Königstein und der Speckpater

1948 Jahren kam Pater Werenfried zum ersten Mal in die Taunusstadt

Denkmal von Pater Werenfried van Straaten mit Millionenhut.

Denkmal von Pater Werenfried van Straaten mit Millionenhut in Königstein im Taunus.

2003 starb der in aller Welt als „Speckpater“ bekannte Prämonstratenser Werenfried van Straaten. 2013 hatten wir aus diesem Anlass und wegen des 100. Geburtsjahres eine Glaubenstournee veranstaltet.

Auf dem Friedhof in Königstein im Taunus besuchen noch heute viele Menschen sein Grab. In der Stadt gibt es einen Pater-Werenfried-Platz und in der Internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT ein Pater-Werenfried-Zentrum. Das Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien hat nach seinem Umzug nach Nidda seinen Innenhof „Speckpater-Platz“ genannt, um zu zeigen, wie viel die Vertriebenen diesem Priester verdanken.

Im Herbst 1948 kam Pater Werenfried  zum ersten Mal nach Königstein, das er in der ganzen Welt bekannt machen sollte. In seiner Autobiografie „Sie nennen mich Speckpater“ hat er ein Kapitel über das damalige Königstein als Vaterhaus der Vertriebenen verfasst, das zum Besten gehört, war je über die heute nicht mehr existierenden Königsteiner Anstalten geschrieben wurde.

Der gebürtige Niederländer, der in das belgische Kloster Tongerlo eingetreten war, ist oft gewürdigt worden. Darío Kardinal Castrillon Hoyos kam eigens aus Rom zum Requiem im Dom zu Limburg. Am Grab in Königstein sprachen Bischöfe aus Polen, Russland und der Tschechischen Republik Worte des Dankes, ukrainische Bischöfe sangen ein Totengebet. Sogar aus Afrika waren Schwestern gekommen, denn Pater Werenfried hat dort eine Kongregation gegründet.

Grab von Pater Werenfried in Königstein im Taunus.

Grab von Pater Werenfried in Königstein im Taunus.

2007 beging Pater Werenfrieds heute weltweites Werk den sechzigsten Jahrestag seines Bestehens. Begonnen hatte es mit Werenfrieds Eintreten für die Rechte der Heimatvertriebenen, deren Not er 1947 erstmals in Köln begegnete und die ihn so traf, dass er mit seiner aktiven Hilfe begann.

Er erhielt bald seinen Spitznamen „Speckpater“, weil er die flämischen Bauern, die wenig Bargeld für Geldspenden hatten, ein zusätzliches Schwein für die Vertriebenen füttern ließ, dessen Speck dann ins hungernde Deutschland geschickt wurde.

Es blieb aber nicht bei der materiellen Hilfe. Noch entscheidender war, dass Werenfried von Anfang an Feindschaft und Hass in Mitteleuropa abbaute. Obwohl er Niederländer in einem belgischen Kloster war und beide Länder seit 1940 von Deutschland besetzt gewesen waren, trat er für echte Versöhnung ein, ja rief auf, im christlichen Geist dem ehemaligen Feind zu helfen.

Er predigte sogar in Vinkt, einem belgischen Ort, in dem die Deutschen im Krieg alle erwachsenen Männer erschossen hatten. Auch hier brach er die Mauer des Hasses und erhielt Hilfe für die notleidenden Deutschen. Welch ein Unterschied zwischen der Bewältigung der Vergangenheit in Lidice und Vinkt!

Gottesdienst am Kapellenwagen.

Gottesdienst vor einem Kapellenwagen.

Über der materiellen Not der Flüchtlinge und Vertriebenen im zerstörten Nachkriegsdeutschland sah Werenfried auch die geistige Not der Heimatlosen. Millionen von Katholiken hatten keine Kirche und keinen Priester, weil sie in Gebiete kamen, die seit der Reformation oder dem Dreißigjährigen Krieg keinen Katholiken gesehen hatten.

Die von Werenfried ins Leben gerufene Ostpriesterhilfe unterstützte die vertriebenen Rucksackpriester, die in der Diaspora unterwegs waren. Sie zogen zunächst zu Fuß oder auf Fahrrädern von Lager zu Lager, von Seelsorgestelle zu Seelsorgestelle, dann auf Motorrädern, die ihnen Werenfried schenkte, und später sogar mit Autos.

Dort, wo es keine Kirchen gab, kamen bald die Kapellenwagen als fahrende Kirchen zu den ostdeutschen Menschen in der neuen Diaspora und brachten neben dem Trost der Religion auch materielle Hilfe. Der erste Kapellenwagen in Oberhessen startete 1950 von Nidda aus.

Bis heute ist Pater Werenfried den Heimatvertriebenen ein Begriff, nicht nur den Ostdeutschen, sondern auch den Vertriebenen und Flüchtlingen aller Nationen Ostmitteleuropas. Vertriebenen-Organisationen ehrten ihn, die Sudetendeutschen verliehen ihm den Karlspreis.

Inschrift am Grab von Pater Werenfried:

„Man nannte ihn Speckpater, Kämpfer für den Frieden, Bettler Gottes für die Armen der Welt. Priester aus holländischer Lehrerfamilie, Vertrauter von vier Päpsten, Freund von Heiligen, Beschützer von Verfolgten und Unterdrückten, Brückenbauer für die Einheit der Kirche. Hüter der christlichen Familie. Gründer von ,Kirche in Not‘. Mann unerschütterlichen Gottvertrauens.“

26.Nov 2013 15:00 · aktualisiert: 14.Jul 2015 12:21
KIN / S. Stein