Ein heiliger Beichtvater

Vor 75 Jahren starb der vom allem in Kroatien verehrte heilige Leopold Mandic

Statue des heiligen Leopold Mandic.

Statue des heiligen Leopold Mandic.

Als der kroatische Kapuzinerpater Leopold Mandić von Papst Paul VI. 1976 selig- und 1983 von Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde, verglich man ihn als begnadeten Beichtvater mit dem heiligen Pfarrer von Ars.

Während er in Italien und Kroatien und überall, wo Kroaten leben, sehr verehrt wird, ist er in Deutschland nahezu unbekannt.

Er stammt aus dem heutigen Montenegro aus der Bucht von Kotor, die von den Kroaten gerne die „Bucht der Heiligen“ genannt wird, weil von dort zwei kroatische Selige und der heilige Pater Leopold stammen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte die Bucht von Kotor zum damaligen Österreich-Ungarn.

In Muo bei Kotor wurde 1483 der selige Gracija geboren, der ein Seemann war wie viele seiner Landsleute, ehe er als Laienbruder bei den Augustinern eintrat. Er lebte in Padua und Venedig, wo er am 9. November 1508 im Ruf der Heiligkeit starb. 1810 wurde sein Leichnam nach Kotor überführt. Papst Leo XIII. sprach Gracija 1881 selig.

Pater Leopold Mandic besucht einen kranken Menschen (Filmausschnitt).

Pater Leopold Mandic besucht einen kranken Menschen (Filmausschnitt).

Bei Kotor wurde 1493 auch Katarina Koslić geboren, die als Drittordensdominikanerin den Namen Ozana erhielt und als Reklusin 52 Jahre in Kotor verbrachte. 1927 wurde sie zur Ehre der Altäre erhoben. Ihre Gebeine ruhen in der Marienkirche von Kotor.

Der dritte Selige und der erste Heilige aus der Bucht stammt aus Herceg-Novi: Leopold Mandić. Eine große kroatische Wallfahrt fand damals nach Rom statt, wo Papst Paul VI. am 2. Mai 1976 den Diener Gottes Leopold Mandić in die Schar der als selig zu Verehrenden aufnahm.

Pater Leopold Mandic wurde schon zu Lebzeiten mit dem heiligen Pfarrer von Ars (Foto) verglichen. (Foto: Sanctuaire d'Ars)

Pater Leopold Mandic wurde schon zu Lebzeiten mit dem heiligen Pfarrer von Ars (Foto) verglichen. (Foto: Sanctuaire d’Ars)

Der inzwischen verstorbene kroatische Kardinal Franjo Šeper erinnerte seine Landsleute in seiner Predigt daran, dass im gleichen Jahr die 1300-Jahr-Feier der Annahme des Christentums durch die Kroaten begangen wurde und nannte den neuen Seligen  einen „ökumenischen Menschen“. Bereits 1983 erfolgte die Heiligsprechung.

Bogdan Mandić wurde am 12. Mai 1866 als österreichischer Staatsbürger geboren. Als Sechzehnjähriger trat er in das Kolleg der Kapuziner in Udine ein, wo er das Noviziat machte und 1884 als Frater Leopold in den Kapuzinerorden aufgenommen wurde.

Sein innigster Wunsch war, für die Wiedervereinigung der Kirche tätig zu sein, hatte er doch in seiner Heimat die Feindschaft zwischen Katholiken und Orthodoxen, zwischen Kroaten und Serben erfahren.

Bereits 1885 legte er in Udine die ersten einfachen Gelübde ab und ging dann zum Studium der Philosophie nach Padua. Nach seinen feierlichen Gelübden 1888 studierte er in Venedig Theologie und wurde am 20. September 1890 in der Kirche „Maria della Salute” in Venedig zum Priester geweiht.

Die Kirche „Maria della Salute” in Venedig. Hier wurde Leopold Mandic 1890 zum Priester geweiht.

Die Kirche „Maria della Salute” in Venedig. Hier wurde Leopold Mandic 1890 zum Priester geweiht (Foto: Moser).

Sein Wunsch, ein Leben als Missionar unter den von Rom getrennten Orthodoxen zu führen, ging für Pater Leopold zeitlebens nie in Erfüllung. Nach seiner Priesterweihe blieb er zunächst für sieben Jahre im Kapuzinerkloster in Venedig.

Dann wurde er Vorsteher des Klosters im damals österreichischen Zadar. Im September 1900 riefen ihn seine Oberen zurück nach Venedig in das Kloster Bassano del Grappo, wo er vorwiegend als Beichtvater tätig war.

Seine nächsten Lebens- und Klosterstationen waren Koper in Istrien, Thiene in Friaul und schließlich 1910 das Kloster in Padua, wo er die Leitung der Kleriker übernahm. Im Ersten Weltkrieg wurde er von den Italienern als österreichischer Staatsbürger verhaftet und in Süditalien interniert.

Pater Leopold Mandic im Totenbett (Filmausschnitt).

Pater Leopold Mandic im Totenbett (Filmausschnitt).

Von 1918 bis zu seinem Tode war er wieder in Padua als vielgesuchter Beichtvater tätig. Er starb am 30. Juli 1942.

Die Menschen kamen von weither, um bei ihm Trost im Sakrament der Versöhnung zu finden. Schon zu Lebzeiten verglich man ihn mit einen anderen heiligen Beichtvater: Johannes Vianney, den Pfarrer von Ars.

Prof. Dr. Rudolf Grulich

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

Spenden per PayPal:


Spenden per Sofortüberweisung:

 

28.Jul 2017 14:09 · aktualisiert: 5.Aug 2017 18:34
KIN / S. Stein