Ziel der Gelöbniswallfahrt

Die Kirche Marija Bistrica gilt als das Nationalheiligtum der Kroaten

Blick auf den Kirchturm von Marija Bistrica.

Blick auf den Kirchturm von Marija Bistrica.

Der größte, bekannteste und vor allem am meisten besuchten Wallfahrtsort der Kroaten ist Marija Bistrica, 40 Kilometer von der kroatischen Hauptstadt Zagreb entfernt. Dort wird eine Statue der Gottesmutter mit dem Jesuskind im Arm verehrt, die aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt.

Bei einem der zahlreichen Türkeneinfälle, unter denen Kroatien als Vormauer und Schutzwall der Christenheit zu leiden hatte, brachte der Pfarrer von Bistrica die Statue in die Pfarrkirche. Dort vermauerte er sie an einem nur ihm bekannten Ort, damit sie den Türken nicht in die Hände fiel. Er nahm sein Geheimnis mit ins Grab.

Es vergingen Jahre und Jahrzehnte, bis die Statue gefunden wurde. Seit 1684 setzte der nicht mehr unterbrochene Strom der Verehrung ein und begann die endlose Reihe von Gebetserhörungen, Gnadenerweisen und Wundern, die in den Geschichtsbüchern im Archiv der Pfarrei verzeichnet sind.

Die Verehrung der Statue wuchs. Die ursprünglich den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweihte Kirche wurde erneuert und erweitert und 1731 von Bischof Georg der Muttergottes geweiht. Schon vorher, im Jahre 1715, wurde Bistrica zum nationalen kroatischen Heiligtum erklärt, als das kroatische Parlament einen großen Weihealtar aus Holz stiftete.

Die Wallfahrtskirche Marija Bistrica.

Die Wallfahrtskirche Marija Bistrica.

Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche zu eng und die heutige Kirche im Neorenaissancestil errichtet. 1882 wurde der Bau vollendet. 1923 erhob sie Papst Pius XI. in den Rang einer Basilika. 1935 krönte Erzbischof Dr. Anton Bauer die Statue mit zwei Kronen, die das Volk der “Königin der Kroaten” schenkte. Die Stadt Zagreb stiftete einen Kelch, mit dem jedes Jahr bei der sogenannten Gelöbniswallfahrt der Stadt im Juli zelebriert wird.

Den kommunistischen Machthabern, die 1946 einen der größten Verehrer des Heiligtums, Erzbischof Aloisius Stepinac, in den Kerker brachten, war diese Gelöbniswallfahrt stets ein Dorn im Auge.

Hochaltar in der Basilika von Marija Bistrica mit der schwarzen Madonna, dem Ziel der Wallfahrten.

Hochaltar in der Basilika von Marija Bistrica mit der schwarzen Madonna, dem Ziel der Wallfahrten.

Als 1981 zwei Priester aus Zagreber Gemeinden auf Plakaten an den Kirchentüren ihrer Pfarreien zur “Wallfahrt der Stadt Zagreb” aufriefen, wurden sie zu Geldstrafen verurteilt.

In der Urteilsbegründung hieß es, dass sich nichtkatholische und atheistische Bürger durch den Aufruf hätten diskriminiert fühlen können. Bereits zugesagte Busse durften nicht nach Marija Bistrica fahren, weil die Behörden die Busunternehmen unter Druck setzten.

Trotzdem war die Wallfahrt ein Erfolg: 6000 Menschen kamen zu Fuß, unter ihnen Erzbischof Franjo Kuharic, der am Samstagmorgen mit seinen Gläubigen aufgebrochen war und nach 40 Kilometer Fußmarsch abends im Gnadenort ankam.

Am Montagmorgen wurde der Rückweg angetreten und in einem Abendgottesdienst in der Kathedrale von Zagreb die Wallfahrt beendet. Seit 1990, nachdem die Kommunisten abgewählt wurden, ist diese Wallfahrt auch wieder von der Stadt Zagreb unterstützt.

Zur 300-Jahr-Feier der Wiederauffindung der Heiligenfigur am 8. September 1984 kamen über 400 000 Pilgernde aus ganz Jugoslawien hierher. Noch mehr waren es 1998 beim Besuch von Papst Johannes Paul II., der in Marija Bistrica Kardinal Aloisius Stepinac seligsprach.

KIRCHE IN NOT hat in der Vergangenheit Projekte in Marija Bistrica unterstützt. Für die Unbeschuhten Karmelitinnen in der Pfarrei der Wallfahrtskirche haben wir unter anderem Existenzhilfe gewährt und den Bau des Klosters mitfinanziert.

25.Jul 2012 09:33 · aktualisiert: 3.Jul 2015 10:22
KIN / S. Stein