Länderbericht Vietnam

Katechese-Unterricht in Vietnam.

Katechese-Unterricht in Vietnam.

Einwohner: 84,1 Millionen

Fläche: 331 689 qkm (etwas kleiner als Deutschland)

Religion:
Buddhisten: 49,5 Prozent
Religionslose: 20,5 Prozent
neue Religionen: 11,3 Prozent
Animisten: 8,5 Prozent
Christen: 8,3 Prozent (darunter 6 Millionen Katholiken)
Sonstige: 1,9 Prozent

Im Februar 2007 trat ein neues Religionsgesetz in Kraft. Es behandelt die verschiedenen Glaubensüberzeugungen im Land als soziale Kräfte, die unter der Führung der allmächtigen Kommunistischen Partei zum Fortschritt des Landes beitragen können und müssen. Aus dieser Perspektive sind religiöse Aktivitäten immer noch der Zustimmung der Behörden unterworfen.

Beispielsweise müssen die Führer der verschiedenen Religionen zu Jahresbeginn einen Plan ihrer Aktivitäten vorlegen, und es ist nicht sicher, dass alles, was sie tun wollen, auch erlaubt wird. Ordensschwestern und Priester dürfen zwar als Einzelpersonen in den Bereichen Bildung, Medien, Gesundheit und Sozialarbeit wirken; aber religiösen Organisationen sind diese Bereiche weiterhin verwehrt.

Religionsfreiheit ist oft Behördenwillkür

In der Praxis hängt der Grad der religiösen Freiheit direkt davon ab, was lokale Behörden zu erlauben willens sind, vor allem in Regionen, die normalerweise nicht unter internationaler Beobachtung stehen. Hier tendieren die Behörden eher dazu, die religiöse Freiheit eng zu begrenzen, wenn sie nicht gar aktiv Verfolgung betreiben.

Immerhin aber haben die Vereinigten Staaten und der Heilige Stuhl öffentlich anerkannt, dass sich die Situation im Land verbessert hat. Das US-Außenministerium hat Vietnam von seiner Liste der Länder gestrichen, wo die
Religionsfreiheit besonders gefährdet ist (Countries of Particular Concern – CPC). US-Sonderbotschafter John V. Hanford III., Leiter des US-Büros für weltweite Religionsfreiheit, sagte, dass “Vietnam signifikante Fortschritte in Richtung Religionsfreiheit gemacht hat”.

Hoffnung auf normale Beziehungen zum Vatikan

Der Vatikan erklärte in einer Pressemeldung vom 25. Januar 2007 anlässlich des ersten Treffens zwischen Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dung und dem Papst, dass “die Beziehungen in den letzten Jahren konkrete Fortschritte gemacht und der Religionsfreiheit für die katholische Kirche in Vietnam neue Räume eröffnet haben”. Allerdings erwähnte die gleiche Meldung auch nicht näher bezeichnete “bleibende Probleme”, die hoffentlich “durch die bestehenden Wege des Dialogs” gelöst werden können.

Der Besuch Tan Dungs im Vatikan stand nicht nur am Beginn des neuen Jahres, sondern ließ auch die Hoffnung aufkeimen, dass beide Seiten wieder normale diplomatische Beziehungen aufnehmen können. Diese waren nach der kommunistischen Machtübernahme im Jahr 1954 abgebrochen worden. Diese Möglichkeit wurde sogar in Vietnams streng kontrollierter Presse erwähnt, die berichtete, dass der Premierminister selbst darüber gesprochen hatte.

März 2007:
Am 30. März 2007 wurde der katholische Priester Nguyen Van Ly wegen Propaganda
gegen das Regime zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Vier weitere Personen wurden zusammen mit Pfarrer Van Ly, der bereits vierzehn Jahre im Gefängnis verbracht hatte, verurteilt. Man warf dem sechzig Jahre alten Priester vor, hinter einer Bewegung für die Demokratie mit Namen “Block 8406” zu stecken, die im April 2006 mit etwa zweitausend Mitgliedern gegründet worden war.

Er wurde auch beschuldigt, illegale Gruppen wie die “Fortschrittspartei von Vietnam” zu unterstützen. Als Reaktion verabschiedete das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten die Resolution 243, die seine “bedingungslose Freilassung” und die aller politischen Gefangenen forderte.

Januar 2008:
Polizisten stoppten ein Gebetstreffen von rund 50 Katholiken aus dem Dorf Ploi Hamong Ktu im Distrikt Dak Ha. Ein Erwachsener und drei Jugendliche wurden verhaftet und misshandelt. Die Jugendlichen wurden getreten und mit Bambusstöcken geschlagen. Der Erwachsene wurde ebenfalls getreten und zusätzlich mit Elektroschocks drangsaliert, bis er das Bewusstsein verlor. Noch Wochen später war er unfähig, zu gehen.

Februar 2008:
Nach wochenlangen friedlichen Demonstrationen katholischer Christen in der Hauptstadt Hanoi erklärte sich die Regierung bereit, ein vor Jahren vom Staat
beschlagnahmtes ehemalige Gebäude der Kirche an diese zurückzugeben. Das Gebäude war früher der Sitz des Päpstlichen Nuntius. Seit dem 18. Dezember 2007 hatten sich täglich mehrere Tausend Gläubige auf dem Gelände des Bischofssitzes

versammelt, um miteinander für die Rückgabe des Gebäudes zu beten. Dieses Protestgebet sollte einen Brief unterstützen, den der Erzbischof von Hanoi, Monsignore Joseph Ngo Quang Kiet, am 15. Dezember 2007 an das lokale Volkskomitee geschickt hatte und in dem er die Rückgabe des Gebäudes gefordert hatte, das die Regierung im Jahr 1959 beschlagnahmt hatte.

Die Behörden hatten die Forderung des Prälaten zurückgewiesen, und nun sollte das Gebäude an eine Entwicklungsgesellschaft verkauft werden, die es in einen Supermarkt mit Parkhaus umwandeln wollten. Tage- und nächtelang umrundeten Priester, Ordensschwestern und Laien die Muttergottes-Statue, die sich im Garten des Gebäudes befindet, und das große Kreuz, das sie errichtet hatten. Am Ende wurde ihr Gebet erhört.

In vielen anderen Fällen aber warten die Gläubigen noch immer vergeblich auf die Rückgabe ehemals kirchlicher Besitztümer. Immer öfter protestieren Sie öffentlich gegen die Enteignungen von kirchlichem Besitz durch das kommunistische Regime im Jahr 1975.

März 2008:
Seit März 2008 darf jetzt auch das dritte von insgesamt sieben Priesterseminaren
jedes Jahr neue Kandidaten aufnehmen. Nach der Machtergreifung der Kommunisten 1975 waren alle Priesterseminare geschlossen worden. Erst nach und nach konnten sie wiedereröffnet werden, allerdings unter strengen Auflagen der Regierung für die Aufnahme junger Seminaristen.

April 2008:
Im April startete die Regierung eine Medien-Kampagne gegen Katholiken, die seit Jahresbeginn in Hanoi für die Rückgabe ehemaligen Kircheneigentums demonstrierten. Ihnen wurde vorgeworfen, ohne Erlaubnis Kreuze und Marienstatuen aufzustellen und mit ihren Gebetsandachten den öffentlichen Frieden zu stören. “Drakonische” Strafen wurden gefordert. Erzbischof Joseph Ngo Quang Kiet von Hanoi unterstützte seine Gläubigen und betonte, man werde nicht nachlassen im Kampf um ehemaliges Eigentum. Die Katholiken in Vietnam seien nicht mehr “so ängstlich und eingeschüchtert wie in der Vergangenheit”.

(Quelle: Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2008, Stand: 2008)

 

23.Jun 2009 17:04 · aktualisiert: 6.Nov 2013 09:49
KIN / S. Stein