Länderbericht Mexiko

Junger Priester aus Mexiko. Obere Beschreibung.

Junger Priester aus Mexiko.

Einwohner: 110,6 Millionen

Fläche: 1 958 201 qkm

Religion:
Christen: 95,9 Prozent
Religionslose: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

Gesetzesänderungen

Im Februar 2010 verankerte das Abgeordnetenhaus fast einstimmig die Laizität des mexikanischen Staates in der Verfassung. Die Politik und die staatlichen Behörden und Einrichtungen sind damit in ihren Entscheidungen frei und keiner bestimmten Religion oder Weltanschauung verpflichtet. Die Verfassungsänderung betrifft die Paragrafen 40, 108 und 130; diese beschreiben die Merkmale des mexikanischen Staates, die Pflichten der Beamten und die spezifischen Rechte von religiösen Würdenträgern.

Die Befürworter der Initiative nennen als Ziel, die politische Aktivität der katholischen Hierarchie einzuschränken. Porfirio Muñoz Ledo, ein Abgeordneter der Linken, sagte, die Initiative „ist eine Antwort auf das anmaßende Verhalten der katholischen Hierarchie, die sich in die Politik eingemischt und über die Autorität des Staates gestellt“ habe.

Der ehemalige Bundesminister, Juventino Castro y Castro, sagte, in diesem 21. Jahrhundert seien drei verfassungsrechtliche Prinzipien für Mexiko wichtig: Achtung vor der Gewissensfreiheit, Unabhängigkeit der Politik von religiösen Vorschriften und Vermeidung einer direkten oder indirekten Diskriminierung von Personen.

Die Katholische Kirche warnte, diese Reform sei nicht nur überflüssig, sondern schaffe eine Atmosphäre des Misstrauens und stelle eine Einschränkung der Religionsfreiheit dar. Der Erzbischof von Leon, José Guadalupe Martín Rábago, betonte, die Katholische Kirche habe keine Befürchtungen wegen der Laizität des Staates. Richtig verstanden fördere die Kirche die Laizität des Staates als rechtlich geeigneter Weg zur Anerkennung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit.

Der Erzbischof von Guadalajara, Kardinal Juan Sandoval Íñiguez, erklärte, die Verfassungsreform sei sehr unglücklich, da sie gegen das demokratische Prinzip der Gleichheit aller Mexikaner verstoße und einen Rückschritt darstelle. Sie schränke die Freiheit und Gleichheit ein.

Der Sprecher der Mexikanischen Bischofskonferenz, P. Manuel Corral Martín, bestätigte, für die Gesellschaft sei es am besten, wenn der Staat möglichst säkular sei. Wenn die Reform nicht das Ziel habe, die Freiheit und die Rechte der Person einzuschränken, sei sie zu begrüßen. Wenn sie jedoch als Ziel eine Zensur verfolge, wäre dies ein bedauerlicher Rückschritt in die Vergangenheit.

Nachdem die Verfassungsänderung im Abgeordnetenhaus beschlossen wurde, wird sie jetzt dem Senat zur Genehmigung vorgelegt.

Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und Staat

Im Kampf gegen den Drogenhandel kamen zahlreiche Polizisten ums Leben. Bei der Fahndung nach Drogenhändlern gab es bedauerliche Zwischenfälle. Beispielsweise drangen 200 Polizisten ohne vorherige Ankündigung und ohne Durchsuchungsbefehl in die Feier der heiligen Messe in einer Kirche in Apatzingán (Michoacán) ein.

Sie verriegelten die Türen, ließen Frauen und Kinder hinaus und hielten die Männer fest und kontrollierten sie in der Hoffnung, den Anführer des Drogenkartells „La Familia“ zu finden. Die mexikanische Bischofskonferenz bewertete diesen Einsatz als grobe Respektlosigkeit. Es sei inakzeptabel, eine heilige Handlung zu stören, um vielleicht Drogenhändler festnehmen zu können.

Auch die Katholische Kirche hat unter der Gewalt der Drogenkartelle gelitten. Ein katholischer Priester, P. Habacuc Hernández Benítez und zwei Seminaristen, Eduardo Oregón Benítez und Silvestre González Cambrón, wurden in Arcelia getötet, nachdem mindestens zwanzig Schüsse auf ihr Auto abgefeuert worden waren. Im Februar 2010 wurde an dem Maristenpater José Luis Parra Puerto ein Raubmord verübt, als dieser mit seinem Kleinbus in einer der Siedlungen im Westen von Mexiko-Stadt unterwegs war.

Neben Ermordungen gab es auch Todesdrohungen gegen kirchliche Mitarbeiter sowie Entführungen. Laut einer Studie des Multimedia-Zentrums der Mexikanischen Bischofskonferenz, die nach diesen Gewalttaten gegen Geistliche durchgeführt wurde, ist Mexiko nach Kolumbien für Priester das gefährlichste Land Lateinamerikas.

Abgesehen von solchen Gewalttaten gibt es auch die normale Kriminalität. Interpol zufolge gehören die Kirchen und sakralen Kunstwerke Mexikos zu den am häufigsten geplünderten Lateinamerikas. Es gab jedoch auch andere Übergriffe auf die Freiheit der Katholischen Kirche. In San Sebastián Tutla unterbrach beispielsweise eine Gruppe von etwa 50 Personen mit Bannern und Postern die Sonntagsmesse in der Kathedrale.

Die Gruppe wurde von der städtischen Behörde angeführt; diese wollte die Verwaltung des Gotteshauses an sich reißen. Der Bischof erklärte daraufhin, dass auf diese Art und Weise die Trennung von Kirche und Staat nicht respektiert werde. Die Verwaltung der Kirchengebäude obliege der Kirche selbst.

Eine andere Auseinandersetzung betrifft eine von der Regierung ausgearbeitete Broschüre zu Gesundheitsfragen, in der auch das Thema Sexualität besprochen wird, und die von den Schulen verteilt werden muss. Zielpublikum: Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren, ohne Berücksichtigung des Altersunterschieds. Die Eltern waren bei der Erstellung der Broschüre nicht hinzugezogen worden. Die Kirche kritisierte auch folgende Formulierung: „Wenn du vor mehr als 72 Stunden ungeschützten Geschlechtsverkehr hattest, kannst Du ein Notfallverhütungsmittel bekommen. Schütze dich, du hast ein Recht darauf!“

Die Mexikanische Bischofskonferenz forderte die Rücknahme der Broschüre durch das Gesundheitsministerium und die Erstellung einer neuen Broschüre in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Elternverbänden.

Schließlich entstand eine hitzige Debatte über die Reform des Zivilgesetzbuches von Mexiko-Stadt über die Eheschließung von Homosexuellen, die im Dezember vom Stadtparlament beschlossen wurde (mit 39 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen). Die Reform ändert die Definition von Ehe in einen „freien Bund von zwei Menschen zum Zweck einer Lebensgemeinschaft in gegenseitigem Respekt, Gleichheit und gegenseitiger Hilfe.“

Die Lebenspartner besitzen damit die gleichen Rechte und Pflichten, wenn sie ein Kind haben oder seit zwei Jahren zusammen leben. Heterosexuelle und homosexuelle Lebensgemeinschaften haben damit das Recht zur Adoption eines Kindes. Vertreter der Katholischen Kirche verurteilten die Gesetzesänderung als „Widerspruch zur Moral und zum Recht des Kindes.“

Die Kirche hatte bereits Alarm geschlagen wegen der Gesetzgebung von Mexiko-Stadt zur Abtreibung: Die linksgerichtete Regierungspartei von Mexiko-Stadt, Partido de la Revolución Democrática (PRD), beschloss die Legalisierung der Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche.

Eine Abgeordnete der PRD aus Jalisco arbeitete an einem ähnlichen Gesetzentwurf, der am 28. Mai 2010 im Stadtparlament eingebracht wurde. Der Entwurf schließt die Möglichkeit einer Adoption aus und verwendet das Wort Ehe nicht. Die Abgeordnete setzte Kardinal Juan Sandoval Íñiguez über diese Gesetzesinitiative in Kenntnis.

Andere christliche Konfessionen / andere Religionen

Gewalt gegen Geistliche beschränkt sich nicht auf Katholiken. Im Juli 2009 wurden Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage durch einen Anführer des Drogenkartells Juárez ermordet.

Quellen:
AFP www.mexicomigrante.com
CNN Expansión www.cnnexpansion.com
Mexikanische Bischofskonferenz www.cem.org.mx
Ecclesia Digital www.revistaecclesia.com
EFE www.lavanguardia.es
El Observador www.catholic-church.org/observador
El Universal www.eluniversal.com.mx
Milenio www.milenio.com
Zenit www.zenit.org

(aus: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010, Stand: 2011)

 

28.Jun 2012 11:41 · aktualisiert: 23.Jun 2015 10:14
KIN / S. Stein