er 1821 ins Priesterseminar in Klagenfurt eintrat. In St. Andrä im Lavanttal wurde er 1824 zum Priester geweiht.

Sein Bischof wollte ihn zum Weiterstudium nach Wien schicken, doch es zog ihn in die Seelsorge. Schon als Student pflegte Slomšek seine slowenische Muttersprache. 1829 berief ihn Fürstbischof Ignaz Franz Zimmermann (1824-1843) als Spiritual an das Klagenfurter Priesterseminar, wo deutsche und slowenische Theologen der Bistümer Gurk und Lavant studierten.

Bischof-Slomsek-Statue in Maribor

Statue von Bischof Anton Martin Slomšek in Maribor.

Slomšek predigte regelmäßig deutsch und slowenisch und leistete wertvolle Kulturarbeit für die lange vernachlässigte slowenische Sprache. 1838 übernahm er die Pfarrei Saldenhofen und schrieb hier nach dem Vorbild Bischof Johann Michael von Sailers und Christoph von Schmids sein berühmt gewordenes pädagogisches Werk “Blasius und Agnes in der Sonntagsschule”.

1844 wurde er Domherr in St. Andrä und Inspektor aller Schulen im Bistum Lavant. Er regte die slowenische Neuübersetzung der Bibel an und gab drei Gebetbücher heraus. 1846 nominierte ihn der Salzburger Metropolit Friedrich Kardinal Fürst zu Schwarzenberg zum Fürstbischof von Lavant und konsekrierte ihn nach der kaiserlichen Bestätigung.

Kirchenfenster mit Papst Johannes Paul II und Bischof Anton Martin Slomsek.

Kirchenfenster mit Papst Johannes Paul II. und Bischof Anton Martin Slomšek.

Auch als Bischof kümmerte sich der Slomšek um seine Gläubigen in beiden Sprachen und regte bei Kultusminister Leo Graf von Thun in Wien zweisprachige Lehrbücher an. Sein schwieriges Gebirgsbistum bereiste er mehrfach, wobei er regelmäßig Pastoralkonferenzen und Priesterexerzitien durchführte.

Im Revolutionsjahr 1848 wandte er sich gegen die Einberufung der Seminaristen zur Nationalgarde und gegen nationalistische Tendenzen auf beiden Seiten.

Auf ihn geht die Gründung der Bruderschaft der heiligen Cyrill und Method zurück, wodurch die Slowenen zum Vorreiter der Vereinigung der getrennten Christen wurden. 1852 wurde diese Bruderschaft päpstlich bestätigt und verbreitete sich bei allen slawischen Völkern. Es gelang Slomšek, die noch heute bestehende Hermagoras-Gesellschaft zur Verbreitung des slowenischen Schrifttums zu gründen und den Bischofssitz von St. Andrä im Lavanttal nach Marburg (Maribor) zu verlegen.

Damit verbunden war eine Neugliederung der Diözesen Seckau, Gurk und Lavant. 1859 eröffnete Slomšek ein Priesterseminar in Marburg und gründete einen Frauenverein, aus dem die Kongregation der Schulschwestern von Marburg hervorging.

Der Dom in Maribor.

Der Dom in Maribor. Hier werden die Gebeine des Bischofs aufbewahrt.

Bis zu seinem Tod am 24. September 1862 trat er für die Gleichberechtigung beider Landessprachen und damit gegen die Germanisierung ein. Allerdings waren die Nationalitätenkonflikte so unversöhnlich geworden, dass sein Grab auf dem städtischen Friedhof in Marburg noch am Tage der Beisetzung geschändet wurde. Seit 1978 ruhen seine Gebeine in der Krypta der Domkirche.

Der Stolz der Slowenen auf ihren ersten kanonisierten Seligen ist groß. In verschiedenen Städten Sloweniens stehen Denkmäler für ihn, so in Maribor und Celje; an anderen Städten, an denen er als Priester wirkte, erinnern Tafeln an seine segensreiche Tätigkeit.

Ein eigener “Slomšek-Weg” führt von seinem Geburtsort über die Orte seiner Wirkens durch Slowenien. In der Kathedrale von Maribor zeigen Glasfenster sein Leben und den polnischen Papst bei der Seligsprechung in Maribor.

11.Jul 2012 10:30 · aktualisiert: 23.Mai 2013 07:22
KIN / S. Stein