Dunkle Madonna aus Kalkstein

Castelmonte – eine der ältesten Wallfahrtskirchen Italiens

Die dunkle Madonna in Castelmonte.

Die dunkle Madonna in Castelmonte.

Steinerne Überreste in der dem Erzengel Michael geweihten Krypta in Castelmonte weisen auf die römische Epoche hin, als auf dem 618 Meter über dem Meer der Adria gelegenen Berg bereits ein Posten der kaiserlichen römischen Legionen bestand.

Heute ist Castelmonte bei Udine und unweit der slowenischen Grenze Deutschen und Österreichern fast unbekannt. Als Wallfahrtsort ist Castelmonte für Italiener, Furlaner und Slowenen ein religiöses Zentrum Nordost-Italiens. Seit 1913 betreuen Kapuziner den Pilgerort.

Er ist auch Sitz einer allgemeinen Bruderschaft der Madonna del Castelmonte, die mit ihrer Zeitschrift „La Madonna di Castelmonte” das Heiligtum mit Marienverehrern in Italien und dem Ausland verbindet. An jedem Werktag gibt es vier heilige Messen, an Feiertagen im Sommer sogar sieben, im Winter zumindest noch sechs Mal.

Blick auf Castelmonte.

Blick auf Castelmonte.

Mittelpunkt der Wallfahrt nach Castelmonte ist seit über 600 Jahren eine dunkle Madonna aus Kalkstein. Die Statue wird auf die Zeit um das Jahr 1400 datiert. Zu ihr kamen Pilger aus Österreich und aus den italienischen und slawischen Gebieten. Das Gesicht der Madonna ist dunkel bemalt, nicht von natürlicher Schwärze wie bei manchen Statuen und Gnadenbildern aus Holz, das nachdunkelt. Schwarze Madonnen finden wir in vielen Kirchen der Welt, zum Beispiel in Altötting oder Tschenstochau.

Im Jahre 1419 wurde die Wallfahrtskirche in Castelmonte durch die Ungarn zerstört, 1469 durch einen Brand und kurz darauf um das Jahr 1478 durch einen Vorstoß der Türken. Gegen weitere Überfälle wurden dann die Befestigungsanlagen erbaut, die das Heiligtum zu einer Kirchenburg, einem Bergkastell, machten. Als der Protestantismus der Reformation auch Friaul bedrohte, weihte der Patrarch von Aquileja sein Land der Gottesmutter.

Aus dieser Zeit stammt ein Manuskript in slowenischer Sprache. Es sind zwei Blätter mit den Hauptgebeten des Christentums, dem Vaterunser, dem Ave-Maria und dem Apostolischen Glaubensbekenntnis, und stammt aus einem Buch der Bruderschaft der Heiligen Maria vom Berg, das erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert entdeckt und 1974 in Udine veröffentlicht wurde.

Von Castelmonte hat man eine gute Aussicht.

Von Castelmonte hat man eine gute Aussicht.

In der Krypta sehen wir zahlreiche Votivbilder mit der Aufschrift PGR als italienische Abkürzung „Für empfangene Gnade“, slowenisch abgekürzt ZMP. Bilder zeigen Unfälle, Krankenlager und Gefahrensituationen, in denen Maria dem Beter half. In der Hauptkirche sind am Hochaltar und den Seitenaltären Werke venezianischer Meister zu sehen.

Die dunkle Madonna als Mosaik.

Die dunkle Madonna als Mosaik.

Leider sind viele Kunstwerke verschwunden, seitdem die Franzosen 1797 nach Friaul kamen und plünderten. Im Zweiten Weltkrieg waren es deutsche Bomben, die Schaden anrichteten, doch wurden alle Schäden nicht nur behoben, sondern die Kirche noch vergrößert.

Das Gnadenbild war 1943 in der Krypta untergebracht und wurde erst am 5. Juli 1945 wieder in die Kirche übertragen. Nach dem verheerenden Erdbeben in Friaul von 1976, das etwa 1000 Todesopfer forderte, nahmen die Wallfahrten noch zu.

Im heutigen kleinen Dorf drängen sich massive Wehrhäuser innerhalb der Mauern um die Kirche. Außerhalb der Wehrburg ist eine in den Felsen gehauene Kirche, die „Grotta San Giovanni d’Antro” zu sehen. Eine Pilgerherberge bietet Gelegenheit zur Übernachtung.

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

KIN / S. Stein