Länderbericht Saudi-Arabien

Saudi-Arabien ist das Kernland des Islam.

Saudi-Arabien ist das Kernland des Islam.

Einwohner:
23,7 Millionen

Fläche:
2 149 690 qkm (sechs Mal größer als Deutschland)

Religion:
Muslime: 93,7 Prozent
Christen: 3,7 Prozent (darunter 900 000 Katholiken)
Sonstige: 2,6 Prozent

Von allen arabischen Ländern ist Saudi-Arabien dasjenige, in dem Religionsfreiheit am nachdrücklichsten abgelehnt wird, sogar ganz prinzipiell. Das Königreich erklärt sich für “vollkommen” islamisch und sieht den Koran als die einzige Verfassung des Landes an und die Scharia als seine Rechtsgrundlage.

In der theologischen Interpretation des Wahhabismus, wie sie vom Staat unterstützt wird, ist das Land der arabischen Halbinsel das Heimatland des Propheten Mohammed, das heiligste aller Länder, wo man nicht einmal die tolerierten “Buchreligionen”, also Judentum und Christentum, praktizieren darf.

Besitz von Bibeln und öffentliches Beten sind verboten

Aus diesem Grund wird auch alles, was als Angriff auf diese Art von religiöser Reinheit verstanden werden kann, streng verfolgt und unterdrückt, und die Behörden sind verpflichtet, das Verbreiten einer anderen religiösen Botschaft als des islamischen Glaubens zu verhindern. Jeder Ausdruck eines nicht-muslimischen
Glaubens (Besitz von Bibeln, Tragen eines Kruzifixes, eines Rosenkranzes, Beten in der Öffentlichkeit) ist daher verboten.

Die Religionspolizei (die berüchtigten mutawwa’in) hat große Macht und ist verantwortlich dafür, die Aktivitäten anderer Religionen zu überwachen. Der exzessive “Eifer” der mutawwa’in ist der Grund für Massenverhaftungen und Folter in den Gefängnissen. Die Religionspolizei verhaftet oft Mitglieder von religiösen Minderheiten, sowohl Christen als auch Schiiten, die nur freigelassen werden, nachdem sie ein Dokument unterschrieben haben, in dem sie ihrem Glauben abschwören.

Nichtmuslimische Arbeitskräfte werden festgenommen, deportiert oder zu Gefängnisstrafen verurteilt, wenn man herausfindet, dass sie ihre Religion in irgendeiner Form praktizieren, oder wenn sie angeklagt werden, religiöses Material zu besitzen oder zu missionieren. Dank des internationalen Drucks hat die saudische Königsfamilie in den letzten Jahren die Ausübung anderer Religionen erlaubt, aber nur im Privaten. Allerdings ist die Unterscheidung zwischen der öffentlichen und der privaten Sphäre noch nicht eindeutig.

Christen sind von der Seelsorge ausgeschlossen

Es ist schwierig, herauszufinden, wie viele Christen genau in diesem Land leben. Sie machen sicher einen bedeutenden Prozentsatz der über acht Millionen ausländischen Arbeitskräfte aus. Es wird geschätzt, dass es mindestens eine Million davon gibt, hauptsächlich aus den Philippinen, aber auch aus Europa, den Vereinigten Staaten und dem Nahen Osten. Christen sind von der Seelsorge ausgeschlossen, da Priester in diesem Land nicht erlaubt sind. Grundsätzlich ist es den Christen verwehrt, ihren Glauben durch öffentliche Gottesdienste auszuüben.

August 2007:
Im August 2007 wurde der Fall eines christlichen Arztes ägyptischer Herkunft namens Mamdoo Fahmy durch seine Rückkehr nach Kairo gelöst. Seit 2004 hatte Fahmy als Arzt im medizinischen Zentrum Albyaan Menfhoh in Riad gearbeitet. Von Anfang an hatten seine muslimischen Kollegen ihn beleidigt, weil er ein Christ ist, und 2005 bekam er “Besuch” von den mutawwa’in.

Nach der Hausdurchsuchung beschuldigten die Beamten ihn, ein christlicher Missionar zu sein und Alkohol zu trinken. Nach fünf Tagen Isolationshaft wurde er freigelassen. Weil er seinen Arbeitsplatz verloren hatte, wollte der Arzt nach Ägypten zurückkehren, aber zwei Jahre lang weigerten sich die Saudis, ihm seinen Pass zurückzugeben oder ihm die Papiere auszuhändigen, die er brauchte, um das Land zu verlassen. Der Fall wurde schließlich gelöst, teilweise auch durch eine internationale Kampagne der Organisation International Christian Concern (ICC).

November 2007:
Im November 2007 empfing der Papst den saudischen König Abdullah “in herzlicher Atmosphäre”. Da es keine diplomatischen Beziehungen gibt, war dies das erste Treffen zwischen dem Heiligen Stuhl und Saudi-Arabien auf dieser Ebene. Der Vatikan hatte Saudi-Arabien immer als eines der Länder bezeichnet, in denen die Religionsfreiheit am wenigsten respektiert wird. Über dieses “historische Treffen” drang sehr wenig nach außen.

Al Dschasira erklärte, einige der besprochenen Themen seien die “Situation der christlichen Minderheit in Saudi Arabien, der Bedarf an stärkerer interreligiöser Zusammenarbeit und die Aussichten für Frieden im Nahen Osten”. In seinem Kommentar dieses Besuches gegenüber der Nachrichtenagentur AsiaNews betonte Monsignore Paul Hinder, seit 2005 Apostolischer Vikar in Arabien, dass die Religionsfreiheit in Saudi-Arabien immer noch ein Problem darstelle, auch wenn es in den letzten Jahren weniger Verhaftungen von Christen gegeben und der König die Macht der mutawwa’in begrenzt habe.

“Ich glaube, dieses Treffen war auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, die religiösen Rechte der Christen in Saudi-Arabien zur Sprache zu bringen. Dieses Thema wird nicht ausdrücklich in der Presseerklärung erwähnt, aber die ‚positive Anwesenheit und Arbeit der Christen’ wurde benannt. Ich glaube, dass der Papst innerhalb dieses Rahmens auch über Glaubensfreiheit in Saudi-Arabien sprechen konnte.”

April 2008:
Es wird vermutet, dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Treffen mit dem saudi-arabischen König im November 2007 auch die Möglichkeit der Errichtung von Kirchen in Saudi-Arabien angesprochen hat. Nachdem zu Ostern 2008 auch in Qatar eine Kirche eingeweiht wurde, ist Saudi-Arabien nunmehr der letzte Staat auf der arabischen Halbinsel, in dem es keine einzige Kirche gibt, keine einzige öffentliche Gebetsstätte für Christen. König Abdullah soll versprochen haben, die Möglichkeiten zu prüfen.

Im April 2008 äußerte sich nun der Islam-Gelehrte und Vorsitzende des saudischen Zentrums für strategische Nahost-Studien, Scheich Anwar Ashiqi, sehr reserviert zu dem Thema und meinte, es “könnten offizielle Verhandlungen über den Bau einer Kirche in Saudi-Arabien erst dann stattfinden, wenn der Papst und alle christlichen Kirchen den Propheten Mohammed anerkennen”.

(Quelle: Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2008, Stand: 2008)

 

23.Jun 2009 14:39 · aktualisiert: 23.Jan 2012 15:25
KIN / S. Stein