„Der Schmerz kennt keine Nationalität”

Der Kongress „Kirche in Not” befasste sich 1981 über Flüchtlinge weltweit

Pater Maurizio Boa tröstet eine junge Frau (Foto: KIRCHE IN NOT/Ilona Budzbon).

Pater Maurizio Boa tröstet eine junge Frau (Foto: KIRCHE IN NOT/Ilona Budzbon).

Von 1952 bis 2002 gab es in Königstein im Taunus einen jährlich stattfindenden Kongress „Kirche in Not”, der immer unter einem anderen Motto stand und sich mit einem bestimmten Thema befasste. Der Kongress von 1981 hatte ein Leitwort, das auch heute wieder aktuell ist: Flüchtlinge in der Welt – eine Herausforderung für die Kirche.

Bei diesem Treffen waren damals über 500 Teilnehmer aus 30 Nationen vertreten. Schon damals wies der Kongress darauf hin, dass aus den Konfliktherden in vielen Teilen der Welt Dutzende von Millionen Menschen auf der Flucht waren.

Wie jedes Jahr war der Schlussvortrag von Pater Werenfried van Straaten Höhepunkt und Abschluss des Kongresses, dessen „Königsteiner Entschließung ’81“ die „weltweite Ächtung der Vertreibung und der rassischen, religiösen und politischen Unterdrückung, die zur Flucht führt“, forderte.

Eine eindrucksvolle Gebetsstunde, die Vertriebenenbischof Heinrich Maria Janssen und Pater Werenfried mit Texten und Fürbitten von Rudolf Grulich und Prälat Josef Haltmayer gestalteten, hatte die Teilnehmer auch pastoral in das Thema eingeführt.

Ein Containerdorf für Flüchtlinge bei Erbil, das durch KIRCHE IN NOT ermöglicht wurde (Foto: KIRCHE IN NOT/Anton Fric).

Ein Containerdorf für Flüchtlinge bei Erbil, das durch KIRCHE IN NOT ermöglicht wurde (Foto: KIRCHE IN NOT/Anton Fric).

Pater Werenfried nannte in seinem Vortrag Brennpunkte des Flüchtlingselendes, das er auf seinen weltweiten Reisen kennenlernte. Er erinnerte daran, dass uns auch heute in den Flüchtlingen die Heilige Familie auf der Flucht vor neuen Machthabern wie Herodes begegne. Es sei eines Christen unwürdig, zwar Christus im Tabernakel unter uns zu haben, aber dem Herrn unser Herz nicht zu öffnen, wenn er als notleidender Flüchtling kommt.

Werenfried erinnerte daran, dass das katholische Königstein mit dem Thema des Kongresses zu seinen Ursprüngen zurückkehre: „Die Königsteiner Anstalten, unser Werk Ostpriesterhilfe und die Kongresse ‚Kirche in Not’ sind entstanden aus der Sorge um die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge.”

Im Auftrag und mit dem Segen der Päpste Pius XII., Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. habe er die Hälfte seines Lebens den Flüchtlingen und Verfolgten widmen dürfen und habe er das Flüchtlingsproblem immer in erster Linie als ein Appell an unsere christliche, ja an unsere religiöse Pflicht empfunden und gedeutet.

Flüchtlinge im Karmelitenkloster in Bangui/Zentralafrikanische Republik (Foto: Pater Federico Trinchero).

Flüchtlinge im Karmelitenkloster in Bangui/Zentralafrikanische Republik (Foto: Pater Federico Trinchero).

Der Speckpater zeigte bei seiner Rede Maria als das Urbild der Schmerzensmutter auf und berichtete, wie er ihr in Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo) und Vietnam, in Hongkong und Friedland ebenso begegnete wie in den trostlosen Barackenlagern im Nachkriegsdeutschland und unter der Zeltplane einer arabischen Flüchtlingsfamilie in Palästina.

„Sie ist keine deutsche Mutter und auch keine vietnamesische und keine angolesische, denn der Schmerz hat keine Nationalität. Sie ist eine der Millionen aufgescheuchter, verschleppter, verfolgter, und geschändeter Mütter dieses Jahrhunderts. Ihr Mann ist gefallen oder ermordet, gefangen oder vermisst. Ihr Haus ist zerstört und enteignet. Ihren Besitz hat sie zurückgelassen oder verloren, oder er wurde ihr genommen. Ihre Dorfkirche liegt in Trümmern …“

Pater Werenfried van Straaten besucht eine arabische Flüchtlingsfamilie in Haifa (1956).

Pater Werenfried van Straaten besucht eine arabische Flüchtlingsfamilie in Haifa (1956).

Werenfried fragt weiter, warum dieses Elend nicht wie eine Kollektivschuld das Gewissen der Christenheit bedrückt.

Er berichtet, wie seine Kapellenwagen Lebensmittel in das zerstörte Deutschland brachten und dass es Fastenopfer der flämischen Jugend für arme Brüder und Schwestern in Flüchtlingslagern Nachkriegsdeutschlands gab, als er die Ostpriesterhilfe gründen konnte. Es geschah 1947 mit seinem Artikel „Kein Platz in der Herberge”.

Als die deutschen Vertriebenen nicht mehr Not litten, ermunterte er sie, für andere Vertriebene zu spenden, für Palästinenser seit 1956, dann für die Not in Asien und Afrika.

Dann geißelte Werenfried in seiner Rede auch Versäumnisse der Christen, die oft durch „Selbstsucht das Christentum so kompromittieren, dass es ein Wunder wäre, wenn die besitzlosen Völker dieses Christentum noch schätzen würden.“

Wer Pater Werenfried noch kannte, weiß, wie ehrlich er es meinte und wie er seinem Ideal bis zu seinem Tode im Jahre 2003 treu blieb. Deshalb appellierte er beim Kongress 1981: „Lassen wir denn in Gottes Namen die Liebe wieder aufwecken, die Türen und Herzen öffnet. Denn wir Menschen gehören alle zusammen.“

Angelika Steinhauer

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30.Dez 2015 10:56 · aktualisiert: 31.Dez 2015 09:09
KIN / S. Stein