Ein modernes Nationalheiligtum

Die Wallfahrtskirche Monte Grisa in der Nähe von Triest

Innenraum der Wallfahrtskirche Monte Grisa.

Innenraum der Wallfahrtskirche Monte Grisa.

Vor 50 Jahren wurde im Rohbau der neuen Kirche auf dem Monte Grisa hoch über Triest die erste heilige Messe gefeiert.

Ein Jahr später weihte Ildebrando Kardinal Antoniutti gemeinsam mit dem Patriarchen von Venedig, Giovanni Kardinal Urbani, das fertiggestellte Sanktuarium ein, das als Nationalheiligtum für Maria, der Jungfrau, Mutter und Königin errichtet wurde.

Die Wallfahrtskirche ist ein gewaltiger Bau, als erstes Beispiel modularer Architektur in Stahlbeton, das Antonio Guacci entwarf. Hoch über dem Golf von Triest mit einer Aussicht bis zur Halbinsel Istrien und dem Karst von Triest ist das Heiligtum heute ein Ort des Gebetes mit seiner weiträumigen Unterkirche und einer Oberkirche.

Von „Kitsch in Beton“ sprachen manche Kritiker, denen die religiöse Mentalität der Italiener fremd ist. Der Beton soll den Karst symbolisieren, aus der die Kirche hervorwächst als ein neues Wahrzeichen des alten Triests, das als Tergeste bereits in altchristlicher Zeit Bischofssitz war.

Blick von Monte Grisa auf den Hafen von Triest.

Blick von Monte Grisa auf den Hafen von Triest.

Vor 70 Jahren legte 1945 Msgr. Antonio Santin als Bischof von Triest ein Gelübde ab, eine große Wallfahrtskirche zu Ehren Mariens zu bauen, wenn Triest nicht vom Krieg zerstört würde.

Damals kämpften Italiener gegen Italiener, seitdem 1943 Mussolini entmachtet worden war, aber mit deutscher Hilfe im Norden weiter amtierte. Titos Partisanen wollten Triest um jeden Preis erobern. Gegen sie kämpften mit der deutschen Wehrmacht und einem berüchtigten Karstwehr-Bataillon der Waffen-SS auch Kosaken auf deutscher Seite, denen die NS-Führung sogar eine Heimat in einem Kosakenstaat in Friaul versprochen hatte.

Region um Triest war eigener Staat

Als sich Titos Partisanen nach furchtbaren Massenmorden im Sommer 1945 aus der Gegend von Triest zurückziehen mussten und 1947 der Friedensvertrag von Paris neue Grenzen regelte, wurde die Region um Triest als „Freies Territorium Triest” ein eigener Staat unter anglo-amerikanischer Verwaltung.

1948 machte die Klerus-Zeitschrift „Settimana del Clero” bereits den Vorschlag, mit Unterstützung aller italienischen Bistümer in Triest einen nationalen Wallfahrtsort für ganz Italien zu errichten.

Die moderne Wallfahrtskirche Monte Grisa oberhalb von Triest.

Die moderne Wallfahrtskirche Monte Grisa oberhalb von Triest.

Erst 1954 wurde der Freistaat Triest als Zone A wieder italienisch, während das Hinterland der Zone B an Jugoslawien kam. Als 1958 der Patriarch von Venedig, Angelo Kardinal Roncalli, später Papst Johannes XXIII. wurde, beschloss er, den geplanten neuen Kirchenbau oberhalb von Triest der Gottesmutter und Himmelskönigin zu widmen. In einem vom Kalten Krieg zerrissenen und vom Eisernen Vorhang geteilten Europa sollte Maria die Völker Europas in Ost und West einen.

 „Wallfahrt der Wunder“

Im Aufbruch zu dem von ihm angekündigten Zweiten Vatikanischen Konzil fanden vom April bis September 1959 zahlreiche Wallfahrten in ganz Italien statt, bei der die Madonna von Fatima als „Wallfahrende Muttergottes” durch Italien getragen wurde. Die damals strömenden Menschenmassen sollen „die größte in Italien durchgeführte Mission“ gewesen sein, die als „Wallfahrt der Wunder“ in die jüngste Kirchengeschichte einging.

Als die wallfahrende Madonnenstatue am 17. September 1959 nach Triest kam, erinnerte Bischof Santin die Gläubigen an sein Gelübde und schloss seine Predigt mit der Bitte: „Bleibe bei uns, Maria!“ Zwei Tage später wurde der Grundstein zum Nationalheiligtum auf dem Monte Grisa gelegt und in Fatima der Bischof gebeten, eine originalgetreue Marienstatue anfertigen zu lassen.

Gruppenfoto der Teilnehmer an der Wallfahrt, die gemeinsam von KIRCHE IN NOT und dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien veranstaltet wurde.

Gruppenfoto der Teilnehmer an der Wallfahrt, die gemeinsam von KIRCHE IN NOT und dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien veranstaltet wurde.

1960 brachte Bischof Joao Pereira Venancio die neue Statue nach Triest, wo sie fünf Jahre in der Domkirche San Giusto blieb, ehe sie 1965 zur ersten heiligen Messe in den Rohbau der Baustelle gebracht wurde. Damals „begann ein nicht endender Strom zahlreicher großer und kleiner Wallfahrten aus Italien und dem Ausland“.

Die Unterkirche ist den Heiligen Italiens geweiht. Es gibt Statuen und Bilder von Franz von Assisi bis Pater Pio und den heiligen Päpsten Johannes und Johannes Paul, aber auch der Europapatrone Cyrill und Method, die von der slowenischen Minderheit der Region in Friaul-Julisch Venetien verehrt werden.

1992 besuchte auch Johannes Paul II. die Kirche und sprach das Gebet:

„Öffne, o Maria, Dein reines Herz
und empfange alle Völkerfamilien
aus Ost und West
aus Süd und Nord
vereint in Frieden und Eintracht
als Volk Gottes.“

So kommen Sie hin:

Vom Bahnhof Triest fährt der Bus Nr. 42 in Richtung Prosecco und Borgo San Nazario auf den Monte Grisa. Autofahrer nehmen von Triest die Richtung Prosecco, wo der Monte Grisa ausgeschildert ist oder auf der Autobahn A4 von Udine oder Venedig kommend die Ausfahrt Prosecco Richtung Triest Centro. Internet: www.montegrisa.org.

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

26.Jun 2015 08:58 · aktualisiert: 7.Jul 2015 14:59
KIN / S. Stein