Länderbericht China

Unsere Liebe Frau von China. Darstellung auf dem Kalender 2009 von KIRCHE IN NOT.

Unsere Liebe Frau von China. Darstellung auf unserem Kalender 2009.

Einwohner:
1,33 Milliarden

Fläche:
9 560 175 qkm (mehr als 27 mal größer als Deutschland)

Religion:
Religionslose: 50,3 Prozent
Traditionelle chinesische Religionen: 28,5 Prozent
Buddhisten: 8,4 Prozent
Christen: 7,1 Prozent (davon rund acht Millionen Katholiken, geschätzt)
Sonstige: 5,7 Prozent

Langversion des Länderberichts China

Porträt eines chinesischen Seminaristen

Chinas großer Traum, bei den Olympischen Spielen seinen rekordverdächtigen
Fortschritt wie in einem riesigen Schaufenster der ganzen Welt zu präsentieren,
ist ziemlich schnell geplatzt. Im Vorfeld der Olympischen Spiele gab es eine ganze Reihe von Rückschlägen. Die Sorgen der internationalen Gemeinschaft über die Lage der Menschenrechte in China wurden wieder größer, als das Chinesische Regime im März 2008 mit aller Härte gegen Demonstrationen und Unruhen in Tibet vorging.

Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele gingen indessen mit großem Tempo weiter; sie waren schließlich eine einmalige Gelegenheit für die Kommunistische Partei, die wiedergewonnene Größe der aufstrebenden Weltmacht China mit aller Kunst zu zelebrieren.

Obwohl nach offizieller Lesart immer noch ein atheistischer Staat, hat die Volksrepublik China in den letzten Jahren bisher einmalige Schritte unternommen,
die offensichtlich zu einer größeren Zusammenarbeit zwischen staatlichen Organen und religiösen Gruppen führen sollen. Das Thema “Religion” wurde eigens auf einer Plenarsitzung des Politbüros der Kommunistischen Partei im Dezember 2007 diskutiert.

Sogar der führende Mann in Partei und Staat, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Staatspräsident Hu Jintao, nahm an der Sitzung teil.
Manche Informationsquellen heben allerdings hervor, einer der Hauptgründe für dieses hochrangige Treffen sei die zunehmende Besorgnis der Partei gewesen
über die Zunahme der religiösen Praxis überall in China, besonders aber in den ländlichen Gebieten.

Phänomen “Religion”

Die Marxistische Lehre über das automatische Absterben der Religion in einer sozialistischen Gesellschaft will sich einfach nicht bewahrheiten; vermutlich glaubt die Kommunistische Partei inzwischen selbst nicht mehr daran. Und so versuchen die Funktionäre zunehmend, von diesen religiösen Gruppen Unterstützung für ihre gesellschaftlichen Projekte zu erlangen.

Auch Forscher an den chinesischen Universitäten untersuchen das Phänomen
“Religion”. Sie wollen herausgefunden haben, dass es im Jahr 2006 in China mindestens 300 Millionen religiös aktive Menschen gab; das wäre dreimal so viel wie die Zahl, die die Regierung selbst erst zwei Jahre zuvor veröffentlicht hatte.

Dieses phänomenale Wachstum der Religionen steigert allerdings umso mehr die Sorge der Kommunistischen Partei vor gesellschaftlichen Unruhen und einer Auflehnung der Staatsbürger. Sie haben dabei die Ereignisse im Nachbarland Birma (Myanmar) im Spätsommer 2007 deutlich vor Augen, wo die Unruhen von anfänglichen Protesten buddhistischer Mönche ausgingen.

Eine weitere Erklärung für die zunehmende Besorgnis der Regierung waren Erkenntnisse, dass religiöse Gruppen die Olympischen Spiele dazu nutzen wollten, um die Weltöffentlichkeit auf die Repressionen des Regimes aufmerksam zu machen.

Zahl der Christen wächst stark

Für das Regime besonders problematisch scheint dabei das Christentum zu sein, die zur Zeit am schnellsten wachsende Religion in China. Neueste Schätzungen gehen von einer Gesamtzahl von 50 bis 70 Millionen Christen in China aus, weit mehr als die 15 Millionen, die es nach offiziellen Schätzungen der Regierung gibt (10 Millionen Protestanten und 5 Millionen Katholiken).

Führende Kirchenleute erklären sich das Wachstum der christlichen Gemeinschaft
mit einem neuerwachten Hunger nach Freiheit, aber auch nach Wissen und Erkenntnis – nach Jahrzehnten der Unterdrückung durch die marxistische Erziehung und Propaganda.

Was auch immer die tatsächlichen Gründe sein mögen, das Christentum in seinen verschiedenen Formen wird von vielen Parteifunktionären mit Misstrauen beobachtet – und in manchen Fällen mit deutlicher Verachtung. Für die katholische Kirche in China waren die Jahre 2007 und 2008 bestimmt durch den pastoralen Brief vom 27. Mai 2007, den der damalige Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in China gerichtet hat. Darin ruft der Papst die Katholiken zu größerer Geschlossenheit auf zwischen der so genannten “Untergrund-Kirche” (die von den staatlichen Behörden als illegal angesehen wird) und der “offiziellen” (vom Staat anerkannten) katholischen Kirche.

Außerdem richtet der Papst respektvolle Bitten an die Staatsführung, der Kirche das Recht auf freie Religionsausübung einzuräumen. Wie schon seit Jahrzehnten, führt auch heute die Auswahl und Weihe chinesischer Bischöfe immer noch zu Streitigkeiten zwischen dem Vatikan und den chinesischen Behörden. Noch im Jahr 2006 war es zu drei Bischofsweihen gekommen, die gegen den Willen des Papstes
erfolgten. Vatikanische Verlautbarungen bezeichneten diese Weihen als eine
“schwerwiegende Verletzung der Religionsfreiheit” und eine “Verletzung der
kirchlichen Einheit”.

Idee einer reinen Nationalkirche

Es ist darin auch die Rede von “starkem Druck und Drohungen” gegen Bischöfe und Priester, damit sie an solchen illegalen Bischofsweihen teilnehmen. Dieser Druck gehe aus von “Einrichtungen, die nicht zur Kirche gehören”. Vermutlich ist damit die “Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung” (CCPA) gemeint, eine staatliche Behörde, die der offiziellen katholischen Kirche in China übergeordnet ist und sie steuert und kontrolliert.

Die kommunistische Partei verfolgt mit dieser Konstruktion die Idee einer reinen Nationalkirche: unabhängig vom Ausland, in “demokratischer” Abstimmung sich selbst organisierend und sich selbst finanzierend, mit ausschließlich chinesischem Führungspersonal. Diese Vorstellung kollidiert mit der katholischen Lehre, nach der die weltweite katholische Kirche aus von Bischöfen geleiteten Diözesen besteht, die miteinander in Gemeinschaft stehen und Beziehungen pflegen, und die auf ein gemeinsames, Einheit stiftendes Zentrum hingeordnet sind, auf den Bischof von Rom, von wo sie auch Weisungen entgegennehmen.

Dieser Grundwiderspruch zwischen diesen beiden Kirchenmodellen wird besonders deutlich bei der Auswahl und Einsetzung der Bischöfe. Nach den Vorstellungen der chinesischen kommunistischen Partei ist hierfür einzig die chinesische Regierung zuständig, und zwar über das Regierungsorgan der Katholischen Patriotischen Vereinigung.

Weltweit übliche katholische Praxis räumt dagegen dem Papst in Rom die letzte Entscheidungsbefugnis ein. So schreibt der Papst auch ganz offen in seinem Brief an die chinesischen Katholiken: “Der Heilige Stuhl möchte in der Ernennung der Bischöfe völlig frei sein.”

Drei Gruppen von Bischöfen

Und im Kirchenrecht heißt es zu unerlaubten Bischofsweihen: “Ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu.” (Codex Iuris Canonici, Canon 1382).

Es gibt in der katholischen Kirche in China heute drei Gruppen von Bischöfen: Da sind erstens diejenigen, die keine Kompromisse mit dem kommunistischen Staat eingehen und treu zu Rom stehen wollten. Da sie keine Aussicht auf eine staatliche Genehmigung für ihre Weihe hatten, ließen sie sich im Geheimen weihen. Auf der anderen Seite stehen die Bischöfe, die sich mit staatlicher Erlaubnis weihen ließen, aber oft ohne vorherige Abstimmung mit Rom.

An diese Bischöfe appellierte der Papst in seinem Brief, sich um eine Aussöhnung mit Rom zu bemühen. Die dritte Gruppe bilden die Bischöfe, die ursprünglich ohne Zustimmung durch Rom geweiht wurden, die Aussöhnung mit Rom aber inzwischen vollzogen haben (dies trifft mittlerweile für die Mehrheit der Bischöfe der “offiziellen” Kirche zu). Sie bittet der Papst, das nun auch offen zu bekennen gegenüber den Gläubigen und den Behörden.

Es gibt heute in China gelegentlich noch aus römischer Sicht unerlaubte Bischofsweihen, immer wieder aber auch solche, die vorher mit dem Vatikan abgestimmt wurden und dann mit ausdrücklicher Zustimmung des Heiligen Vaters erfolgen, so etwa im Herbst 2007, darunter auch der neue Erzbischof von Peking, Monsignore Guiseppe Li Shan. Er wurde am 21. September 2007 ausschließlich von Bischöfen geweiht, die sowohl “in Einheit mit dem Papst stehen” als auch von der chinesischen Regierung anerkannt sind, weshalb ihm auch “der Papst Gemeinschaft gewähre”, wie es in Veröffentlichungen des Vatikans heißt.

Mindestens 12 Bischöfe in Haft

Allerdings kommt es häufiger zu Verschiebungen von Weiheterminen, weil die Abstimmungen, die hinter den Kulissen zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan erfolgen, nicht ohne Spannungen und Reibungen ablaufen. Immerhin sind aber inzwischen 90 Prozent aller katholischen Bischöfe in China (aus der “Untergrund-” und der “offiziellen” Kirche) vom Heiligen Stuhl anerkannt.

Mindestens zwölf katholische Bischöfe und ebenso viele Priester befinden sich noch in Haft oder werden auf andere Weise daran gehindert, ihren pastoralen Dienst zu vollziehen. Während aber die Auseinandersetzungen um die Bischofsweihen in China durchaus internationale Aufmerksamkeit erregen, bleiben die Repressionen gegenüber den einfachen Gläubigen zumeist unbeachtet.

Januar 2007:
Mitarbeiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit, von manchen als eine Art Geheimpolizei angesehen, veranstalteten eine Razzia während einer Versammlung der protestantischen Kirche in der Stadt Baoding (Provinz Hebei). Das Treffen der Christen war sehr ungewöhnlich, weil es in der örtlichen Parteischule der Kommunisten stattfand. Und Gastgeber war der stellvertretende Leiter dieser Parteischule, ganz sicher ein Mitglied der kommunistischen Partei.

Dieser Vorfall ist bezeichnend für einen erstaunlichen Trend: selbst unter den Mitgliedern der Kommunistischen Partei breitet sich (wie in der ganzen Gesellschaft) der religiöse Glaube aus. Mittlerweile soll schon ein Drittel der etwa 60 bis 70 Millionen Parteimitglieder einem religiösen Glauben anhängen.

Es kommt zu Zwangsabtreibungen

April 2007:
In der Stadt Baise (Provinz Guangxi) in Südwestchina drangen zehn Beamte der örtlichen Kommission für Familienplanung in das Haus des protestantischen Pastors Yage James ein, um seine Frau, zum wiederholten Male schwanger und bereits im siebten Monat, abzuholen. Aus christlichen Grundsätzen heraus wollte das Ehepaar das Kind austragen – unter Missachtung der chinesischen Ein-Kind-Politik.

Mit Gewalt wurde die Frau in die Klinik gebracht, wo man ihr ein Mittel injizierte, das zum vorzeitigen Schwangerschaftsabbruch und zum Tod des Kindes führte. Weitere vierzig Frauen sollen in der Klinik auf ähnliche Weise Opfer einer Zwangsabtreibung geworden sein.

Sommer 2007:
Zwei Priester aus Wenzhou, Pater Shao Zhumin und Pater Jiang Sunian, wurden im Sommer 2007 freigelassen. Sie befinden sich in ärztlicher Behandlung wegen Herz- und Atemwegserkrankungen sowie Gehörschäden, die eine Folge der Misshandlungen sind, denen sie im Gefängnis ausgesetzt waren.

August 2007:
Auf einer Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung (CCPA), also der Regierungsorganisation zur Überwachung und Steuerung der katholischen Kirche, kritisierte deren Vizepräsident, Anthony Liu Bainian, den Brief des Papstes an die chinesischen Katholiken vom 27. Mai 2007.

Er nannte das Schreiben des Papstes eine “imperialistische” und “koloniale” Initiative, vergleichbar mit den Aktionen der europäischen Kolonialmächte im 19. Jahrhundert. Er hielt den Brief für ein “schlechtes Dokument”, “schlecht ins Chinesische übersetzt” und “unter politischem Gesichtspunkt gefährlich”.

Daher verhinderte er die Verbreitung dieses Briefes: Er ließ ihn von chinesischen katholischen Webseiten entfernen, und die Webseiten des Vatikans und anderer Online-Nachrichtenagenturen, die den Brief veröffentlichten, konnten nicht mehr aufgerufen werden.

Im Bezirk Qingxiu in der Nähe von Nanning (Guangxi, Südwestchina) beschlagnahmte und vernichtete die Polizei Exemplare des kirchlichen Gemeindeblatts, das Auszüge aus dem Papstbrief enthielt. Das lokale Amt für Religiöse Angelegenheiten von Nanning startete eine Kampagne gegen das
“Eindringen” des Vatikans in das Leben der Kirche: Katholische Priester mussten an politischen Versammlungen teilnehmen und Umerziehungsmaßnahmen über sich ergehen lassen, die sie dazu bringen sollten, ihren “Fehler zuzugeben”, nämlich die Veröffentlichung und Verteilung des Papstbriefes an chinesische Katholiken.

Priester in Isolationshaft

September 2007:
Am 9. September 2007 starb im Krankenhaus Bischof John Han Dingxian, Leiter der Untergrundkirche von Yongnian. Der Priester hatte die letzten beiden Jahre in Isolationshaft und mindestens 35 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht. Seine Angehörigen wurden erst wenige Stunden vor seinem Tod benachrichtigt. Doch außer ihnen durfte niemand den sterbenden Bischof besuchen, keiner seiner Priester durfte ihm das Sakrament der Krankensalbung spenden.

Kurz nach seinem Tod, der am späten Abend eintrat, wurde bereits am frühen Morgen des nächsten Tages sein Körper eingeäschert und auf einem öffentlichen Friedhof beigesetzt, ohne dass seine Angehörigen, die Gläubigen seiner Gemeinden und seine Priester ihn sehen, sich von ihm verabschieden oder ihn segnen durften. Nach Meinung einiger Katholiken in dieser Diözese wollte die Polizei “Beweise verstecken”, vielleicht Spuren von Misshandlungen und Folter. Auch wird berichtet, die Behörden hätten anschließend Besuche von Gläubigen am Grab des Bischofs stark eingeschränkt.

November 2007:
Am 14. November 2007 wurde Pater Wang Zhong aus der Diözese Xiwanzi (Hebei) zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in Guyuan die Weihe einer Kirche organisiert hatte. Ein Bericht über den Prozess, der den Nachrichtendienst AsiaNews erreichte, betont, dass der Bau dieser Kirche legal war und das Amt für Religiöse Angelegenheiten eine Baugenehmigung erteilt hatte.

Aber der Priester war ein Untergrundpriester, der nicht bei der Patriotischen Vereinigung registriert war. Pater Wang wurde am 24. Juli 2007 verhaftet. Nach seiner Festnahme kam er in Isolationshaft und durfte keine Besucher empfangen. Er konnte keinen Rechtsanwalt bestimmen und es war ihm auch nicht möglich, seine Verteidigung vorzubereiten.

Die Diözese Xiwanzi ist eine Diözese der Untergrundkirche, mit 15.000 Gläubigen, ca. 260 km nördlich von Peking gelegen, fast an der Grenze zur Inneren Mongolei. In diesem Gebiet führt die Polizei, aufgehetzt von der Patriotischen Vereinigung, seit einigen Monaten eine Kampagne gegen die Priester und Bischöfe der nicht-offiziellen Kirche durch. Der Weihbischof der Diözese, Monsignore Yao Liang, verschwand nach seiner Festnahme durch die Polizei am 30. Juli 2006. Es befinden sich 20 Gläubige und 2 Priester im Gefängnis.

Hausarrest und Gefängnisstrafen

November 2007:
Am 25. November 2007 wurde der Leiter des Seminars in der Diözese Yujiang (Jiangxi, Zentralchina), Pater Zeng Zhongliang, zusammen mit einem seiner Seminaristen, Wang Bin, während eines Besuchs in der südlichen Provinz Guangdong verhaftet und in ein Gefängnis in Yujiang eingeliefert.

Ihrer Verhaftung vorausgegangen war einige Tage zuvor eine Versammlung aller Priester in ihrer Diözese, die Pater Zeng in der Stadt Fuzhou organisiert hatte. Bei dieser Zusammenkunft hatte der Priester den Bischof der Diözese, seinen 85-jährigen Onkel, Monsignore Tommaso Zeng Jingmu, vertreten, der seit einiger Zeit unter Hausarrest stand.

Dezember 2007:
Regierungsbehörden in der Stadt Wuqui (Provinz Hebei) gingen gegen ein Kinderheim vor, das von Ordensschwestern und Gläubigen der Untergrundkirche betrieben wird. In dem Kinderheim werden Hunderte von ausgesetzten und oft behinderten Kindern betreut. Die örtlichen Behörden haben es dem Kinderheim untersagt, Spenden anzunehmen oder Besuch von Bewohnern des Ortes zu empfangen. Zur Überwachung wurde im Eingangsbereich sogar eine Videokamera installiert, und Ordensschwestern mussten lange Verhöre bei der Polizei über sich ergehen lassen.

In den Monaten zuvor waren freiwillige Helfer, die zum Teil Sachspenden im Kinderheim abgeben wollten, von der Polizei kontrolliert und zu Geldbußen verurteilt worden. Die Ordensschwestern gehören zur Diözese Zhengding, deren Bischof, Julius Jia Zhiguo, immer wieder verhaftet wurde, weil er sich weigerte, sich der Patriotischen Vereinigung anzuschließen.

Wallfahrt mit Hindernissen

Mai 2008:
Jährlich findet am 24. Mai eine Wallfahrt zum Marien-Heiligtum Sheshan in der Nähe von Shanghai statt. Die chinesischen Katholiken gelten als große Marienverehrer. Papst Benedikt XVI. hatte in seinem Brief an die Katholiken genau diesen Tag zum weltweiten Gebetstag für die katholische Kirche in China erklärt. Dazu hat er ein eigenes Gebet verfasst, das sich an Unsere Liebe Frau von Sheshan richtet; unter anderem heißt es darin: “…schenke deinen Kindern die Fähigkeit, in jeder Situation, mag sie auch noch so düster sein, die Zeichen der liebenden Gegenwart Gottes zu erkennen.”

Aus Angst vor einer zu großen Beteiligung der Bevölkerung an der Wallfahrt und “aus Sicherheitsgründen” erließen die staatlichen Behörden scharfe Beschränkungen. Nur Gläubige aus der Diözese Shanghai selbst durften an der Wallfahrt teilnehmen, und auch nur mit vorheriger persönlicher Genehmigung durch die Behörden (für Angehörige der “Untergrund”-Kirche eine äußerst heikle Angelegenheit).

Viele Priester erhielten die Anweisung, im Monat Mai jede pastorale Aktion zu unterlassen. Teilweise wurden Priester sogar unter Hausarrest gestellt, verhaftet oder scharf überwacht, um sie an einer Wallfahrt zu hindern. Die Diözesen wurden angewiesen, Marienandachten im eigenen Bistum zu organisieren. Kardinal Joseph Zen Ze-kiun aus Hongkong, der mit eintausend Gläubigen nach Sheshan pilgern wollte, musste die Wallfahrt absagen. Und so kamen dann am Ende nur etwa 2500 Pilger, sehr viel weniger als ursprünglich erwartet.

(Quelle: Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2008, Stand: 2008)

 

5.Jun 2009 10:39 · aktualisiert: 13.Jan 2014 13:58
KIN / S. Stein