Kroatien und seine Heiligen

In dem südslawischen Land werden einige bekannte Persönlichkeiten verehrt

Aloisius Stepinac im Jahr 1957.

Aloisius Stepinac im Jahr 1957.

Als Papst Benedikt XVI. im Juni 2011 Kroatien besuchte, hat er in der Kathedrale von Zagreb am Grab von Kardinal Aloisius Stepinac gebetet. Im September 1994 kniete dort auch Johannes Paul II. und rief die Kroaten auf, ihm, der „leuchtendsten Gestalt der Kirche Kroatiens“, zu folgen. Im Oktober 1998 kam er erneut nach Kroatien, um Aloisius Stepinac seligzusprechen.

Wenige Gestalten der kirchlichen Zeitgeschichte standen so im Kreuzfeuer verschiedener Meinungen wie er, auch im Westen. Die Wahrheit, dass Kardinal Stepinac ein Märtyrer und ein Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit war, wurde im kommunistischen Jugoslawien bis 1990 unterdrückt.

Die Gläubigen dagegen verehrten ihn immer wie einen Heiligen. Auch seine Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl traten selbst kommunistischer Zeit dafür ein, dem Kardinal die geschuldete Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Erst seitdem Kroatien ein freies Land ist, konnten die Kroaten die ganze Wahrheit über diesen Märtyrer erfahren.

Am 8. Mai 1898 in Krašić geboren, besuchte Alois Stepinac die Volksschule seines Heimatortes, später das Gymnasium in Zagreb. Er machte 1916 das Abitur und wurde als Kadett der österreichisch-ungarischen k.u.k.-Armee 1917 an die italienische Front eingezogen. Als Student der Landwirtschaft verlobte er sich nach dem Krieg mit Maria Horvat, doch 1924 entschloss er sich, Priester zu werden.

Gruppenfoto der Teilnehmenden der Wallfahrt vor dem Aloisius-Stepinac-Gedenkstein auf dem Ucka-Pass.

Gruppenfoto der Teilnehmenden der Wallfahrt vor dem Aloisius-Stepinac-Gedenkstein auf dem Ucka-Pass.

Im römischen Germanicum absolvierte er seine Studien, am 26. Oktober 1930 wurde er in Rom zum Priester geweiht und schon 1934 zum Koadjutor des Erzbischofs von Zagreb mit dem Recht der Nachfolge ernannt. Als Erzbischof Bauer 1937 starb, stand Stepinac an der Spitze der großen Erzdiözese Zagreb. Seine Engagement galt der Seelsorge in den Städten, der katholischen Aktion und der Caritas.

Er förderte die katholische Presse und die kirchlichen Orden und geriet 1941 mit seinen Gläubigen in den Wirbel der Kriegsereignisse, nachdem im April jenes Jahres Jugoslawien innerhalb weniger Tage von der politischen Landkarte verschwand und die Kroaten einen eigenen Staat ausriefen.

Entgegen allen kommunistischen Verleumdungen, die auch im Westen allzu gerne übernommen wurden und immer noch werden (vor allem nach der Seligsprechung), war Erzbischof Stepinac dem neuen Regime seit 1941 eine „persona non grata“ gewesen. Er „beschränkte seinen Umgang mit den neuen Machthabern auf das Notwendigste und wurde immer wieder mit Ermahnungen und Protestschreiben vorstellig, die sich in der Hauptsache gegen die Verfolgung der serbischen Minderheit und der Juden richteten“ (Ernest Bauer).

Einsatz für leidende und verfolgte Menschen

„In all seinem Wirken in den furchtbaren Kriegsjahren sah Stepinac, im Sinne des Evangeliums, nur den leidenden Menschen. All sein Bemühen ging dahin, diesen leidenden und verfolgten Menschen zu helfen.“ Er tat dies, indem er sich für geflohene Juden aus Deutschland einsetzte, indem er verfolgte Orthodoxe unter seinen Schutz nahm und indem er 300 von den Nationalsozialisten aus der Diözese Maribor (Marburg an der Drau) vertriebene slowenische Priester in seiner Erzdiözese unterbrachte. Die Zeugnisse darüber sind zahlreich und stammen von Juden und Orthodoxen.

Bereits im Mai 1945 unmittelbar nach Kriegsende wurde der Erzbischof von dem neuen kommunistischen Regime verhaftet, am 3. Juni jedoch wieder entlassen und am folgenden Tag zu Staatschef Tito zitiert. Es folgten unruhige Monate. Am 22. September 1945 wandten sich alle Bischöfe an den Staatschef und wiesen darauf hin, dass in Jugoslawien 243 katholische Priester ermordet und 169 weitere in Gefängnisse gebracht wurden. Die kommunistischen Zeitungen hetzten, und es wurden Unterschriften für Stepinac’ Verhaftung gesammelt.

Sarkophag von Kardinal Stepinac in der Kathedrale von Zagreb.

Sarkophag von Kardinal Stepinac in der Kathedrale von Zagreb.

Diese erfolgte am 18. September 1946, früh um 5.30 Uhr. Die Anklageschrift wurde am 23. September veröffentlicht, für jenen „tristissimo processo“ (Pius XII.), der am 30. September eröffnet wurde. Es war ein Schauprozess übelsten Stils, von sowjetischen Beratern durchdacht und gelenkt, deren Handschrift auch die Anklageformulierung trägt. Der Erzbischof wurde als aktiver Volksfeind hingestellt, worauf Stepinac nur die eine Frage stellte: „Können Sie einen einzigen Beweis anführen?“

Von den 35 Zeugen der Verteidigung wurden nur sieben zugelassen. Auch der spätere Nachfolger von Stepinac auf dem erzbischöflichen Stuhl von Zagreb, Kardinal Franjo Šeper, sowie der orthodoxe Bischof von Slawonien und einige orthodoxe Priester und Juden hatten sich als Entlastungszeugen gemeldet, wurden aber nicht zugelassen.

Gefängnis und Zwangsarbeit

Obwohl keine Schuld vorlag, wurde Stepinac am 11. Oktober 1946 zu „Freiheitsentzug und Zwangsarbeit für die Dauer von 16 Jahren“ verurteilt. Am 19. Oktober 1946 brachte man ihn ins Gefängnis von Lepoglava. Im Dezember 1951 wurde er zur Verbannung nach Krašić gebracht und dort unter Hausarrest gestellt. Ein Jahr später ernannte ihn Papst Pius XII. zum Kardinal.

Aber Stepinac blieb ein Kardinal ohne Purpur, da er nicht nach Rom reisen durfte, ohne seine Rückkehr nach Kroatien zu gefährden. Acht Jahre lebte Stepinac in der Konfinierung. Sein Gesundheitszustand war schlecht. Die Versuche Belgrads, er möge das Land für immer verlassen, lehnte er ab. Noch 1959 ließ ihm die Geheimpolizei keine Ruhe und verhörte ihn. Er starb am 10. Februar 1960.

Gefängnistrakt Lepoglava

Gefängnistrakt von Lepoglava. Hier wurde Aloisius Stepinac gefangen gehalten.

Im alten Jugoslawien, das 1991 zerfiel, sprach die katholische Kirche immer von der „Kirche unter den Kroaten“, denn katholische kroatische Gläubige gab und gibt es nicht nur in der Republik Kroatien, sondern in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro. Auch die kroatischen Heiligen und Seligen waren nicht nur im heutigen Kroatien beheimatet, sondern auch in den Nachbarländern.

Außerdem begehen die Kroaten das Gedächtnis großer Heiliger, die schon vor der Ankunft der Kroaten in ihrer jetzigen Heimat lebten, wie der heilige Kirchenlehrer Hieronymus aus Dalmatien oder der heilige Quirinus und seine Märtyrergefährten aus Sisak. Manche Heilige anderer Nationalität wirkten in Kroatien oder sind dort gestorben, wie zum Beispiel Johannes Kapestran in Ilok.

Als 1970 Papst Paul VI. den seligen Nikolaus Tavelic heiligsprach, war dieser Märtyrer der erste heiliggesprochene Kroate. Er stammte aus Trogir, wo er um 1340 geboren wurde. Früh wurde er Franziskaner und wirkte zunächst in Bosnien, dann im Heiligen Land, wo er in Jerusalem von Muslimen getötet wurde. Leo XIII. sprach ihn am 6. Juni 1889 selig.

Heiliger Leopold Mandic.

Heiliger Leopold Mandic.

Nur wenige Jahre nach der Kanonisation dieses ersten Heiligen, feierten die Katholiken Kroatiens überschwänglich die Seligsprechung eines weiteren Landsmanns, des Kapuzinerpaters Leopold Mandić. Bereits 1983 wurde Pater Leopold heiliggesprochen. Er stammt aus Hercegnovi im heutigen Montenegro, wurde Kapuziner und war in Padua bis zu seinem Tod ein hoch geschätzter Beichtvater. Ihm sind heute in Kroatien und Bosnien einige neu gebaute Kirchen geweiht.

Bei seiner zweiten Reise in die Slowakei sprach Johannes Paul II. 1995 in Kaschau (Košice) die sogenannten Kaschauer Märtyrer heilig. Einer von ihnen, Marcus Crisinus, war Kroate. Der um 1588 in Križevci geborene Marko war Priester und wirkte nach seinem Studium in Rom in Zagreb und später in der Slowakei. Er war dann Kanonikus im ungarischen Esztergom (Gran) und wurde am 7. November 1620 zusammen mit zwei Jesuiten in Kaschau von Calvinern hingerichtet. Pius X. sprach ihn und die beiden Jesuiten 1905 selig.

Andere kroatische Selige sind der Bekennerbischof Augustin Kazotić von Zagreb, Jacobus Illyricus, Gracija Muljanin und Ozana von Kotor. In Trogir um 1260 geboren, wurde Kazotić Dominikaner und war 1303 bis 1322 Bischof von Zagreb. Jakobus stammte aus Zadar und wurde Anfang des 15. Jahrhunderts geboren. Er war Franziskanerbruder und starb nach einem in Bitetto bei Bari (um 1490). Da außer Leopold Mandić auch die seligen Gracija und Ozana aus der Bucht von Kotor stammen, nennen die Kroaten diesen Teil Montenegros „die Bucht der Heiligen“.

In Muo bei Kotor 1438 geboren, vielleicht mit dem Familiennamen Krilović, wurde Gracija, der seinen Beinamen nach dem Geburtsort trägt, zunächst Seemann, später Augustinerbruder. Als solcher lebte er in Padua und Venedig, wo er am 9. November 1508 starb. Ozana wurde als Katarina Košić am 25. November 1493 in der Nähe von Kotor geboren und war zunächst Hausgehilfin, später Drittordens-Dominikanerin in Kotor, wo sie 52 Jahre als Reklusin in einer Zelle eingeschlossen lebte.

Seliger Ivan Merz.

Seliger Ivan Merz.

Bei seinem Besuch 2003 in Kroatien und kurz darauf in Bosnien sprach Johannes Paul II. weitere Kroaten selig: in Kroatien die Ordensfrau Maria Petrovic von der Insel Korcula und in Bosnien den ersten kanonisierten kroatischen Laien Ivan Merz.

Während dies die deutschen Medien kaum zur Kenntnis nahmen, betonten damals die kroatischen Kirchenzeitungen, dass der Vater von Ivan Merz aus dem Egerland in das seit 1878 österreichische Bosnien gekommen war. Dort wurde Ivan Merz 1896 in einer liberalen Familie geboren und starb im Alter von 32 Jahren in Zagreb. Der junge Hans Merz, der sich später Ivan nannte, besuchte das Gymnasium in Banja Luka, auf dem er 1914 seinen Abschluss machte und sein Studium in Wien begann.

Dieses wurde vom Ersten Weltkrieg unterbrochen, den er an der Front in Italien in seiner ganzen Härte erlebte. Nach dem Krieg setzte er sein Studium der Literaturwissenschaft in Wien fort und beendete es in Paris. Seit 1922 war er Französischlehrer in Zagreb, wo er auch promovierte.

Der Erste Weltkrieg hatte ihn zu einer tiefen Gläubigkeit gebracht. Er arbeitete aktiv als Laie in der Kirche mit und nahm sich zum Wahlspruch „Opfer – Eucharistie – Apostolat“. Ivan Merz gilt als einer der Vorkämpfer für die liturgische Bewegung in Kroatien und als Begründer der Katholischen Aktion in seiner Heimat, für die er sich als Autor in verschiedenen Zeitschriften einsetzte.

Er war ein Mensch des Glaubens, des innerlichen Gebetes und starb bereits 1928 im Ruf der Heiligkeit. Obgleich Ivan Merz in der kroatischen Hauptstadt begraben liegt, legte der Papst Wert darauf, die Seligsprechung in Banja Luka in der Serbischen Republik in Bosnien vorzunehmen. In Italien ist bereits die erste Kapelle zu Ehren des seligen Ivan Merz eingeweiht worden, und zwar in den Alpen bei Trient, wo der Selige im Ersten Weltkrieg Soldat war.

Einsiedler in einer Felsenhöhle

In Böhmen wird ein heiliger Ivan der Kroate verehrt, der als Einsiedler bei Beraun lebte und über dessen Felsenhöhle die Dientzenhoferkirche des Klosters St. Johann unter dem Felsen steht. Auch der heilige Adalbert, den Tschechen und Deutsche für sich beanspruchen, war ein Kroate. Das Gebet- und Gesangbuch „Slavimo Boga“ (Wir loben Gott), das vom Kroatischen Oberseelsorgeamt in Frankfurt am Main für die kroatischen katholischen Seelsorgestationen im Ausland herausgegeben wurde, enthält bei den Gebeten zu verschiedenen Heiligen, die von den Kroaten besonders verehrt werden, auch eines zum heiligen Adalbert.

Es heißt darin, dass Gott den heiligen Adalbert nicht nur zum „Apostel seiner Landsleute, der Weißen (nördlichen) Kroaten, gemacht habe, sondern auch zum Heiligen der Slowaken, Polen, Tschechen und Deutschen und zum Taufbringer der Ungarn.“.

Denkmal von Papst Johannes Paul II. in Trsat. Der polnische Papst hatte Kroatien mehrfach besucht.

Denkmal von Papst Johannes Paul II. in Trsat. Der polnische Papst hatte Kroatien mehrfach besucht.

Das überrascht, Adalbert ─ der slawisch Vojtech hieß ─ ein Kroate? Die Kroaten waren, wie auch ihr Volksname, wahrscheinlich iranischer Herkunft. Wie die Iraner bezeichnen sie die Himmelsrichtungen nach Farben, und zwar den Norden als Weiß und den Süden als Rot. So ist zu verstehen, dass die Kroaten, die sich im Westen in Nordböhmen, Schlesien und bei Krakau niederließen, als weiße Kroaten bezeichnet werden, und das eigentliche Kroatien im Süden als Rotkroatien.

Der polnische Papst, der zum Jahresende 1980 die Slawenapostel Cyrill und Method zu Konpatronen Europas erklärte und damit die Slawen wieder nach Europa zurückgeführt hatte, würdigte bei seinen Besuchen in Gnesen, Prag und Königgrätz die Größe des heiligen Adalbert in seinem Wirken für Europa am Ende des ersten Jahrtausends.

Er wies bei seinem Bemühen um die Neuevangelisierung Europas immer wieder auch auf den heiligen Adalbert hin. Dies geschah schon im Jahre 1979, als Johannes Paul II. zum ersten Mal als Papst seine polnische Heimat und auch Gnesen besuchte. Seinen ersten Besuch in einem Ostblockland nach der Wende machte er am Fest des heiligen Adalbert 1990 in dessen Bischofsstadt Prag. Bei seinem Besuch 2003 in Kroatien erklärte er unter dem Jubel der Kroaten in Osijek, dass er einer von ihnen sei, da die Kroaten vom Norden von Krakau nach Süden gezogen seien.

 Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Grulich:

16.Mai 2013 10:53 · aktualisiert: 12.Mai 2016 10:19
KIN / S. Stein