Kämpfer gegen Ungerechtigkeiten

Zum 40. Todestag von Jozsef Kardinal Mindszenty am 6. Mai

Jozsef Kardinal Mindszenty (1892-1975).

Jozsef Kardinal Mindszenty (1892-1975).

Er gilt bis heute als Symbolfigur des Widerstandes gegen den Kommunismus in Ungarn: Jozsef Kardinal Mindszenty. Wegen seines Auftretens gegen Ungerechtigkeiten wurde er sogar mehrmals inhaftiert und nach eigener Aussage auch gefoltert. In der Inschrift auf seinem Grabstein im österreichischen Wallfahrtsort Mariazell steht: Das Leben hat ihn erniedrigt, der Tod hat ihn erhöht.

Sein eigentlicher Geburtsname ist Jozsef Pehm. Angelehnt an seinen Geburtsort Csehimindszent nimmt er 1941 den neuen Namen an und legt den deutschstämmigen Namen ab. Mindszenty trat 1911 in das Priesterseminar in Szombathely ein und wurde 1915 zum Priester geweiht. Er arbeitete aber nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Religionslehrer und Redakteur eines Wochenblattes.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem damit verbundenen Ende der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie kritisierte er offen die neue linksgerichtete Regierung und leitete eine christliche Partei. Er wurde am 9. Februar 1919 verhaftet, kam aber im Mai wieder frei – allerdings erhielt er ein Redeverbot in der Öffentlichkeit. Nach dem Ende der Räterepublik wurde er am 1. September zum neuen Stadtpfarrer von Zalaerszag ernannt. Er ließ dort Schulen und Kirchen bauen und gründete kirchliche Vereine.

Pater Werenfried van Straaten und Jozsef Kardinal Mindszenty.

Pater Werenfried van Straaten und Jozsef Kardinal Mindszenty.

Am 4. März 1944 wurde er von Papst Pius XII. zum Bischof von Veszprem ernannt. Er verkaufte einen Teil des kirchlichen Grundbesitzes und ließ neue Pfarreien und elf katholische Schulen errichten. Kurz danach besetzten deutsche Truppen Ungarn. Einige Bischöfe protestierten daraufhin, dass Juden in Ghettos eingesperrt wurden und in Vernichtungslager deportiert wurden. Wieder wurde er verhaftet. Nach der Eroberung Westungarns durch die Rote Armee konnte am 20. April 1945 wieder nach Veszprem.

Vier Monate später, am 15. September, ernannte ihn der Papst zum Erzbischof von Esztergom. Das war eine wichtige Position für die Ungarn: Als Erzbischof von Esztergom war er Primas von Ungarn und die erste Autorität nach dem König. Es folgten jedoch Konflikte mit den Kommunisten. Auch im Ausland berichtete er von der Unterdrückung der Kirche durch die Kommunisten.

Nach der klar gewonnenen Wahl durch den Linksblock 1947 verschärfte sich die Situation: Die katholischen Schulen wurden verstaatlicht. Er machte im Ausland darauf aufmerksam. Die Folge: eine erneute Verhaftung. In einem Schauprozess wurde er wegen Umsturzes und Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt.

Blick vom Gellertberg auf Budapest.

Blick vom Gellertberg auf Budapest.

Erst nach den Ungarischen Volksaufstand im Herbst 1956 konnte er befreit werden. Die Rote Armee marschierte in Budapest ein, und Mindszenty floh in de amerikanische Botschaft in der ungarischen Hauptstadt. 1971 ging er nach Wien ins Exil und wohnte im ungarischen Priesterseminar.

Der Papst wollte die Beziehungen zu Ungarn normalisieren und forderte Mindszenty zum Rücktritt als Erzbischof von Esztergom auf. Doch dieser weigerte sich. Dennoch wurde der Bischofssitz später als vakant erklärt, und Mindszenty am 5. Februar 1974 aus pastoralen Gründen seines Amtes enthoben. Er starb am 6. Mai 1975 in Wien.

Mindszenty wurde in Mariazell bestattet. In seinem Testament verfügte er, dass seine sterblichen Überreste erst nach Esztergom überführt werden sollten, wenn der Stern der Moskauer Gottlosigkeit vom Himmel Mariens und des heiligen Stephanus gefallen sei. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee aus Ungarn wurde er am 4. Mai 1991 in Esztergom überführt.

4.Mai 2015 10:02 · aktualisiert: 11.Mai 2015 14:05
KIN / S. Stein