Kirche erlebt eine Renaissance

In Kroatien sind über neunzig Prozent der Einwohner katholisch

Kirche in Lepoglava. Das angeschlossene Kloster war lange ein Gefängnis.

Kirche in Lepoglava.

Am 15. Januar 1992, inmitten des heftigen Krieges, erkannten die Staaten der Europäischen Union die Unabhängigkeit Kroatiens an. Allerdings erlebte das Land noch fast vier Jahre Krieg, ehe dieser Ende 1995 beendet wurde und das Land 1998 auch das bis dahin von Serbien besetzte Ostslawonien zurückerhielt.

Seit dem 18. Juni 2004 ist Kroatien offizieller Betrittskandidat der EU. Im Juni 2011 hat sich die EU-Kommission für den Beitritt Kroatiens ausgesprochen. Falls alle Länder der Empfehlung folgen, könnte Kroatien am 1. Juli 2013 in die Europäische Union aufgenommen werden.

Kroatien ist 56 538 Quadratkilometer groß, das entspricht etwa der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin. Über 90 Prozent der gut vier Millionen Einwohner sind katholisch. Nach der Benachteiligung der Kirche im kommunistischen Jugoslawien erlebt die Kirche Kroatiens seit der Unabhängigkeit eine Renaissance.

2003 reiste Papst Johannes Paul II. zum dritten Mal nach Kroatien, er war bereits 1994 und 1998 dort. Stationen seines letzten Besuchs waren Rijeka, Dubrovnik, Zadar und Osijek. Er hatte im ältesten Wallfahrtsort des Landes, in Trsat, die heilige Messe gefeiert und in Dubrovnik Maria Petkovic, Ordensfrau und Gründerin einer Kongregation, seliggesprochen. Er besuchte auch die Kathedrale in Djakovo, von der Papst Johannes XXIII. sagte, sie wäre die schönste Kirche zwischen Venedig und Istanbul.

Außer in Irland ist Papst Johannes Paul II. auf seinen Reisen nirgendwo so begeistert empfangen worden wie in Kroatien. Fast eine Million Menschen drängten sich 1994 bei der Papst-Messe in Zagreb; das war ein Viertel aller Einwohner der jungen Republik. Auch 1998 war die Begeisterung groß, als der Papst den größten Marienwallfahrtsort des Landes, Marija Bistrica, besuchte und Kardinal Aloisius Stepinac seligsprach.

Denkmal von Papst Johannes Paul II. in Marija Bistrica

Ein Denkmal erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Marija Bistrica.

Die Kirche hat während der 1400-jährigen kroatischen Geschichte eine große Bedeutung. “Gerade durch das Christentum wurden die Kroaten ein Teil des westeuropäischen Kultur- und Zivilisationskreises”, heißt es in einer Broschüre der Botschaft der Republik Kroatien. “Die Tätigkeit der katholischen Kirche bewahrte das kroatische Volk vor Entfremdung und Vernichtung.”

Auch nach der Unabhängigkeitserklärung und dem Krieg bis  Ende 1995 leistete die katholische Kirche ihren Beitrag zur Erhaltung Kroatiens. Wichtig war damals die materielle Hilfe, die über karitative Sendungen der katholischen Kirche des Auslandes nach Kroatien kam. Die über 100 kroatischen Gastarbeiterpfarreien in Europa schickten jahrelang Hilfsgüter.

Es war vor allem das Verdienst von Kardinal Kuharić, dass die im Krieg zerstörten Beziehungen mit den serbischen Orthodoxen erneuert wurden und der orthodoxe Metropolit von Zagreb, der 1991 das Land verlassen hatte, im November 1996 in der kroatischen Hauptstadt nicht nur “sehr positive und aufrichtige” Gespräche mit dem Kardinal führte, sondern dies auch mit der Regierung tat und nach Kroatien zurückkehrte. So hat die serbisch-orthodoxe Kirche auf dem Gebiet Kroatiens wieder vier Bischofssitze.

Die Pfarrkirche und das Kloster im kroatischen Vukovar wurde während des Krieges 1993/1994 zerstört. Sie ist in der Zwischenzeit renoviert.

Die katholische Kirche Kroatiens ist in fünf Erzdiözesen und elf Suffraganbistümer aufgteilt, aber auch 20 Jahre nach der Unabhängigkeit decken sich die kirchlichen Grenzen nicht mit den Staatsgrenzen. So liegt zum Beispiel ein Teil der Erzdiözese Djakovo-Osijek in Serbien und reicht bis vor die Tore Belgrads.

Im kommunistischen Jugoslawien war zwar seit der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Belgrad und dem Heiligen Stuhl 1966 die Kirche freier als in anderen sozialistischen Ländern, aber doch behindert und diskriminiert. Religionsunterricht war nur in Kirche und Pfarrhaus erlaubt, Laienorganisationen waren verboten, gläubige Lehrer hatten Schwierigkeiten. Die Jugend wurde systematischen Atheisierugskampagnen ausgesetzt.

Aloisius Stepinac im Jahr 1957.

Angesichts mancher Lockerungen seit 1966 vergaß man im Westen oft die brutale Verfolgung der Nachkriegszeit, den Tod und die Inhaftierung vieler Priester und den Prozess gegen Erzbischof Aloisius Stepinac, der 1946 zu sechzehn Jahren Kerker verurteilt wurde und der dann nach seiner Entlassung unter Hausarrest in seinem Geburtsort Krasic stand, wo er 1960 starb.

Während des Krieges zwischen 1991 und 1995 wurden drei Priester und Ordensleute getötet, siebzehn waren in serbischen Gefängnissen und 226 Priester und Ordensschwestern wurden vertrieben. 1426 kirchliche Objekte (Kirchen, Kapellen, Pfarrhäuser, Friedhöfe) wurden zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen.

Die Kirche erhielt nach Kriegsende eine Reihe von Gebäuden zurück, die man 1945 verstaatlicht hatte. Der in den Schulen verbotene Religionsunterricht wurde erlaubt, und es wurden auch bald kirchliche Sendungen im staatlichen Rundfunk ermöglicht. Die aus der staatlichen Universität Zagreb ausgegliederte Theologische Fakultät kehrte wieder in das Gefüge der Universität zurück.

Ein entscheidender Schritt erfolgte am 9. April 1997. Damals wurden in Rom drei Verträge ratifiziert, die der Kirche ihre freie Wirkungsmöglichkeit garantieren. Es handelt sich dabei

1. um einen Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Kroatien über rechtliche Fragen,

2. um einen Vertrag über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erziehung und Kultur und

3. um einen Vertrag über die Seelsorge für die katholischen Bürger, die in den Streitkräften und Ordnungskräften Kroatiens ihren Dienst verrichten.

Innenansicht der Kirche in Marija Gorska

Innenraum der Kirche in Marija Gorska, dem ältesten Marienwallfahrtsort in Kroatien.

Zum Austausch der Ratifizierungsurkunden waren höchste staatliche und kirchliche Vertreter Kroatiens nach Rom gekommen. Der Papst empfing die Delegation und betonte, dass die Verträge auf der Grundlage der Prinzipien Glaubensfreiheit, Trennung von Kirche und Staat und Notwendigkeit der Zusammenarbeit dieser beiden Institutionen stünden.

Um die Erneuerung der Landes und eine Neuevangelisierung Kroatiens ist die katholische Kirche intensiv bemüht. Seit Pfingsten 1997 sendet eine eigene katholische Radioanstalt. Im Bereich der Schule hat die Kirche verschiedene neue Katechismen und Glaubensbücher für alle Altersstufen erarbeitet sowie das Erwachsenenkatechumenat seit Jahren erneuert. Die Zahl der Erwachsenen, die sich zum Taufunterricht anmelden, ist hoch. Für die Seelsorge in Militär und Polizei ist ein eigenes bischöfliches Vikariat zuständig. Auch für die Polizei gibt es eigene Seelsorger.

18.Jul 2012 12:50 · aktualisiert: 3.Jul 2015 10:22
KIN / S. Stein